Kaum etwas ist Nichtssagender als Wahlwerbung. Laut den Wahlplakaten kann man sich zwischen Bewerbern entscheiden, die kompetent, zukunftsorientiert oder gut rasiert sind. Was sie eigentlich wollen, erfährt man kaum, und in Wahlveranstaltungen geht es nicht selten eher darum, den Wähler sich ausheulen zu lassen, was ihn alles stört, und weniger, wie man die Missstände abstellen könnte.Psychologisch klar: der Kandidat ist mitfühlen, empathisch und unfähig, ein guter Grund, ihn zu wählen. Hätte man die Veranstaltung eines anderen Kadidaten besucht, der den gleichen Medienpsychologen als Berater hat, würde der zum Zug kommen.
Eigentlich ist es ja auch egal, wie Friedrich Merz elegant vorführt: außer der Aussage, dass er Kanzler werden will, war alles eine Lüge, was er vor der Wahl als Programm aufgelegt hat. Wobei das vielleicht nicht ganz korrekt ist. Merz ist durchaus zuzutrauen, dass er vor vornherein davon ausging, Ukrainischer Kanzler unter Präsident Selensky zu werden und nicht Deutscher Bundeskanzler unter Präsident Frank-Walter „der Spalter“ Steinmeier. Außer dass er den Krieg gerade verliert hat er in diesem Fall alles richtig gemacht.¹⁾
Egal, Show ist alles und man sollte meinen, die Politfritzen sollten wenigstens in der Lage sein, einem eine gute Lüge aufzutischen oder versprechen, etwas durchzusetzen, das gegen die Gesetze der Physik verstößt. Es geht aber noch flacher. Ein der üblichen Qualitätsschwurbelparteien kommt nun mit der ultimativen Wahlwerbung daher:
Einfach mal ein Kreuz machen!
Anfang und Ende der Ansage. Besser kann man wohl kaum noch demonstrieren, was man von sich, dem Wähler und der Demokratie als solcher hält. Da erhält der Begriff „seine Stimme abgeben“ endlich die Bedeutung, die viele ihm schon immer beigemessen haben.
¹⁾ Böse Stimmen aus seiner eigenen Partei behaupten, dass er Parteivorsitzender nicht könne und versuche, die Partei wie ein Vorstandsvorsitzender zu führen. Dem ist entgegen zu halten, dass Merz auch Vorstandsvorsitzender nicht kann, denn er war zeitlebens Lobbyist, also jemand, der gegen Geld die Worte des Einen zum Anderen trägt und wieder zurück.