Ein System wie das Wirtschaftssystem dieses Landes kann nur so lange gut funktionieren, wie das System zu den Bedingungen passt, unter denen es funktionieren soll. Ändern sich die Bedingungen, sollte man das System entsprechend anpassen. Dummerweise versucht die Politik um des eigenen Machtzuwachses willen stets, die Bedingungen zu manipulieren und das System unverändert zu lassen – und das geht schief.
Bedingungsmanipulation 1: Die Demografie
Ein Mensch kann bis zum Alter X profitabel arbeiten, wobei im Alter der Verlust der physischen Fähigkeiten durch die sogenannte Erfahrung zu einem großen Teil kompensiert werden kann. Wird das Alter X erreicht, schickt man ihn in den Ruhestand. Das System muss nun gewährleisten, dass ein junger Ersatz zur Verfügung steht und die zusätzlichen Kosten mit erwirtschaftet. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat das lange in der Form funktioniert, dass Familien für die Bereitstellung des Ersatzes sorgten, indem einer arbeiten ging und der andere den Nachwuchs großzog.
Nun ändern sich die Rahmenbedingungen. Durch die moderne Medizin erreichen die Menschen ein höheres Lebensalter Z als in früheren Zeiten (Y), wodurch die zusätzlichen Kosten durch den Zeitraum (Z – X > Y – X) und medizinische Zusatzaufwände steigen. Eine Systemanpassung könnte darin bestehen, den Menschen bis zum Alter X‘ > X mit verminderter Leistung weiterarbeiten zu lassen, um die Kosten zu decken. Genau das passiert aber nicht. Arbeitsstellen mit verminderter Leistung gibt es nicht – nur „volle Kanne bis X“.
Stattdessen werden die Bedingungen manipuliert: Der Anteil der Leute unter X wird künstlich erhöht, indem man den Familienteil, der sich um den Nachwuchs kümmerte, ebenfalls zur Arbeit verdonnert. Was postwendend schiefgeht: In den Familien wird nicht mehr genug Ersatz produziert, weil die Betreuung fehlt. Die Kosten werden noch höher.
Die nächste Manipulation läuft darauf hinaus, die Leute nun doch bis X‘ > X arbeiten lassen zu wollen – allerdings ebenfalls zu den Systembedingungen „volle Kanne“. Auch das geht physisch schief, womit wir bei der dritten Manipulation, der „notwendigen Zuwanderung“, landen. Auch diese scheitert, da aufgrund der weglaufenden Kosten und fehlenden Kapazitäten eine Eingliederung der Neuankömmlinge nicht gelingt. Das System muss um jeden Preis unverändert bleiben – das Systemversagen ist die zwangsläufige Folge.
Bedingungsmanipulation 2: Der Begriff der Wertschöpfung
Ein System läuft so lange optimal, wie die maximale Wertschöpfung, an der jeder partizipieren kann, ausgenutzt wird. Wertschöpfung – das sind Produkte, die man kaufen kann, Handwerk, das das Leben verbessert, Ausbildung, die dafür sorgt, dass auch morgen noch ein hoher Standard gewährleistet ist, und eine Verwaltung, die alles optimiert.
Nicht hinein passt beispielsweise Rüstung. Diese könnte man zwar verkaufen, was aber nur funktioniert, wenn man nachweist, dass man mit dem Panzer nachhaltig wirken kann – was wiederum eine eigene Armee erfordert, die irgendwo Unruhe stiftet. Das bringt keine Werte, an denen alle teilhaben können.
Problematisch wird es, wenn Ideologie und damit verstärkte Bedingungsmanipulation anstelle von Systemanpassung ins Spiel kommen. Der Staat „greift regulierend ein“, was mit anderen Worten bedeutet: Man schafft eine Verwaltung, die nicht katalysiert, sondern diejenigen behindert, die Werte schaffen, und obendrein an anderer Stelle Mittel sinnlos verpulvert.
Beispiele sind die E-Mobilität und so genannte erneuerbare Energien. Die Ideen mögen Hand und Fuß haben, aber man überlässt den Markt nicht einer eigenständigen Entwicklung, sondern verordnet in der falschen Reihenfolge und schließt Optionen voreilig aus und muss am Ende froh sein, wenn das System überhaupt noch läuft.
Hat das einmal angefangen, ist es nicht mehr aufzuhalten. Es wird überverwaltet, was dazu führt, dass Geld fehlt. Es werden neue Geldquellen erschlossen, was automatisch in eine weitere Aufblähung der Verwaltung mündet, die noch mehr behindert und die Sache schlimmer macht als vorher. Immer mehr Leute stehen nicht mehr in der Wertschöpfungskette, sondern in der Behinderungskette.
Bedingungsmanipulation 3: Der Ausgleich im Binnenmarkt
In der EU (früher EWG) treffen völlig unterschiedliche Länder mit unterschiedlichen Systemen aufeinander. Klar ist, dass ein Land dort führt, wo sein System anderen überlegen ist. Um das auszugleichen, müssten die betroffenen Länder ihre Systeme anpassen und dort punkten, wo der Branchenführer seine Schwächen hat.
Deutschland war Branchenführer in der Stahlproduktion. Auch hier wurden die Bedingungen manipuliert: Deutsche Werke wurden geschlossen, damit französische und belgische weiterarbeiten konnten. Die Systeme der Wettbewerber wurden nicht angepasst, was bis heute nachwirkt – denn ihre eigenen Stärken brauchten diese Systeme nie herauszuarbeiten.
Die exponentielle Komponente
Wer aufgepasst hat, sieht, dass diese Beispiele nur Ausschnitte des Ganzen sind und alles noch viel umfassender ineinandergreift. Das System scheitert an Bedingung A. Man versucht, A zu manipulieren, und steigt damit in die Regulierung und Bürokratisierung ein. Nun passt Bedingung B nicht mehr: Fällt die Mutter aus, weil sie arbeiten soll, braucht man zusätzliche Kinderbetreuung – also muss B ebenfalls manipuliert werden. Obwohl weniger Kinder geboren werden, fließt mehr Geld und Regulierungsaufwand in die Betreuung.
Es ist wie in der Medizin: Die weiße Pille bekämpft die Krankheit, die blaue die Nebenwirkungen der weißen, die rote die der blauen.
Die Regulierung nimmt exponentiell zu – insbesondere dadurch, dass sie versucht, ihre eigene Effektivität nachzuweisen: durch Dokumentationen, die noch mehr Leute von der Wertschöpfung abhalten. Am Ende kippt das Verhältnis vollends: Immer weniger Wertschöpfende müssen einen immer größeren Apparat aus Verwaltern, Regulierern und Behinderten alimentieren. Ein solches System korrigiert sich nicht mehr selbst; es läuft schlicht gegen die Wand, weil der Treibstoff ausgeht, während die Bremse festgerostet ist.
Das ist der eigentliche Systemfehler: Man hat ein System geschaffen, das mehr Energie darauf verschwendet, seine eigenen Fehlentscheidungen zu verwalten, als Werte zu erzeugen. Wenn am Ende niemand mehr produziert, aber alle regulieren, ist die Abwicklung nur noch eine Frage der Zeit. Die Politik manipulierte die Demografie, um das System zu retten, erzeugte dadurch neue Krisen und baute zur Verwaltung dieser Krisen eine Bürokratie auf, die nun die letzte verbliebene Wertschöpfung erstickt. Der Patient stirbt nicht an der Krankheit, sondern an den Nebenwirkungen der Therapie.