Der Bankrott

Die Russophobie und Kriegshetze in der EU nimmt immer mehr pathologische Züge an. Je aussichtsloser die Sache in der Ukraine wird, desto größer wird das Geschrei. Hat das noch seine Grundlagen in irgendeiner Realpolitik? Oder hat das ganz banale andere Gründe?

Die Faustregel lautet bei solchen Analysen „follow the money“, und das ist auch hier angebracht. Die EU und ihre Staaten haben sich in den vergangenen Jahren durch ihre bedingungslose Unterstützung der Ukraine so tief in die Scheiße gesetzt, dass die Sache zu implodieren droht. Ein plötzlicher, unvorbereiteter Friedensschluss – insbesondere einer, der nicht zu den offiziell verkündeten Bedingungen passt – birgt für das politische und wirtschaftliche Gefüge der EU tatsächlich massive Sprengkraft. Man kann hier von vier großen wirtschaftlichen und strukturellen „Bruchlinien“ sprechen, die bei einem abrupten Ende des Konflikts offenbrechen würden:

1. Das billionenschwere Investitions-Dilemma (Die ukrainischen Schulden)

Die finanzielle Unterstützung der EU und suprnationaler Institutionen (wie dem IWF oder der Weltbank) besteht zu einem erheblichen Teil nicht aus Geschenken, sondern aus Krediten, Bürgschaften und langfristigen Finanzzusagen (wie der Ukraine Facility der EU).

  • Das Risiko: Diese Gelder wurden unter der Prämisse vergeben, dass die Ukraine als souveräner, wirtschaftlich handlungsfähiger Staat mit Zugriff auf ihre industriellen Zentren und Schwarzmeerhäfen fortbesteht, um diese Schulden jemals bedienen zu können.
  • Die Implosionsgefahr: Ein „Diktatfrieden“ oder ein eingefrorener Konflikt, bei dem die Ukraine erhebliche Wirtschaftsgebiete verliert, würde das Land de facto in den Staatsbankrott treiben. Die Ausfälle für europäische Haushalte und Banken wären gigantisch. Um das zu verhindern, müsste die EU die Ukraine vermutlich über Jahrzehnte hinweg künstlich auf Kosten der eigenen Steuerzahler alimentieren – ein politischer Sprengsatz für den inneren Zusammenhalt der EU.

2. Die Rüstungsindustrie als neuer Wirtschaftsmotor

„Follow the money“ zeigt sich nirgends deutlicher als im militärisch-industriellen Komplex. Europa hat in den letzten Jahren Milliarden in das Hochfahren der Rüstungsproduktion gesteckt (Rheinmetall, KNDS, Saab etc.). Ganze Wirtschaftsregionen und Aktienmärkte hängen an diesen langfristigen Beschaffungsverträgen.

  • Die Implosionsgefahr: Tritt ein stabiler Friede ein, fällt das primäre Narrativ für diese Dauersubventionierung und die gigantischen Rüstungsausgaben weg. Die Politik stünde vor dem Dilemma, entweder milliardenschwere Verträge unter massiven Strafzahlungen zu stornieren oder eine künstliche Überproduktion für die Depots fortzuführen, während die zivile Infrastruktur im Inland verfällt.

3. Der Verlust des Sündenbocks für wirtschaftliches Versagen

Die Deindustrialisierung (insbesondere in Deutschland), die Inflation, die hohen Energiepreise durch den Verzicht auf günstiges russisches Pipeline-Gas und die daraus resultierende Haushaltskrise wurden von den Regierungen politisch fast ausschließlich mit dem Slogan „Russlands Angriffskrieg ist schuld“ erklärt.

  • Die Implosionsgefahr: Bei einem Frieden fällt dieses Alibi weg. Die Bürger würden sehr schnell fragen, warum die Energiepreise hoch und die Steuern drückend bleiben, wenn der Krieg vorbei ist. Die strukturellen, hausgemachten Fehler der europäischen Energie- und Wirtschaftspolitik der letzten Jahre würden ungeschminkt sichtbar. Das sentimentale „Wir müssen den Gürtel enger schnallen für die Freiheit“-Narrativ ließe sich nicht mehr aufrechterhalten.

4. Das Blackrock- & Wiederaufbau-Geflecht

Hinter den Kulissen wurden bereits gigantische Verträge für den Wiederaufbau der Ukraine geschlossen – unter Beteiligung von Vermögensverwaltern wie BlackRock, JPMorgan und großen westlichen Bau- und Agrarkonzernen.

  • Die Kehrseite: Diese Investitionen fließen nur, wenn die Westukraine stabil bleibt und die dortigen Ressourcen (Agrarflächen, Rohstoffe) unter westlicher Kontrolle stehen. Ein Friede, der Russland wesentliche geopolitische oder wirtschaftliche Kontrollrechte einräumt, würde diese Geschäftsmodelle entwerten. Die westlichen Eliten haben sich finanziell so tief in die Zukunft der Ukraine eingekauft, dass sie sich ein „falsches“ Kriegsende schlicht nicht leisten können, ohne immense Vermögenswerte abzuschreiben.

Die „offiziell verkündeten Bedingungen“ laufen auf eine bedingungslose Kapitulation Russlands hinaus, wie unlängst die Vorstellung der EU-Botschafter in Moskau noch einmal gezeigt hat. Russland hört auf, als Staat zu existieren und der Westen hält sich an den Bodenschätzen schadlos, das finanzielle Dilemma ist überwunden.

Es ist klar, dass das derzeit nicht läuft. Da alles andere zum Bankrott führt, bleibt nur die Vorbereitung eines größeren Krieges. Das geht nicht von heute auf morgen. Die Weichen stehen auf 2030, also in 4 Jahren. Bis dahin wird die Ukraine systematisch ausgeblutet und hier weiterhin alles auf Kriegskurs gesetzt. Im Grunde setzt man auf

eine Abnutzungs-Wette

Damit diese Wette des Westens („Wir sitzen das aus und schlagen im richtigen Moment zu“) aufgeht, müssen hinter den Kulissen drei Parameter berechnet werden:

  1. Die demografische Verschleißgrenze (Das Opfern): Um Russland über weitere 4 Jahre abzunutzen, braucht es biologische Substanz an der Front. Wenn die ukrainischen personellen Ressourcen erschöpft sind, kollabiert die Front, bevor Russland „bereit“ ist. Das bedeutet: Option 2 funktioniert nur, wenn entweder die Mobilisierung in der Ukraine drakonisch verschärft wird oder im Hintergrund bereits die Logistik für den verdeckten/offenen Einsatz ausländischer Verbände (z.B. unter dem Label von „Freiwilligen“ oder logistischen NATO-Truppen) vorbereitet wird, um das System am Leben zu erhalten.
  2. Die Asymmetrie der Wirtschaftssysteme: Russland hat seine Wirtschaft komplett auf Kriegsproduktion umgestellt (mit einer enormen Belastung von über 7% des BIP). Westliche Strategen wetten darauf, dass diese totale Überhitzung der russischen Wirtschaft innerhalb der nächsten Jahre zu inneren Verwerfungen, Inflation und dem Verschleiß der alten sowjetischen Materiallager (Panzer, Artillerierohre) führt.
  3. Der psychologische Moment (Der „Gleiwitz“-Auslöser): Die westliche Bevölkerung ist kriegsmüde, die Haushalte sind leer, die Wirtschaft schwächelt. Man kann den Bürgern in Deutschland oder Frankreich keinen offenen Kriegseintritt verkaufen, nur um „BlackRock-Investitionen zu retten“. Es braucht ein katalytisches Ereignis – eine moralische oder existenzielle Grenzüberschreitung, die so tief in das kollektive Sicherheitsgefühl einschlägt, dass jeder wirtschaftliche Protest im Inland augenblicklich als „Verrat“ mundtot gemacht werden kann.

Nicht nur die Umstellung auf Kriegswirtschaft läuft, die Provokationen nehmen auch laufend zu. Bislang beachten die Protagonisten – die Balten, Polen und Skandinavier – noch die Grenzen und ziehen sich wieder zurück, wenn Russland droht. Es ist noch zu früh. Aber die Logik fordert, dass die Provokationen härter werden und in 4 Jahren zu einem Ereignis führen, dass als russische Angriffsabsicht interpretiert werden kann (Sender Gleiwitz).

Allerdings hat die Wette eine ganze Reihe von Haken:

Das Dilemma: Warum die Wette ein extrem schlechtes Chance-Risiko-Verhältnis hat

Die Tragik an dieser Optionist, dass sie auf einer massiven Fehleinschätzung der globalen Dynamik beruht:

  • Der globale Faktor: Russland steht nicht allein. Es wird durch die wirtschaftliche und technologische Achse mit China, Indien und den BRICS-Staaten gestützt. Der Westen wettet bei der Abnutzung also nicht gegen Russland allein, sondern gegen die industrielle Kapazität des globalen Südens.
  • Das Eskalations-Paradoxon: Wenn Russland nach 3 oder 4 Jahren tatsächlich am Ende seiner Kräfte wäre und der vom Westen provozierte Erstschlag droht, greift die russische Militärdoktrin: Der Einsatz von taktischen Nuklearwaffen zur „Eskalation zwecks Deeskalation“. Die Hoffnung, „dass das gut geht“, ignoriert, dass eine Atommacht nicht wie das Deutsche Reich 1918 mangels Ressourcen kapituliert, sondern das Brett umwirft.

Man braucht aber gar nicht die atomare Karte zu ziehen, denn das Ganze implodiert bereits vorher in einem globalen nichtatomaren Krieg, den der Westen nicht gewinnen kann. Da ist nämlich noch die militärgeographische Realität, die in den Talkshow-Analysen fast immer komplett ausgeblendet wird. Wenn man die Landkarte von Osteuropa unvoreingenommen betrachtet, wird sofort klar: Belarus ist der unumgängliche Riegel und gleichzeitig das größte geostrategische Scharnier in diesem gesamten Szenario. Ein Vorrücken des Westens nach Osten unter Umgehung von Belarus ist militärisch und logistisch ein Ding der Unmöglichkeit. Das hat zwei knallharte Gründe:

1. Die geographische Zwinge: Suwalki und die Flanken

Schaut man sich die Karte an, grenzt Belarus im Norden an Litauen und Lettland, im Westen an Polen und im Süden an die Ukraine.

  • Das Einkesselungs-Risiko: Würde die NATO versuchen, Truppenverbände an Belarus vorbei direkt Richtung russische Grenze (etwa über das Baltikum) zu bewegen, entstünde eine strategisch katastrophale Flanke. Die NATO-Verbände hätten die belarussische Armee und die dort stationierten russischen Truppen permanent im Rücken und an der rechten Flanke.
  • Die Suwalki-Lücke: Dieser schmale Landstreifen zwischen Belarus und der russischen Exklave Kaliningrad ist das Nadelöhr. Bei jedem direkten Schlagabtausch muss diese Lücke gesichert werden. Belarus kann geographisch gar nicht neutral bleiben, weil es den Landweg zum Baltikum kontrolliert.

Ein militärisches Vorrücken des Westens erfordert also zwingend die Neutralisierung oder den Durchmarsch durch belarussisches Territorium. Und genau hier schnappt die globale Falle zu.

2. Der chinesische Dominostein: Warum Belarus der Hebel für Peking ist

Militärisch mag Belarus für ein vereintes NATO-Aufgebot auf dem Papier kein langfristiges Hindernis sein – aber diplomatisch und geopolitisch ist es der nukleare Zünder für China.

Während China beim Ukraine-Konflikt formal die Position einnehmen kann, es handele sich um einen regionalen postsowjetischen Grenz- und Territorialkonflikt (was Peking eine gewisse diplomatische Manövrierfreiheit erlaubt), ändert sich das Blatt bei Belarus fundamental:

  • Die Seidenstraße (Belt and Road): Belarus ist für China nicht irgendein osteuropäischer Staat. Es ist seit über einem Jahrzehnt das zentrale kontinentale Drehkreuz für Chinas Infrastrukturprojekte nach Europa (Stichwort: Logistikpark Great Stone bei Minsk). Ein Angriff auf Belarus ist ein direkter Angriff auf vitale chinesische Investitionen und deren strategisches Tor zum europäischen Markt.
  • Der Sicherheitsvertrag: Erst im Sommer 2024 ist Belarus offiziell der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) beigetreten – dem Sicherheits- und Wirtschaftsbündnis, das maßgeblich von China und Russland geführt wird. Auch wenn die SOZ keine automatische Beistandspflicht wie die NATO hat, ist Belarus damit völkerrechtlich in den inneren Sicherheitskreis Pekings gerückt.
  • Das Gesicht und die Glaubwürdigkeit: Wenn China zulässt, dass der Westen ein SOZ-Mitglied und einen erklärten strategischen Partner im europäisch-asiatischen Übergangsraum militärisch überrennt, verliert Peking im gesamten globalen Süden augenblicklich jede Glaubwürdigkeit als neue Schutzmacht.

Das „All In“-Szenario

Wenn der Westen also Weißrussland einbezieht, liefert er China genau das völkerrechtliche und strategische Argument, das Peking braucht, um die Maske der „neutralen Vermittlung“ fallen zu lassen. Für China wird das Ganze dann zu einer existenziellen Frage: Wenn Russland und Belarus fallen, ist China der nächste Dominostein, der isoliert auf dem eurasischen Kontinent steht, umringt von westlichen Stützpunkten. Pekings Reaktion wäre dann absehbar nicht mehr nur die Lieferung von Dual-Use-Gütern (Komponenten für Drohnen und Chips), sondern das vollständige wirtschaftliche, logistische und im Zweifel auch militärische „All In“, um den Kollaps dieser Pufferzone zu verhindern. Spätestens in diesem Moment mutiert das europäische Schlachtfeld zu einem echten Weltkrieg, bei dem die industriellen Kapazitäten Chinas das asiatische Hinterland Russlands uneingeschränkt absichern. Während im EU-Westen inzwischen keine industriellen Kapazitäten mehr existieren.

Dabei wäre ein Krieg noch nicht einmal militärisch in irgendeiner Form erfolgversprechend. Der Krieg ist heute wieder auf dem Stand von vor 110 Jahren angekommen: ein Abnutzungskrieg, der sich kaum über eine 30 – 50 km breite Killing-Zone herausbewegt, die von Drohnen beherrscht wird. Die Rüstung setzt aber auch Vormarschsysteme wie Panzer. Und da liegt das Problem. Setzt der Westen waffentechnisch komplett aufs falsche Pferd, wenn er weiterhin Milliarden in schwere Kampfpanzer wie den Leopard 2, den Abrams oder den britischen Challenger steckt? Die Antwort ist ein klares „Ja, was die alte Taktik angeht – aber Nein, was die Notwendigkeit der Plattform betrifft.“ Der Panzer ist nicht tot, aber seine Rolle hat sich radikal verändert.

So verwundbar Panzer gegen Drohnen auch sind, das Militär steht vor einem physikalischen Dilemma: Wenn man eine befestigte gegnerische Stellung einnehmen willst, brauchst man drei Dinge in einer einzigen Maschine kombiniert: Feuerkraft, Beweglichkeit und Schutz.

  • Drohnen haben Feuerkraft und Beweglichkeit, aber null Schutz.
  • Infanterie hat nichts davon im ausreichenden Maße gegen Artillerie.
  • Nur die dicke Panzerung schützt die Soldaten vor den Abermillionen Schrapnellen der permanenten Artillerie- und Mörserangriffe auf dem Feld.

Der Panzer wird deshalb nicht abgeschafft, sondern er wird vom „Sturmgewehr der Offensive“ zum „unterstützenden Scharfschützen aus der Tiefe“. Panzer agieren heute kaum noch im offenen Verbund. Sie lauern versteckt, fahren kurz vor, geben drei präzise Schüsse auf 4 Kilometer Distanz ab und ziehen sich sofort wieder unter Tarnnetze zurück. Sie überleben nur, wenn sie sich wie Infanteristen im Gelände unsichtbar machen. Man kann es so auf den Punkt bringen: Vom Vormarsch-Instrument zum mobilen Bunker.

Die Ära, in der Panzer im großen Verbund als „Speerspitze“ (Blitzkrieg-Taktik) tief in gegnerisches Territorium durchbrechen, um den Feind einzukesseln, ist unter den aktuellen Bedingungen vorbei. Wenn heute Panzer eingesetzt werden, dann agieren sie fast ausschließlich als hochgeschützte, mobile Unterstützungswaffen innerhalb eines starren Stellungssystems.

In der Praxis sieht das heute so aus:

  • Der Panzer als „Feuerwehr“: Wenn der Gegner an einem Grabenabschnitt durchzubrechen droht, wird ein einzelner Panzer (oder zwei) als mobile Reserve vorgeschickt. Er nutzt seine dicke Panzerung, um den gegnerischen Vorstoß unter Beschuss zu nehmen, und zieht sich sofort wieder zurück. Er hält die Stellung, er erobert kein neues Land.
  • Der Panzer als geschütztes Taxi: Oft werden Panzer oder schwere Schützenpanzer (wie der Bradley oder Marder) nur noch dazu benutzt, Infanteristen durch den tödlichen Artilleriehagel der 30-Kilometer-Zone an die vorderste Grabenlinie zu bringen. Sobald die Soldaten abgesprungen sind, dreht das Fahrzeug um und flieht in Deckung.
  • Indirektes Feuer: Weil das direkte Auffahren an die Frontlinie durch die FPV-Drohnen Selbstmord ist, nutzen beide Seiten Panzer inzwischen oft wie improvisierte Artillerie. Sie schießen aus versteckten Positionen im hohen Bogen auf Ziele, die sie selbst gar nicht sehen, angeleitet von Aufklärungsdrohnen weit hinter der Front.

Das historische Paradoxon

Es ist eine faszinierende Ironie der Militärgeschichte: Der Panzer wurde im Ersten Weltkrieg von den Briten (1916 am Somme-Fluss) überhaupt erst erfunden, um den tödlichen Stellungskrieg und das Patt der Schützengräben zu brechen. Er sollte die Stacheldrähte niederwalzen und die Maschinengewehrnester ausschalten, damit die Infanterie wieder vorrücken konnte.

Heute, 110 Jahre später, hat sich das Blatt komplett gewendet. Die moderne Technik (Aufklärungsdrohnen, Satelliten, Kamikaze-Drohnen, präzise Minenverlegesysteme) hat den Raum so transparent und tödlich gemacht, dass der Panzer selbst wieder in den Mahlstrom des Stellungskrieges hineingezogen wurde. Er bricht das Patt nicht mehr – er ist zu einem Rädchen in diesem Patt geworden.

Wer heute versucht, mit Panzern klassisch vorzurücken, verliert sie im Minutentakt. Das macht jede Form von „Vorrücken nach Osten“, von der in manchen Strategiepapieren fantasiert wird, zu einer logistischen und menschlichen Fleischmühle, für die im Westen weder das Material noch das Personal existiert.

Der Westen steuert in eine industrielle Sackgasse

Der wunden Punkt ist die Vorbereitungszeit und die Asymmetrie der Kosten:

AttributDer westliche Panzer (z.B. Leopard 2A8)Die Drohnen-Welle
Kostenca. 15 bis 30 Millionen Euroca. 500 bis 1.000 Euro pro FPV-Drohne
BauzeitJahre (aufgrund komplexer Lieferketten)Minuten (3D-Druck und zivile Elektronik)
AsymmetrieDer Verlust von 5 Panzern ist ein strategisches Desaster.Der Verlust von 500 Drohnen ist statistisches Rauschen.

Der Westen plant und baut seine Armeen immer noch wie „Manufakturen“ – hochpräzise, extrem teure Einzelstücke, deren Verlust politisch und finanziell kaum tragbar ist. Die Ukraine-Erfahrung zeigt aber, dass moderner Krieg ein industrieller Abnutzungskampf ist. Wer billiger, schneller und in größeren Massen produzieren kann, dominiert das Feld.

Wie sieht die Anpassung aus?

Die Panzerindustrie reagiert panisch auf das Drohnensterben. Bis die nächste Panzergeneration (wie das deutsch-französische Projekt MGCS) marktreif ist, behilft man sich mit zwei Entwicklungen:

  1. Die „Cope Cages“ (Schildkröten-Panzer): Was anfangs wie eine russische Bastelbude aussah (Gitterkäfige über dem Turm), ist heute Standard. Die Panzer werden regelrecht mit Metallgittern und Netzen eingehaust, damit die Drohnen zünden, bevor sie die Hauptpanzerung berühren.
  2. Hard-Kill-Systeme (z.B. Trophy): Panzer werden mit Miniradaren ausgestattet, die anfliegende Drohnen oder Raketen im Flug erkennen und ihnen vollautomatisch eine Ladung Schrot entgegenschießen, um sie abzufangen.

Zusätzlich greifen beide Seiten zu technologischen Sprüngen, um den Drohnenriegel zu knacken. Jüngst sieht man immer häufiger den Einsatz von glasfasergesteuerten Drohnen, die gegen die allgegenwärtigen Störsender (EloKa / Elektronische Kampfführung) immun sind, weil sie kein Funksignal nutzen. Im Gegenzug experimentiert man mit unbemannten „Roboter-Panzern“ (UGVs), um zumindest das menschliche Leben aus der Schusslinie zu nehmen.

Wie würde ein Krieg, den man 2030 – in welcher Form auch immer – vom Zaum bricht, aussehen?

1. Das Festfressen an der Grenze (Das Belarus-Problem)

Ein Vormarsch nach Osten würde schon an der Geographie von Belarus scheitern. Das Land ist im Süden durch die riesigen Pripjat-Sümpfe (eine der größten Sumpflandschaften Europas) und im Rest des Landes durch dichte Wälder und sanfte Hügel charakterisiert.

  • Dieses Terrain ist für Panzerarmeen ein Albtraum und lässt sich extrem leicht verteidigen.
  • Wenn man bedenkt, dass Russland und Belarus seit Jahren integrierte Verteidigungsstrukturen aufbauen, würde sich jeder westliche Vorstoß dort nicht nach Wochen, sondern nach Tagen in einen mörderischen Abnutzungskampf verwandeln.

2. Die Asymmetrie des „Sich-Zurücklehnens“

Hier spricht man den psychologischen und politischen Faktor an. Wenn Russland kein Interesse an einem Vormarsch nach Berlin oder Paris hat (was logistisch ohnehin jenseits ihrer Kapazitäten läge), können sie sich in tief gestaffelten, elektronisch überwachten und minenreichen Verteidigungslinien verschanzen.

  • Das Dilemma des Westens: Eine Demokratie im Kriegszustand braucht Erfolge, um die Heimatfront bei Laune zu halten. Wenn wöchentlich Tausende Gefallene gemeldet werden, aber die Karte sich nicht bewegt, kollabiert der politische Rückhalt im Westen rasend schnell. Russland kann diesen statischen Zustand aussitzen; die westlichen Regierungen wegen des innenpolitischen Drucks nicht. Jeder erzwungene, symbolische „Erfolg“ des Westens würde mit einer unbezahlbaren Quote an Menschenleben erkauft.

3. Der Hinterland-Krieg: Die fatale Verwundbarkeit des Westens

Die massierten Ziele im Westen sind der mathematische Todesstoß für die europäische Verteidigungsfähigkeit. Westeuropa (insbesondere der Korridor von Norddeutschland über die Benelux-Staaten bis Nordfrankreich) hat eine der höchsten Bevölkerungs-, Industrie- und Infrastrukturdichten der Welt.

FaktorWesteuropa (Das Zielgebiet)Russland / Eurasien (Das Zielgebiet)
Strategische TiefeExtrem gering. Wichtige Häfen (Rotterdam, Hamburg), Kraftwerke und Logistikknoten liegen oft nur wenige hundert Kilometer von potenziellen Startrampen entfernt.Gigantisch. Die Rüstungsindustrie im Ural oder in Sibirien liegt außerhalb der Reichweite der meisten konventionellen Systeme.
Ziel-KonzentrationHochgradig ballungszentriert. Fällt ein zentraler Netzknoten oder ein großer Rheinhafen aus, bricht die Versorgung ganzer Staaten zusammen.Dezentralisiert. Das Land ist darauf ausgelegt, autarke Regionen zu unterhalten; die Infrastruktur ist historisch auf Härte und Redundanz getrimmt.
LuftverteidigungDer Westen besitzt hochentwickelte, aber zahlenmäßig lächerlich geringe Systeme (Patriot, IRIS-T). Ein massiver Sättigungsangriff bricht die Abwehr binnen Tagen.Russland verfügt über das weltweit dichteste, mehrschichtige Luftverteidigungsnetz (S-400, S-500, Pantsir) aus eigener Produktion.

Die „Sättigungs-Mathematik“ ab 2030

Wenn im Jahr 2030 ein Drohnen- und Raketenkrieg im Hinterland entbrennt, gewinnt nicht die beste Rakete, sondern die billigste Masse.

Wenn Russland pro Monat 5.000 Billig-Drohnen (Stückpreis 20.000 €) und 500 Marschflugkörper produziert, kann es die westeuropäische Infrastruktur systematisch lahmlegen. Westeuropa hat schlicht nicht die industriellen Kapazitäten, um monatlich 5.000 Flugabwehrraketen (Stückpreis bei Patriot: ca. 4 Millionen Euro) nachzuproduzieren. Das System geht mathematisch pleite, noch bevor die Raketen ausgehen.

Sobald in den westeuropäischen Ballungsräumen für drei Wochen der Strom weg ist, die Wasserwerke ausfallen und die Häfen brennen, ist der Krieg im Hinterland entschieden – ganz ohne dass ein einziger russischer Soldat die Grenze nach Polen überschritten hat.

Wissen die das in den Schaltstellen des Militärs und der Politik alles nicht? Vermutlich werden sie es zumindest teilweise ahnen. Aber ansonsten läuft alles nach dem Rezept:


Beitrag erstellt mit KI-Unterstützung von Gemini