Geht so Tourismus?

Die ostfriesische Küste zwischen Emden und Wilhelmshaven gilt ja als Tourismusgebiet. Weite Landschaft, wohin man schaut … oder zumindest fast, denn würde man die Windkraftwerke braun-grün anstreichen, könnte man auch fallweise meinen, man befinde sich im bayerischen Wald, so dicht stehen sie inzwischen.

Für Meeresurlauber stellt die Küste schon einen Unterschied zu dem dar, was üblicherweise in Hochglanzprospekten abgebildet wird. Das Meer ist meistens einige Kilometer weit entfernt und überschwemmt ohne die bekannten Wellen eine weite Schlickebene, in der man knöcheltief versinkt. Wattenmeer nennt man das, und wer Meer im klassischen Sinn sehen will, muss schon auf die Inseln übersetzen. Auch Sand sucht man vergeblich: der Küstenschutz operiert vorzugsweise mit Beton und vorgelagerten Salzwiesen, die zwar auch recht hübsch aussehen können, aber meist nicht betreten werden dürfen, weil sich allerlei Getier gestört fühlen könnte (was es allerdings meist nicht macht). Über große Strecken sieht man aber selbst das nicht. Die Wege, auf denen man sich Fahrrad fahrend bewegt (Wandern ist bei Strecken ab 10 km nicht angesagt), liegen oft auf der Innenseite des Deiches, was nur den halben Fahrspaß gegenüber dem Wendland ergibt, denn da hat man zumindest auf beiden Seiten Felder.

An einigen Stellen, an denen ins Meer entwässert wird und Fischerhäfen liegen, hat man ein wenig Sand angehäuft, auf dem ein paar Strandkörbe stehen. So als Touristenattraktion, meist neben einem schlichten und wenig ansehnlichen Fährhafen, in dem auch ein paar Fischerboote und ein paar Yachten liegen können. Von dort aus kann man die mäßig pittoresken Dörfer besuchen, wandert aber schnell durch größere Ferienwohnungsgebiete, die sich nicht von jedem Wohndorf im Münsterland unterscheiden, wenn man vom Weg abkommt.

Trotzdem könnte man ja auf die Idee kommen, während eines Urlaubs (oder auch als Einheimischer) die diversen Siele mal abzuklappern und Eindrücke zu sammeln. Das Problem: mit dem Fahrrad schafft man kaum mehr als 2 aufgrund der Strecken, öffentliche Verkehrsmittel sind etwa so häufig wie der Dodo (wer in die Kreisstadt muss, bucht am Besten gleich eine Übernachtung mit, denn zurück kommt er in der Regel am gleichen Tag nicht mehr), also bleibt nur das Auto. Gute Idee – wenn man denn einen Sack mit Münzen dabei hat. Mit ganz wenigen Ausnahmen im Westen ist nämlich jeder Quadratzentimeter (wirklich jeder!) mit Parkautomaten zugepflastert. 50 ct/halbe Stunde, Tagessatz 5 € (der Automat wechselt nicht!). Logisch, dass das Betreten des Sandstreifens (abgezäunt) meist ebenfalls mit einer finanziellen Auflage verbunden ist.

Gut besucht sind i.d.R. die Womostellplätze. Ich bin ebenfalls Womo-Fahrer und trotzdem immer hin und hergerissen, wenn ich mir die Leutechen anschaue, zwischen zwei weißen Wänden auf Betonboden ihr Stühlchen aufbauend und dann auf der einen Seite die Betonmohle, auf der anderen den Rest des Parkplatzes bewundernd. Die Luft mag besser sein, der Geräuschpegel geringer, aber die Optik ähnelt einer Autobahnraststätte zwischen LKWs. Nun ja, jedem das Seine.

Man kann sich natürlich fragen, ob das sein muss: Urlauber bezahlen Mieter (Steuereinnahmen), Kurtaxe, gehen Essen (weitere Steuereinnahmen) oder Einkaufen (wieder Steuereinnahmen). Muss diese zusätzlich Abzocke auf Parkplätzen oder am Strand auch noch sein? Einheimische verirren sich allenfalls noch mit dem Fahrrad in die Orte, was die Kundschaft auf die nähere Umgebung begrenzt. Und auch manche Touristen scheint das abzuschrecken: die Beträge machen zwar nicht arm, aber Kleinigkeiten stören oft stärker als wirkliche Hindernisse, und ich habe den Eindruck als würden die Kurzbesucher, die nur eben mit dem Auto vorbeischauen, aber nicht über Nacht bleiben, weniger. Kneipen und Restaurants sind außer in den Sielorten mit ausgedehnten Ferienwohnungssiedlungen inzwischen Mangelware, wie allerdings fast überall in Norddeutschland. Wenn ein 0,3 l Bier deutlich mehr kostet als in Bayern ein halbes Mass, geht der Umsatz zurück, was wieder den Druck auf die Preise erhöht usw. Bleibt nur das Touristengeschäft, und das ist saisonal und kann nur wenige Wirtschaften am Leben erhalten.

Ich frage mich bei solchen Sachen immer, ob weniger (Abzocke) nicht mehr ist. Ob Leute, die mit einem Grummeln im Bauch ob der 1,50 € am Parkautomaten wegfahren, wirklich wiederkommen oder das erst machen, wenn sie den Ärger vergessen haben. Ob man nicht verhältnismäßig mehr Geld in Restaurants und Geschäften lässt, wenn man nicht schon beim Parken und Sonnebaden übers Ohr gehauen wird. Zumindest wäre es bei mir so. Zu Leuten, die mich ärgern, gehe ich kein zweites Mal.

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