Es ist nun nicht gerade ein Geheimnis, dass die westeuropäische Politkaste alles unternimmt, um einen Krieg mit Russland zu provozieren. Obwohl die Länder – auch das ist kein Geheimnis nd wird selbst von westlichen Militärs ausposaunt – eher in der Position von kläffenden Chihuahuas sind, die gegen einen Mastiff antreten. Neben der völligen Verweigerung von Dialogen (nennt man auf Staatsebene Diplomatie) hier mal zwei Beispiele, wie weit das inzwischen aus dem Ruder läuft:
(1) Die Niederlande, nicht nur einer der großen Zahler und Waffenlieferanten, liefern neuerdings den auch in westlichen Kreisen stark umstrittenen ukrainischen Rekrutieren Fahrzeuge für die Busifizierung genannten Zwangsrekrutierungen.
Das ist zwar aus einem sozialen Medium und damit nur halboffiziell, aber das problematische an der Angelegenheit ist weniger, dass die Niederländer das tun, sondern dass das auch noch an die große Glocke gehängt wird.
(2) Ein zweites Beispiel, wie das aus dem Ruder läuft, ist ein Interview in der Welt mit Generalleutnant a.D. von Sandrart, in dem er u.a. folgendes zur Kenntnis gibt:
Von Sandrart plädiert für eine Abkehr von der ausschließlich reaktiven Form der Verteidigung. Es gelte vielmehr die Devise: „Target the archer“, also nicht nur den Pfeil abwehren, sondern „den Bogenschützen in den Blick nehmen“.
Damit empfiehlt er Schläge weit im russischen Hinterland. Die Bundeswehr müsse im Kriegsfall „den Krieg auf den Gegner legen“. Nur so gelinge der Kampf mit einem Gegner, „für den es keine Regeln gibt“ – wie von Sandrart der russischen Armee unterstellt. Der Ex-Bundeswehrgeneral bezichtigt die Russen einer entgrenzten, ja sogar völlig entmenschlichten Kriegsführung.
Es gibt immer zwei Aspekte bei solchen Interviews: (a) was gesagt wird und (b) wie das zu interpretieren ist. Letzteres ist Kommentierung, und für dieses Interview ist folgende Kommentierung im Rahmen der aktuellen politischen Lage mehr als angebracht:
Präventive Schläge, deren Forderung man herauslesen kann und die weit im Hinterland des Gegners stattfinden, mögen strategisch ihren Sinn haben, eine solche Rhetorik in einem Publikumsorgan wie der Welt ist aber sicher wenig angebracht, riecht das interpretiert doch allzu sehr nach Angriffskrieg, was laut Grundgesetz verboten ist. Auch die Entmenschlichung des Gegners, gegen den man folglich keine Regeln einhalten muss, da er es ja selbst angeblich nicht tut, klingt eher nach einem Rückfall in die Kriegsrhetorik von 1914 oder 1941.
Bezüglich der Schulstreiks gegen die Wehrpflicht bedauerte der altgediente General, dass die Jugend in Deutschland nicht mehr bereit sei, für das Land zu kämpfen. Für das Land kämpfen? Vielleicht. Aber auch die Jugend ist nicht vollverblödet und kann die gleichen Analysen anstellen wie ich. Für so ein System kämpfen? Eher nicht.
Dabei ist das, was der Herr General empfiehlt, längst Realität. Die Ukraine greift zunehmend Städte weit im Hinterland Russlands mit Drohnen an. Statt einer langsamen Deeskalation also eine zunehmende Verschärfung. Dass man damit nicht erreicht, dass der Gegner zermürbt wird, sondern Vergeltung fordert, sollte man seit dem Bombenkrieg 1939 – 1945 eigentlich wissen. Russland fühlt sich ohnehin verraten (ob berechtigt oder nicht, darf jeder selbst entscheiden) und rüstet rhetorisch ebenfalls auf.
Wenn man mehr über die Hintergründe westlicher Politik wissen möchte, empfiehlt es sich, sich bei den Think-Tanks umzusehen. In den Medien kommt allenfalls das, was aktuell passiert, gespickt mit einigen Kommentaren, die die Leser nicht allzu sehr irritieren sollen. Solche Think-Tank-Schriften, selbst russische, sind frei zugänglich und nicht sanktioniert, man begeht also keinen Geheimnis- oder Landesverrat, wenn man sie zitiert. Um die Ernsthaftigkeit der Lage zu verstehen, sollte man lesen, was dort diskutiert wird. Hier beschreibt ein russischer Stratege die sich aufbauende Zuspitzung aus seiner Sicht (die Seite mit Hilfe von Google-Translate im Rahmen der üblichen Ungenauigkeiten automatischer Translater übersetzbar).
Um die Gefahren richtig einzuschätzen, sollte man sich vor Augen halten, dass hier von 2029 oder später die Rede ist, wenn es um die formale Herstellung einer Kriegsbereichtschaft geht (was angesichts der Wirtschaftsentwicklung und der Unlust in der Bevölkerung schon mehr als ambitioniert ist), während Russland in der Lage sein dürfte, nahezu alles aus dem Stand zu realisieren, auch wenn im Artikel von „Entwicklung“ die Rede ist.
Ich glaube, man ist sich hier zu sicher, dass Russland zu angeschlagen ist, um nicht mehr zu unternehmen als den Zermürbungskrieg weiter zu führen. Aber die lauter werdende russische Rhetorik macht zunehmend klar, dass heftigere Schläge, zu denen Russland in der Lage ist, sich nicht auf ukrainische Einrichtungen beschränken müssen. Sollte es weiter eskalieren, sehe ich die Arschkarte eher beim Westen.