Ein Ausflug in die Kunst

Wer sich für Gemälde aus der Zeit der Renaissance bis zum Ende des 18. Jahrhunderts interessiert, wird bei näherher Betrachtung feststellen, dass über lange Zeit ein recht spezifizisches Frauenbild geprägt wurde: die Busen sind ziemlich klein, der Bauch entspricht meist einer Schwangerschaft im 5-7 Monat und sportlich wirken die Damen auch nicht.

Das hat mehrere Gründe. Kleine Brüste wurden als Symbol der Jugendlichkeit angesehen und somit als ein darzustellendes Ideal. Die damalige Nahrung trug zu einem höheren Fettgehalt der Gewebe bei und Fitnessbuden gab es damals auch nicht (lediglich die Überfettung durch die heutige Hamburger & Cola-Kultur gab es damals nicht im heutigen Sinn). Frauen erlangten damals in der Regel im Alter von etwa 16 erst die Regel (statt heute oft schon mehrere Jahre früher), wurden dann aber auch schnell verheiratet und bekamen in den nächsten Jahren Kinder am laufenden Band (18 Kinder sind keine Seltenheit), d.h. die Schwangerschaft war mehr oder weniger ein Dauerkennzeichen, mal davon abgesehen, dass auch Gewebeveränderungen zu anderen Figuren führen (auch heute noch). Wenige Darstellungen älterer Frauen zeigen denn auch passender Weise Figuren, die man heute als „physisch verbraucht“ bezeichnen würde. Die Frauen mögen 40 – 50 gewesen sein, wirken jedoch deutlich älter. Halten wir also fest: teilweise wurde wohl wirklich das nachgebildet, was äußerlich zu sehen war, während kleine Brüste eine Rettung in ein jugendlichen Schönheitsideal darstellten.

Wer Vergleiche mit Skulpturen anstellt, wird feststellen, dass von der Antike her ein ganz anderes Frauenbild gepflegt wurde: dem athletischen Mann wurde eine genauso atheltische Frau zur Seite gestellt, zum großen Teil recht gut durchtrainiert. Lediglich im Barock gab es einen Trend zu üppigeren Figuren, die aber meist immer noch eher dem heutigen Standard entsprechen als dem malerischen. Ab dem 19. Jahrhundert war dann das antike Ideal in der Bildhauerei wieder da, während sich die Malerei sich eher dem Natürlichen in gehobenen Gesellschaftskreisen annäherte, zumal auch die Anzahl der Kinder deutlich zurück ging und einem anderen Figurenbild Platz machte.

Heute haben wir mit den elektronischen Medien erneut neue Trends, nämlich die zu gestylten und nicht natürlichen Figuren. Bei den Männer, um mal bei der anderen Seite anzufangen, der Trend zu steroidgeprägter Muskelmasse, was durch Fettreduktion zu heraustrenden Adern führt. Optisch eindrucksvoll, durch schiere Masse auch zum Teil wirkend, aber – da die Kraft nicht proportional zur Masse zunimmt und Beweglichkeit eher abnimmt – alles andere als so effizient, wie der äußere Anschein erwecken soll. Klar, sie können Hanteln mit 100 kg bewegen, genauso klar: sie würden im Bergbau nach wenigen Minuten gegenüber den sehnigen Typen aufgeben.

Bei den Frauen der Trend zu übergroßen Brüsten (ob natürlich oder chemiegeformt, sein einmal dahin gestellt) und auch anderswo zu weniger natürlichen Formen. So was verkauft sich aber gut: Neil Armstrong hat auf dem Mond 5 Fotos gemacht, eine heutige Influenzerin mit herausgeputzten Körperteilen macht bereits 50, wenn sie nur aufs Klo geht, und wird dann mit 387.729 Followern belohnt, die auch unbedingt das Designertoilettenpapier haben wollen und bis zum Liefertermin in 3 Monaten auch nicht mehr aufs Klo gehen.

Man kann sich dem anpassen und seiner Figur den natürlichen Lauf lassen, wobei – man mag es gar nicht zugeben wollen – erstaunlich normale Leute herauskommen. Zwar nur fotogen für Selfies, aber zum Glück ist man ja nicht mehr auf andere angewiesen, wenn man ein Foto von sich haben möchte. Andere neigen zum Frustessen und verhalten sich damit absolut klimaschädlich, wenn man die Menge an Stoff in Rechnung stellt, die benötigt wird, um die Figuren zu bedecken. Mir tun diese früh Verfetteten immer etwas leid, denn fett wird man im Alter zumindest zeitweise fast automatisch. Und in Selbsthilfegruppen haben es diese Gestalten auch nicht leicht: „Ist das hier die Selbsthilfegruppe für unterschwellige Beleidigungen?“ – „Ja, nimm dir zwei Stühle und setz dich zu uns.