Politisch korrektes Erinnern

Wenn man keine Probleme sehen will, macht man sich selbst ein paar einfachere. So ziehen derzeit wieder ganze Bataillone politisch korrekter Kommissionen durchs Land und entrümpeln die Republik von den allgegenwärtigen Nazi-Resten, beispielsweise in Straßennamen. Erwischt hat es schon vor einiger Zeit den Schriftsteller, Historiker, Nationalversammlungsteilnehmer (1848) und Professor Ernst Moritz Arndt. Der war zwar schon lange tot, bevor Wilhelm I. und Bismarck auf die Idee kamen, das Deutsche Reich zu gründen, aber die falschen Leute „thematisier(t)en vorhandene antisemitische Tendenzen in seinen Schriften“, worauf er flugs aus dem Namen einer Universität und einer Bundeswehr-Kaserne getilgt wurde.

Beinahe erwischt hatte es auch Helmut Schmidt, der auf einem Foto in Wehrmachtsuniform zu sehen war. Ich glaube, es war nicht ganz einfach, so was zu vermeiden, aber das ist ja noch lange kein Grund, so jemanden aus dem Gedächtnis zu streichen. Das war allerdings bei Helmut Schmidt nicht so ganz einfach, weshalb man das Bashing wieder reduzieren musste. Aus ähnlichen Gründen hat man wohl bislang darauf verzichtet, Martin Luther überall auszuradieren, den der hatte nicht nur antisemitische Tendenzen in seinen Schriften, der war in seinen späten Jahren das, was man einen ausgewachsenen Judenhasser nennen kann. Sich mit Luther anzulegen ist allerdings nicht ganz so einfach und wohl erst möglich, wenn der Islam hier das Sagen übernommen hat (aber der wird Luther als Antisemiten nicht missen wollen).

Auch in der Wissenschaft ist politisch korrektes Erinnern notwendig. Wenn man an Albert Einstein denkt, dann bitte nicht an den Nobelpreisträger und Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts in Berlin, sondern an den Juden Albert Einstein, der aus dem Nazi-Reich fliehen musste und sich anschließend ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Kurt Tucholsky lieferte, wer die meisten dummen Sprüche über die Gesellschaft vom Stapel gelassen hat.

Als weiteren Nobelpreisträger hat es nun Konrad Lorenz erwischt, den bekannten Verhaltensforscher, der das Pech hatte, während der NS-Zeit Karriere zu machen. Seine Biografie auf wikipedia beschäftigt sich denn auch konsequent vorzugsweise mit dem NS-Thema und weniger mit seinen wissenschaftlichen Tätigkeiten. Eine Kommission in Hannover hat dringend empfohlen, eine nach ihm benannte Straße doch bitte umzutaufen. Ich würde Claudia-Roth-Allee empfehlen (zur Erklärung bitte Link anklicken). Das passt auch eher zum intellektuellen Niveau des Landes. Außerdem bin ich für die Freigabe der Droge, die Roth vor dem Video eingeworfen hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.