Mal wieder nicht nachgerechnet?

Um die letzten Rest rechter Vergangenheit loszuwerden, geht es demnächst dem „Führer“schein an den Kragen. Die Regelungen sind anscheinend noch komplizierter als bei den Heizungen, was die politischen Schwachmaten jedoch nicht hindern wird, das trotzdem umzusetzen – oder es zumindest zu versuchen.

Jungen „Führer“scheinerwerbern soll die Suppe damit versalzen werden, dass sie erst mal 3 Jahre lang nicht schneller als 90 km/h fahren dürfen und auch erst nach 3 Jahren einen SUV kaufen können, weil der schwerer ist als das für sie zulässige Gewicht. Für ein E-Auto der Mittelklasse oder ein Wohnmobil muss dann später noch mal eine Zusatzprüfung gemacht werden, weil die Kameraden mehr als 1,7 to wiegen, usw usw.

Für ältere Bürger, die ihren Schein möglicherweise noch vom Führer persönlich bekommen haben, ist der Führerschein im Alter von 60-70 nur 7 Jahre gültig, bei 70-80 nur 5 Jahre und ab 80 nur 2 Jahre. Nach Ablauf der Zeit müssen die Leute medizinische, psychologische, theoretische und praktische Test und Prüfungen bestehen.

Durchgesetzt werden soll das durch „drakonische Strafen“ (O-Ton EU-Parlament), die angeblich (ich weiß nicht, ob das nur Satire ist, aber zuzutrauen ist den Geistesgestörten das durchaus) bis zu nächtlichen Ausgehverboten reichen.

Was mal wieder ausgeklammert ist: wer soll das eigentlich kontrollieren oder prüfen? Laut den Daten des Kraftfahrtbundesamtes liegt die Zahl der Führerscheinprüfungen bei etwa 1,7 Mio / Jahr (2022). Alleine bei den Jüngeren würde sich diese Zahl fast verdoppeln, wollen diese nach ein paar Jahren auf ein größeres Gefährt umsteigen, also prognostizieren wir mal den Bedarf an allem Drum und Dran auf 3 Mio / Jahr.

Über 60 sind derzeit ca. 25 Mio Bürger, von denen die meisten einen Führerschein haben und der Anteil der nicht mehr Fahrenden erst im höheren Alter abnimmt. Über 80 sind ca. 6 Mio Menschen und wenn die Hälfte von denen noch fahren darf (oder muss, weil Bahn und Bus funktionieren ja nicht), wären das ca. 1,5 Mio Prüfungen / Jahr. Ähnlich kann man schätzen, dass bei den über 18 Mio zwischen 60 und 80 gut 3,6 Mio Prüfungen / Jahr hinzukommen, also alleine für die Alten in Summe ca. 5 Mio.

Fassen wir zusammen: aus den 1,7 Mio werden dann ungefähr 8 Mio Prüfungen / Jahr, d.h. die Kapazität der Organisation – Fahrschulen, Fahrprüfer, Mediziner/Psychologen, Straßenverkehrsämter – müsste nahezu verfünffacht werden. Die Chancen stehen also gut, dass ein 18-Jähriger, der sich in der Fahrschule anmeldet, die Fahrerlaubnis erst im Alter von 21 – 23 Jahren bekommt und ein 60-Jähriger seinen 75. Geburtstag feiert, wenn sein Schein das erste mal verlängert wird.

Zudem wäre das ja alles noch auf der Straße zu prüfen. Im Prinzip bliebe der Polizei ja nichts anderes übrig, als völlig wahllos Autos anzuhalten und die Papiere zu prüfen. Dank Personalmangel passiert das selbst heute kaum noch. Einsatz von KI durch Kameraauswertung von Gesichtern hinter dem Steuer? Theoretisch ja, aber der Umsatz von Amazon in der Rubrik „Pappnasen und Scooterbrillen“ dürfte gewaltig steigen und auch das sehr schwer machen.

Und rein praktisch gefragt: viele der älteren Menschen sind auf ihr Auto angewiesen, beim Einkaufen, beim Arztbesuch usw. Wie soll es gehandhabt werden, wenn die nun gar keine Chance haben, rechtzeitig eine neue Prüfung zu machen, weil die Kapazitäten fehlen? Nach dem Berliner Modell? ¹⁾ Oder sollen die vorübergehend sämtliche Lebensfunktionen einstellen?


¹⁾ Laut Gesetz müssen sich Bürger bei einem Umzug innerhalb von 4 Wochen beim Meldeamt registrieren lassen. In Berlin liegt die Zeit, um einen Termin dafür beim Meldeamt zu bekommen, in manchen Bezirken bei bis zu 6 Monaten.