Die Wirtschaft und die Kriegsführung hängt zunehmend von komplizierter Technik, in der die KI einen zunehmend größeren Raum einnimmt, ab. Das schafft neue Verwundbarkeiten, an die bislang nur wenige denken.
Damit das Ganze funktioniert, sind riesige Rechenzentren mit eigenen Kraftwerken und eine spezielle Dateninfrastruktur notwendig. Was sich wo abspielt, ist zwar der Software bekannt, aber die Entwickler selbst legen mehr oder wenige nur die allgemeinen Regeln fest, die so weit gefasst sein müssen, dass normale Betriebsstörungen keine Probleme verursachen. Rein theoretische kann die Antwort einer KI auf eine Anfrage aus Österreich kommen und die nächste Frage beantwortet ein Server aus Dänemark.
Man kann diese Technik auf zwei Arten lahm legen, je nach Aufwand für ein paar Stunden bis hin zum AUS für längere Zeit:
(1) Kappen der Unterwasserwege. Die großen Farmen sind weltweit durch Glasfaserkabel verbunden, manche sehr wichtig, andere weniger. Es lässt sich aber durchaus ermitteln, welche Verbindungen besonders wichtig sind und schwere Ausfälle verursachen.
Die bisherige Methode der Störung besteht in der Verwendung von Schleppankern, was den Russen in der Ostsee vorgeworfen wird, was die Huthis im Roten Meer aber schon beeindruckender, wenn auch hier in der Presse weniger auftauchend, bewiesen haben. Allerdings lässt sich das noch relativ leicht kontrollieren. Sehr viel gravierender ist die Möglichkeit, Unterwasserdrohnen einzusetzen, und dies strategisch an mehreren Punkten der Erden. Es ist selbst für weniger entwickelte Staaten möglich, so etwas zu vertretbaren Summen zu bauen und einzusetzen, während Abwehrmaßnahmen astronomisch teuer werden und längst nicht alles abdecken können. Und die Schere öffnet sich täglich weiter.
Der Iran und die Huthis, konventionell unterlegen (wenn auch recht bissig), denken inzwischen laut über solche Möglichkeiten nach, und andere Underdogs wie Nordkorea dürften dem auch nicht nachstehen. Mit der technischen Überlegenheit des Westens kann es schnell vorbei sein, wenn die Überlegenheit gigantische Rechenleistung erfordert.
(2) Rechenzentren sind, da zivile Objekte, nicht wie Atombunker aus dem kalten Krieg einbetonierbar, was für die Kühlung noch mehr zutrifft. Solche Objekte sind auch kaum konventionell zu schützen. Aus dem Ukrainekrieg wissen wir: es ist technisch möglich, die Komponenten von Drohnen unauffällig zu tansportieren, vor Ort beispielsweise in Containern zu montieren und dann über Entfernungen von 10km – 30km per Glasfaserkabel zielsicher und kaum aufzuspüren auf das Ziel zu schießen. Das Ganze bei immer weiter abnehmenden Kosten, die inzwischen die 1000€-Grenze unterschreiten dürften. Für einen entschlossenen Angreifer dürfte es möglich sein, ganze Serverbestände nahezu zeitgleich außer Betrieb zu nehmen, zumindest so lange der Verteidiger nicht extreme Überwachungsmaßnahmen unternimmt.
Fazit. Gerade in der westlichen Hochtechnologiewelt sind Blackouts dieser Art katastrophal. Man stelle sich einen Zusammenbruch des Internets und der Telefonie vor: von einer Sekunde auf die andere läuft über eine Zeit von Stunden bis Tagen nichts mehr. Die Schäden gehen ans Eingemachte, während die weniger technologisierten Angreifer nur in geringem Umfang betroffen werden.
Die Kriegsführung bzw. der Kosten werden immer asymmetrischer und die westlichen Cowboys wären gut beraten, in Zukunft eher zu verhandeln als die Kavallerie ausrücken zu lassen, denn diese Art von Kriegen können sie nicht gewinnen.