Mikrobritannien (vormals Großbritannien) zieht nach. Der im Vergleich zu irgendwas-zwischen-Februar-und-April noch unbeliebtere Premier Starmer will Jugendlichen unter 16 Jahren zu Zugang zu sozialen Netzwerken verbieten. Natürlich nur zu deren Schutz, versteht sich. Da die Menschheit in den 8.000 Jahren dokumentierter Geschichte es nicht hinbekommen hat, auch nur infinitesimal etwas daraus zu lernen, war das abzusehen – genau wie das Scheitern.
Die Verbotsposse fängt dort an, wo die gleichen Jugendschützer junge Menschen ab 14 Jahren, bei den Grünen teilweise hinab bis zu 8 Jahren, für reif und verständig genug halten, wählen zu gehen. Wählen ja, alleine aufs Klo aber nicht! Und die Sache mit dem Wählen ist auch schnell vorbei, wenn sich heraus stellt, dass die Wahlentscheidungen andere sein werden als die erhofften.
Das Schutzargument ist ebenfalls nur vorgeschoben. Natürlich gibt es längst Studien dazu, und die sehen mit dem Internet und sozialen Netzwerken nicht schlechter aus als ohne:
Die meisten Jugendlichen nutzen Soziale Medien sinnvoll – nicht pathologisch
- Statistiken zur Nutzung (EU, 2024):
- ~60% nutzen Soziale Medien primär zur Unterhaltung (Memes, Videos, Musik).
- ~25% nutzen sie für soziale Kontakte (Freunde, Familie, Communities).
- ~10% nutzen sie für Bildung (Tutorials, Nachrichten, Sprachlernen).
- ~5% nutzen sie problematisch (Sucht, Mobbing, Extremismus).
- Quelle: EU Kids Online Report 2024
- Was Jugendliche selbst sagen:
- 80% fühlen sich durch Soziale Medien „gut informiert“ (Pew Research, 2023).
- 70% nutzen sie, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben (besonders in ländlichen Regionen).
- 60% lernen durch Plattformen wie YouTube oder TikTok praktische Fähigkeiten (z. B. Programmieren, Kochen, Reparieren).
- Quelle: Common Sense Media, 2023
Und was Mobbing angeht, betrifft das deutlich weniger Jugendliche, als immer behauptet wird, und hat in der Regel bereits in der Realität angefangen und wird im Netz nur fortgesetzt.
Es gibt gleich eine ganze Reihe von Gründen, warum die Verbote komplett in die Leere gehen:
(1) Die Jugendlichen wachsen mit der Technik auf und verstehen sie weit besser als die ältere Generation, die gerade mal gelernt hat, bei Amazon einzukaufen. Sie sind auch wesentlich risikofreudiger, was experimentieren angeht, und bestens vernetzt. Im sozialen Netz dabei zu sein ist ein Muss, um dazu zu gehören, und Techniken, wie man Sperren umgeht, werden sich schnell verbreiten. Google-Suche genügt und schon hat man genügend Techniken zusammen, um das Problem in kurzer Zeit zu knacken.
(2) Die sozialen Netzwerke gehören Konzernen, und deren Geschäft besteht darin, möglichst viele Kunden auf ihren Spielplatz zu locken. Die Konzerne werden sich den Gesetzen nur so weit beugen, wie sie unbedingt müssen. Die von ihnen eingesetzten Techniken werden so lax gestaltet sein, dass es zwar nicht unbedingt leicht sein muss, die Sperre zu knacken, aber eben auch nicht unmöglich. Zudem verfügen sie auch in den seltensten Fällen über die Daten, die notwendig wären, um Mogeleien zu entdecken.
Der Staat verfügt ebenfalls nicht über die Ressourcen, alles zu kontrollieren.
(3) In nahezu allen Staaten der Welt sind Jugendliche strafunmündig bzw. falsche Angaben wie ein erfundener Name oder ein erfundenes Alter werden nicht geahndet. Es besteht keine Möglichkeit, die Jugendlichen zu sanktionieren, wenn sie doch einmal erwischt werden. Auch die Eltern können immer erfolgreich darauf verweisen, von nichts gewusst zu haben. Außer in China, wo die Gesetze etwas heftiger sind, werden sie damit durchkommen.
Also letztlich ein Riesenaufwand an Gesetzen, die nicht durchsetzbar sind, oder ein Riesenaufwand für die Installation von Sperren, die leicht umgangen werden können. Warum also das Ganze?
Dahinter steckt die Angst der älteren Generation vor einem Kontrollverlust. Die Jugend wächst mit der Technik auf, es ist ihre und sie werden sie nutzen. Die Älteren verstehen sie oft nicht, angefangen damit, dass sie sich auch keine Mühe geben. Eine Black Box, in der die Jugend herumtobt? Und man versteht nicht, was sie da machen? Und sie kommen zu Schlüssen, die einem nicht passen? Und man kann das nicht kontrollieren und sie dazu bringen, das zu tun, was man sie tun lassen möchte? Verbieten ist das Einfachste, was einem da einfällt, und dabei begeht man gleich den zweiten Fehler, indem man unterstellt, die Jugend reagiere darauf genauso wie man selbst. Falsch Parken? Das ist verboten! Es droht ein Bußgeld! Im Grunde die eigene Einstellung „man würde sich ja gerne auflehnen, aber es erlaubt einem keiner“ wird auf die Jugend übertragen – der das im Moment ziemlich egal ist. Das kommt in 15 Jahren, wenn sie an die Position der heuten Bedenkengeneration getreten ist und sich mit den nächsten Aufmüpfigen herumschlagen muss. Und dann ist die heutige Rebellion genauso vergessen wie bei der heutigen älteren Generation, dass man trotz Verbot auf dem Beatles-Konzert war und ordentlich gekifft hat.