Nicht nur Autos …

In welchem Job verdient man das meiste Geld? Klar, als CEO eines Konzerns! Doch auch da gibt es Unterschiede. Als CEO kann man besonders viel verdienen, wenn man das Unternehmen kaputt macht.

Doch fangen wir trotz Überschrift mit den Autos an, so zur Einstimmung. Bekanntermaßen ist VW-CEO Diess dabei, VW relativ kurzfristig im Sinne des SPD alpha-Kevin zum VEBW umzustrukturieren. Den damit verbundenen Stellenabbau bekommt Emden schon ganz gut zu spüren, und allmählich scheinen selbst die regionalen SPD-Blödels zu begreifen, dass da wesentlich mehr Stellen verschwinden als Diess angekündigt hat. Na ja, VW hat halt nicht nur beim Diesel kräftig gelogen.

Die Strategie heißt bekanntlich E-Auto, was auch bedeutet, dass sich VW bei der Weiterentwicklung der Motorentechnik enthaltsam zeigen wird. Das Problem dabei: man mag in 7-8 Jahren begreifen, wie sehr man in die Scheiße gepackt hat. Wenn man dann ein Werk wieder eröffnen will, ist das nicht das Problem. Das Problem besteht in verlorenem Know-How, und das ist nicht so einfach aufzuholen.

Das E-Auto selbst kommt nach Diess‘ Vorstellungen zunächst in Form von Oberklasse-Wagen des 100.000 €-Segments sowie E-Scootern. Richtig gehört, die kleinen Elektro-Tretroller stehen für VW auf der Zukunftsagenda. Das ist so abenteuerlich, dass selbst dem ansonsten sehr empfindungslosen Grünen-Chef Robert Habeck aufgeht, dass das einem Einstampfen von VW gleichkommt. Das muss Diess erst mal jemand nachmachen! Einen Konzern ruinieren und deswegen selbst von den Grünen kritisiert zu werden, das ist nicht einfach! Diess bekommt für dieses Kunststück mindestens 5 Mio € / Jahr (so genau kann man das nicht sagen; je nachhaltiger er VW und die Gesellschaft schädigt, desto höher werden die Boni sein).

Was Diess hier vorhat, hat Esser schon hinter sich. Der Mannesmann-Konzern war einer der Vorzeige-Schwerindustrie-Konzerne Deutschlands – bis CEO Esser „rentablere“ Geschäftsfelder im Bereich IT-Technik sah und die Kerngeschäftsfelder schleifen ließ. Allerdings kann man den laufenden Stahlbereich zu Grunde richten, ohne dass der neue IT-Bereich schnell genug auf die Beine kommt. Der Vodafone-Konzern ließ sich die Chance nicht nehmen, kaufte Mannesmann auf und zerschlug den Konzern. Von 130.000 Mitarbeitern im Jahr 1999 auf 0 im Jahr 2000. Das Röhrengeschäft übernahm Salzgitter, kleinere Spin-Offs mit dem Namen Mannesmann verkaufen Schweißgeräte oder Elektrowerkzeuge, aber der Konzern ist im Wesentlichen weg. Vodafone war die Übernahme ca. 100 Mrd DM Verlust wert.

So ein Mischkonzern, zu dem Mannesmann mutierte, ist so eine Sache. Börsenmäßig natürlich nicht der Renner, weil eine Sparte mit ziemlicher Sicherheit schwächelt, wenn eine andere boomt. Der Mittelwert (für Bremer Schüler: wenn man sich zusammentut und alles gleichmäßig wieder aufteilt) ist natürlich kleiner als der Boom-Wert. Andererseits stützt der boomende Sektor den schwächelnden und erlaubt es sogar, die Schwäche mit Innovationen anzugehen. Mischkonzerne bringen Spekulaten und CEO nicht die riesigen Gewinne, sind aber langfristig meist wertstabiler, weil das Risiko eben gestreut ist. Mischkonzerne sind aber in Deutschland nicht so eine Sache. Zu wenig Boni für die CEO. Zerschlagen ist da hilfreicher. Und so zerschlägt sich weitgehend unbemerkt eine weitere deutsche Industrie-Ikone.

DER deutsche Mischkonzern ist Siemens – oder war es, wie man wohl bald sagen muss. Das Siemens-Management war aber immer nur dann bereit, Geld in ein Segment zu stecken, wenn halbwegs kurzfristiger Gewinn zu erwarten war. Relativ früh hat das die IT- und Halbleitersparte weggeblasen. „Wir können mit den Preisen anderswo nicht mithalten“ hieß es, was allerdings ziemlicher Quark ist, denn Geld kosten eigentlich nur die Mitarbeiter, und in kaum einem Bereich braucht man so wenig Mitarbeiter wie in der Halbleitertechnik. Der Wettbewerb war natürlich enorm, aber wenn man sieht, was heute daraus geworden ist – allerdings so ziemlich ohne deutsche Beteiligung, obwohl im Mischkonzern Siemens durchaus die Mittel vorhanden gewesen wären.

Außerdem trennte sich Siemens von der Telekommunikationssparte (dummerweise mit Nokia zusammen gearbeitet), der Automotive-Sparte (ging an Bosch), dem Kernkraftwerksbau, der Medizintechnik (allerdings noch Mehrheitseigner), dem Kraftwerksbau, der Windkraftsparte, großen Teilen der Hausgerätetechnik und anderem. Die Zusammenarbeit mit Fujitsu wurde beendet, das Zusammengehen mit Alstom (Schienenverkehr) hat vorläufig noch nicht geklappt, wird aber wohl noch kommen, aktuell wird die Turbinensparte verhökert. Sogar zum Nulltarif: Siemens-Aktionäre bekommen kostenlos Turbinenaktien zugeteilt (im Verhältnis zur Wertausgliederung aus der Siemens-Aktie) und können dann damit machen, was sie wollen.

Wenn CEO Kaeser so weitermacht und sich auf die „hochprofitablen“ Geschäftsfelder konzentriert, bleibt bald nicht mehr viel übrig: Aufzüge, Industriesteuerungen, Haustechnik, und ein paar Restbeteiligungen an den alten Geschäftsfeldern. Wie schnell das zu Ende sein kann, zeigt u.a. Mannesmann. Wichtiger aber auch hier: mit jeder Sparte, die ein ausländisches Unternehmen übernimmt, verschwindet das dazu gehörende Know-How aus Deutschland. Eine Einbahnstraße, auf der es kein zurück gibt.

VW und Siemens liefern sich also derzeit ein Wettrennen, welches Unternehmen zuerst in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. VW ziemlich öffentlich, Siemens etwas unter dem Öffentlichkeitsradar. Bleibt abzuwarten, wer gewinnt. Kaeser verdient deutlich mehr als Diess. Wenn man danach geht, ist er der bessere Vernichter und Siemens wird das Rennen machen.

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