Der moralische Zerfall

Israel steht am Rande einer internen Katastrophe. Die Mittelschicht verlässt scharenweise das Land, insbesondere wenn es sich um Israelis mit einem zweiten Pass handelt. Ersetzt wird diese produktive Schicht, deren Produktivität durch Dauermilitäreinsatz ohnehin schon eingeschränkt war, durch „Siedler“, meist Ultra-Zionisten der Sorte, die auch keinen Militärdienst leisten.

Den moralischen Bankrott erklärt Generalmajor Avi Bluth in diversen Vorträgen:

Israel billigt Plan zur Verhinderung von Gewaltspiralen unter jungen Siedlern im Westjordanland

Die israelischen Streitkräfte (IDF) diskriminieren zwischen jüdischen und palästinensischen Steinewerfern im Westjordanland, wie ihr Oberbefehlshaber kürzlich einräumte. Er erklärte, dass „der Beschuss von Juden durch Soldaten tiefgreifende gesellschaftliche Folgen hat“.

Wie Haaretz erfuhr, sagte Generalmajor Avi Bluth, Chef des israelischen Zentralkommandos, kürzlich in einem nicht-öffentlichen Forum, dass es sich bei Steinwürfen von Palästinensern auf Zivilisten im Westjordanland um „Terrorismus, nicht um Volksterrorismus, sondern um Volkstanz“ handle. Er fügte hinzu, die IDF habe im Jahr 2025 „42 Steinewerfer auf den Straßen getötet“.

Bluth stellte jedoch klar, dass er es bevorzuge, wenn Soldaten nicht-tödliche Mittel einsetzen, um jüdische Steinewerfer auseinanderzutreiben. „Wir müssen nicht schießen, und ja, das beinhaltet Diskriminierung“, sagte er. Bluth äußerte sich stolz darüber, dass er die Schusswaffengebote im Westjordanland gegen Palästinenser, die versuchen, die Sperranlage nach Israel zu überqueren, gelockert habe.

Die Einsatzregeln an der „Nahtlinie“ zwischen Israel und dem Westjordanland erlauben es Soldaten, Verdächtige bei einer Festnahme in oder unterhalb des Knies zu erschießen, sagte Bluth. Dies schaffe eine abschreckende Wirkung, die er als „Barrierebewusstsein“ bezeichnete.

Mit Blick auf die Palästinenser, die beim Versuch, die Sperranlage zu überwinden, erschossen wurden, sagte er: „Es gibt viele ‚hinkende Denkmäler‘ in palästinensischen Dörfern von denen, die es versucht haben. Es wird also ein Preis gezahlt.“ Bluth behauptete außerdem, die israelischen Streitkräfte hätten in den letzten drei Jahren im Westjordanland „1.500 Terroristen getötet“, von denen 70 Prozent „bewaffnet“ gewesen seien.

Letzte Woche warnte Bluth in einem anderen Treffen, dass „jüdischer Terror“ einen gewaltsamen palästinensischen Aufstand auslösen könne, und fügte hinzu, es sei „fast ein Wunder, dass die Palästinenser diesem Phänomen immer noch gleichgültig gegenüberstehen“.

Angesichts zunehmender Kritik im In- und Ausland an der mangelnden Bekämpfung der Gewalt durch Siedler hat das Kabinett von Premierminister Netanjahu am Sonntag einen „nationalen Plan“ zur Bekämpfung der hohen Schulabbrecherquote unter jugendlichen Siedlern verabschiedet. Laut dem Vorschlag zielt der Plan darauf ab, „zu verhindern, dass Jugendliche im Westjordanland in einen Kreislauf der Gewalt geraten“ und das, was als „negatives Phänomen unter Jugendlichen in der Region“ bezeichnet wird, zu reduzieren.

Obwohl das Dokument die diesen Jugendlichen zugeschriebenen Gewalttaten nicht näher erläuterte, warnte es davor, dass dieser Trend „erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheitslage“ haben könnte, wenn er nicht umgekehrt werde. Einen Tag später genehmigte die Regierung ein Budget von über einer Milliarde Schekel (rund 270 Millionen US-Dollar) für den Bau von Zufahrtsstraßen zu neuen Siedlungen im Westjordanland.

„Bluth hat nun enthüllt, was ohnehin jeder wusste: Die israelischen Streitkräfte arbeiten Hand in Hand mit den Siedlern, die die täglichen Pogrome verüben. Bluth nennt es israelischen Terrorismus, doch er unternimmt nicht nur nichts, um ihn zu verhindern, wie die israelischen Streitkräfte palästinensischen Terrorismus bekämpfen, sondern er fördert ihn sogar.“ – Haaretz-Leitartikel

Der finanzielle Bankrott ist ebenfalls in Sicht, wenn die USA Israel nicht weiter am Tropf halten können oder wollen. Damit einher geht auch eine zunehmende Brutalisierung des Regimes sowohl gegenüber den Gegnern (IDF: Plünderungen durch IDF-Soldaten sind Standard, die Offiziere schreiten nicht ein) als auch gegenüber den eigenen Leuten, sofern diese Kritk äußern. Nach einer Rangliste von Reporter ohne Grenzen bezüglich der Pressefreiheit, bei der Deutschland auf Platz 10 abgerutscht ist, rangiert Israel auf Platz 114 (!). Immer mehr internationale Organisationen werfen der IDF gezielte Tötungen von Journalisten in den Krisengebieten vor. Prominente jüdische Vertreter beschreiben die israelischen Handlungen mit Vokabeln, deren Wiederholung (selbst durch Juden) hier umgehend einen mehrjährigen Aufenthalt in Umgebungen mit gesiebter Luft nach §130 StGB zur Folge hat.

Die Frage ist: wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, dass Israel gesellschaftlich kollabiert, was ist dann mit der hiesigen Staatsräson, existiert die BRD doch ausschließlich zur Existenzsicherung Israels. Was passiert, wenn hier das Weltbild plötzlich zusammen bricht?