Fußball

Die WM findet ja bekanntlich in Russland statt, und das ist auch in etwa die Entfernung, in der mir die ganze Sache am Arsch vorbei geht. Ich habe allerdings den Eindruck, das geht nicht nur mir so.

War bislang bei WM oder EM fast jedes Auto beflaggt, sind solche Kennzeichen vaterländischen Lokalpatriotismus‘ in diesem Jahr Mangeware. Auch in Frankreich, wo ich zwei Wochen Urlaub gemacht habe, ist die Begeisterung anscheinen eher mäßig. Hier wie dort rennt keiner (mehr) in Trikots der Nationalmannschaft durch die Gegend, in Gaststätten mit Public Viewing schaut vielleicht ein Drittel der Besucher zum Bildschirm, der so leise gestellt ist, dass man sich problemlos unterhalten kann, und auch das sonst so gegenwärtige Gebrülle in der Siedlung, mit dem die Spiele kommentiert wurden, hat eher den Geräuschpegel, den man bei Kommentaren zum Spiel der Dorfmannschaft aus dem übernächsten Dorf kennt. Nimmt das Interesse am Fussball ab?

Die Geschäftswelt spielt jedenfalls noch mit: Kohlköpfe gibt es nur mit Preisschildern in Form eines Fußballs, Käse wird plötzlich in Folie mit aufgedruckten Trikots mit Nummern verpackt, Getränke kann man in Dosen „streng limitierter Anzahl“ mit irgendwelchen Schädeln drauf kaufen und die Verkäuferinnen beim Bäcker haben dezent die Nationalfarben auf die Wangen geschminkt (ich sage bewusst Wangen, denn was sie auf den Backen haben, kann man leider nicht sehen). Anscheinend macht eine der größten Verbrecherorganisationen der Welt, die FIFA, immer noch blendende Geschäfte, während das Interesse der Bürger abnimmt. Man kann nur hoffen, dass die Geschäftsleute das auch mitbekommen und beim nächsten Event die Werbemätzchen bleiben lassen.

Verwunderlich wäre es nicht, wenn meine Beobachtung zutrifft. Trotz aller Korruption und Unterschlagung in der FIFA sind immer noch die gleichen Leute an der Spitze und arbeiten immer noch mit den gleichen korrupten Methoden, verschulden sich Staaten durch den Bau von Stadien, die weder in der WM noch danach gefüllt sind (in Südafrika können Stadien teilweise nur zu 20% gefüllt werden, wenn sämtliche (!) Bewohner der Gegend hinein gehen), während die FIFA den Profit einheimst (von einer investierten Million kommen zwischen 10.000 und 50.000 wieder zurück, den Rest heimst die FIFA ein). Der Unmut hier zu Lande über diese Machenschaften zeigt sich u.a. auch daran, dass die fast genauso korrupte Konkurrenz, das IOC, glücklicherweise gleich zwei mal abgeblitzt ist, als sie hier Winter- bzw. Sommerspiele ausrichten wollte. Nein, diese korrupten Affen gehen inzwischen jedem auf den Senkel.

Den Rest tun die Spieler: Türken in der „Deutschen“ Nationalmannschaft, die Erdogan als „ihren Präsidenten“ bezeichnen, sich während der Nationalhymne daneben benehmen und islamische Gebetshaltung einnehmen, wenn sie ein Tor schießen – das kommt nicht gut an. Zwar wird immer behauptet, sie seine Deutsche, aber zu Hause wird türkisch gesprochen, und was die Staatsbürgerschaft angeht, weiß man spätestens seit den Winterspielen in Korea, wie das geht: dort wurden eine ganze Reihe von Deutschen (und vermutlich auch anderen Nationalitäten) innerhalb weniger Tage zu Koreanern erklärt, um für Korea zu starten und Medaillen zu gewinnen. Die Koreaner haben das dadurch honoriert, dass sie diese Wettkämpfe gemieden haben wie der Moslem das Schweineschnitzel. Sollen die Türken doch bitte auch für die Türkei spielen.

Abgesehen davon, dass ca. die Hälfte der Nationalspieler keine Biodeutschen sind, spielen sie vielfach noch nicht mal hier. Legionäre aus englischen, spanischen oder sonst welchen Clubs, die sich zur WM als Deutsche aufspielen. Wie soll sich damit noch jemand identifizieren? Es fällt ja schon in der Bundesliga schwer, wenn 8 von 11 Spielern sich im Interview kaum auf Deutsch äußern können, und das nicht nur, weil sie außer Atem sind. Womit soll man sich identifizieren? Und wieso identifiziert sich überhaupt ein Kölner mit Bayern München und nicht mit dem 1. FC?

Wird auch das Interesse an der Bundesliga kleiner? Wenn ich beim Zappen mal einen Sportkanal erwische, habe ich oft den Eindruck, in einer Sitcom zu sein: leere Ränge im Stadion, aber eine Geräuschkulisse wie in Dortmund in den besten Zeiten. Werden die Jubelchöre inzwischen auch synchron eingespielt? Überhaupt ist das Geschehen irgendwie langweilig. Vereine mit Geld leisten sich superteure ausländische Spieler, die anderen nehmen die Hausmannskost. Am Ende kann man die Tabelle zwangslos gegen die des Vorjahres austauschen: je näher man in die vorderen Tabellenplätze gelangt, desto weniger unterscheiden sich die Tabellen. Irgendwie langweilig.

Zu den Spielergehältern muss man auch noch anmerken, dass nicht alle gut verdienen, sondern die Unterschiede ähnlich hoch sind wie zwischen Jeff Bezos und Anna Müller von der Supermarktkasse. Ein Ronaldo kassiert Millionen (und tritt auch entsprechend hochnäsig auf), ein Spieler aus den Vereinen der unteren Tabellenplätze vermutlich weniger als 10.000 (ohne allerdings selten weniger hochnäsig zu sein). Das mag vielen immer noch viel erscheinen, aber man muss berücksichtigen, dass die Leute mit knapp über 30 in Rente gehen und die restlichen 50-60 Lebensjahre von etwas anderem leben müssen. Bei einer Vollprofikarriere bleibt nicht viel Zeit, was anderes rechtzeitig zu beginnen, und die früheren Zeiten, in denen der Star von Schalke 04 einen Kiosk in Gelsenkirchen eröffnete und von den Kumpeln lebte, die nach der Schicht auf einen Schwatz und ein Bier vorbei kamen, sind vorbei. Nicht nur der Pütt ist dicht, die Leute sind obendrein auch noch Dortmund-Fans geworden (wenn nicht gar Bayern-Fans).

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