Über die Software des Bundestages

Ich bin ja selbst Informatiker und habe bislang immer geglaubt, ich würde ein wenig von meinem Handwerk verstehen. Ein Blick auf die Seite des deutschen Bundestags zeigt aber, wie es wirklich geht. Dort kann man nämlich z.Z. die Petition 85565 mitzeichnen, die sich gegen die bedingungslose Kapitulation Unterschrift des UN-Migrationspaktes richtet. Nach vielem Hin und Her – die Büromiezen SekretärInnen im Petitionsbüro hatten sich schlicht geweigert, die Petition überhaupt anzunehmen (vermutlich auf Geheiß ihrer grün-roten Besteiger Herren), bis die AfD die Annahme durchsetzte – kann man sich dort eintragen. Was das nützt, ist so eine Sache, denn die Zeichnungsfrist endet erst, wenn das Pamphlet bereits unterzeichnet ist und die ersten Schiffsladungen von Wirtschaftsmigranten hier ankommen, aber immerhin, man kann sich dort eintragen und als Fremdenhasser namentlich registrieren lassen.

Wenn man auf die Seite klickt, sieht man Folgendes:

Sieht gut aus, oder? Bis man mal auf die Details schaut. Offenbar gab es bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Screenshot gemacht wurde, 72599 Unterzeichner. Wenn man nämlich auf die Nummer schaut, sind die fortlaufend, und das bleibt auch so, wenn man statt 10 gleich 100 Zeichner anzeigen lässt und die Seiten wechselt. Auf Seite 4677 geht es dann ordnungsgemäß mit 1 los, und auch auf Seite 4673 ist die Reihenfolge noch in Ordnung. Perfekt! Was stört denn dann?

Nun, bei 72599 Unterzeichnern müssten es 7259 Seiten sein und nicht 4677. Auf die passen nämlich nur 46779 Unterzeichner drauf. Das wären aber immer noch 158 mehr als die 46641, die angeblich in Summe nur unterschrieben haben, wie rechts im Bild dargestellt ist. Wenn diese Zahl stimmt, dürfte aber die Hälfte der fortlaufenden Nummern gar nicht belegt sein. Auf allen Seiten, die man sich ansehen kann, sind die Nummerierungen allerdings korrekt. Man kann sich nur nicht alle Seiten ansehen, zumindest nicht, wenn man nicht im Knast sitzt und sonst nichts zu tun hat. Die Auswahl beschränkt sich auf

1  2  3  4  5  …  4677

und wer auf …  klickt, landet je nach Ausgangsseite auf Seite 6 oder Seite 4676, und von dort aus darf man sich in 1er-Schritten nach oben oder nach unten durchklicken. Das dauert.

Zwar könnte jeder seine Zeichnung wieder rückgängig machen, aber dass das fast die Hälfte der Leute macht, und das auch noch irgendwo in der Mitte, wo man nicht kontrollieren kann, ist schon ziemlich unwahrscheinlich.

Als Informatiker würde ich das mitlesen der Datenbank überlassen. Die kann Indexziffern alleine fortschreiben. Wenn es bei 1 anfängt, hat es also tatsächlich 72599 Einträge gegeben. Die Datenbank kann man auch fragen, wie viele Datensätze sie hat. Das weiß sie, das kann sie gut durchzählen. Die Zahl durch 10, 25 oder 100 geteilt und man hat die Zahl der Seiten, die anzeigbar wären. Anscheinend gibt es in der Software aber noch einen weiteren Schalter, mit dem die Mitarbeiter vorgeben können, ob ihnen die Petition genehm ist oder nicht. Die ist anscheinend nicht genehm. So eine Petition braucht nämlich 50.000 Stimmen, damit sich das Parlament damit befassen muss. Die hat es noch nicht erreicht, zumindest nach Auswertung des „nicht genehm“-Schalters, nach dem sie nur auf 46779 Stimmen kommt. Es ist sicher interessant, den weiteren Verlauf zu beobachten. Möglicherweise nähert sich die Zahl der Stimmen asymptotisch dem Wert 50.000, d.h. bei 72.599 sind es erst 46.779 Stimmen, bei 84.939 dann vielleicht schon 47.125, bei 121.255 ca. 48.921 usw.

Wie schon bemerkt, als Informatiker kann man da noch viel lernen. Ich hätte die Software wohl stumpf alles zählen lassen, aber wenn es demokratisch zugehen soll, ist das wohl die falsche Einstellung. Demokratie geht anders, Software also auch.

Ein Gedanke zu „Über die Software des Bundestages

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