Skripal und die Geostrategie

Über die vielen Ungereimtheiten im Fall des Giftanschlags auf den britischen Ex-Spion Skripal und seine Tochter habe ich berichtet. Die letzte Nachricht in der Sache war ein Interview oder eine Verlautbarung, laut dem Sergej Skripal NICHT von einem russischen Anschlag ausging und seine Tochter wieder nach Russland zurück kehren wollte. Seitdem ist jede Spur der beiden verschwunden, und nahe Verwandte fürchten, dass sie vom britischen Geheimdienst umgebracht wurden.

Wieder mal Verschwörungstheorie? Im ersten Post dazu habe ich dargestellt, dass die Briten und die USA sehr viel mehr von dem Anschlag profitieren würden als die Russen. Er würde ebenfalls in einen größeren Zusammenhang passen: während des Syrienkonflikts wurde immer wieder versucht, Assad und mit ihm im Verbund auch Putin Giftgasangriffe auf die Zivilbevölkerung unter zu schieben. Vieles hat sich als Fälschung erwiesen, und Spuren führen immer wieder zum britischen Geheimdienst (eine längere Artikelserie findet ihr hier).

Noch eine Verschwörungstheorie? Oder was steckt dahinter? Wenn man sich die politische Entwicklung anschaut, stellt man fest, dass der Westen zunehmend seinen Einfluss verliert und gegenüber Russland und China ins Hintertreffen gerät. China operiert auf wirtschaftlichem Gebiet in fast allen Staaten der Erde, was zunächst einmal natürlich China nützt, im Weiteren aber auch den Gesellschaften, in denen chinesische Unternehmen investieren. Das bleibt weitgehend unter dem politischen Radar, weil man sich damit wenig profilieren kann. Profilieren im westlichen Sinn kann man sich sehr viel leichter, wenn man im Namen der Demokratie und der Freiheit die Regierungen anderer Länder wegbombt. Das ist beispielsweise in Libyen, Afghanistan und dem Irak gelungen, aber nach ein paar Hunderttausend Toten ist nur großes Chaos und Instabilität entstanden. Die Briten, Franzosen und inzwischen selbst die USA stehen mit dem Rücken zur Wand: auch mit den eingesetzten extremen militärischen Mitteln ist das Ziel (welches immer es auch sein mag) nicht zu erreichen, und der Aufwand blutet die Staatsfinanzen langsam aus.

Auf der anderen Seite ist Russland derzeit recht erfolgreich. Im Ukraine-Konflikt lässt es sich nicht provozieren und im nahen Osten stellt es sich mit den lokalen Machthabern wie Assad, Erdogan oder der iranischen Führung gut und zettelt keinen Krieg mit ihnen an, den man nur verlieren kann. Die Unterstützung von Assad lief im Vergleich zu den westlichen Aufwendungen auf relativ kleiner Flamme – mit dem Ergebnis, dass Assad weiter im Sattel sitzt und die Lage relativ ruhig ist. Auch Erdogan lässt man besser machen, was anscheinend selbst die USA inzwischen einsehen, auch wenn sich das Einsehen derzeit mehr oder weniger auf Trump beschränkt.

Die Giftgasgeschichten sind ein Propaganda-Krieg gegen Russland, bei dem es darum geht, bei der eigenen Bevölkerung ein Feindbild erzeugen, auf dem man höhere Kriegsausgaben und Konflikte aufbauen kann. Wozu weiß eigentlich niemand mehr so richtig. Skripal ist ein Baustein in diesem Propaganda-Feldzug, und sein Verschwinden nur folgerichtig: er ist ehemaliger Geheimdienstler und kennt sicher Wege, seine Vermutung, es seien nicht die Russen gewesen, zu verifizieren, letztlich vermutlich zusammen mit den Russen selbst. Selbst wenn dabei herauskommen sollte, dass es sich um eine kriminelle und keine politische Auseinandersetzung handelte – weder die britische noch irgendeine andere westliche Regierung kann sich nach so einem Täuschungsmanöver eine solche Aufdeckung leisten. Ohne Skripal oder seine Tochter bleibt aber alles in der Schwebe. Die beiden werden wohl verschwunden bleiben.

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