Ein Beitrag zur Hitzologie

Vor ein paar Tagen war es ziemlich heiß draußen. Das war Klima. Jetzt ist es wieder 10° kühler und wir haben wieder Wetter. Während des Klima brachen Straßendecken auf und Metallkonstruktionen drohten Verformungen – so heiß war es.

Vor ein paar Jahren war es schon mal so heiß. Das war aber nur Wetter, weil keine Straßendecken … wie bitte? Die brachen damals schon auf? OK, dann war das damals auch schon Klima, auch wenn das noch keiner wusste. Wie kommt es dazu?

Ursache ist ein Hochdruckgebiet, das sich über Mitteleuropa festsetzt und warme bis heiße Luft aus südlicher Richtung (oft aus Nordafrika oder dem Mittelmeerraum) nach Norden transportiert. Diese Konstellation wird oft als „Omega-Lage“ oder „Blockade-Hoch“ bezeichnet.

Typische Merkmale dieser Wetterlage:

  • Hochdruckblockade: Ein kräftiges Hoch blockiert die normale Westwindzirkulation, die sonst für wechselhaftes Wetter sorgt.
  • Südliche Strömung: Die Luft kommt aus Richtung Sahara oder Südeuropa und bringt extrem warme, trockene Luftmassen mit.
  • Absinkende Luft: Im Hochdruckgebiet sinkt die Luft ab, erwärmt sich dabei und führt zu stabilen, sonnigen Bedingungen – ideal für Hitzewellen.
  • Lange Dauer: Solche Lagen können Tage bis Wochen anhalten, wenn sich das Hoch nicht verlagert.

Wie die Hitze entsteht:

  1. Import der heißen Luft:
    • Ein Hoch über Südeuropa oder dem Mittelmeer saugt warme Luftmassen aus der Sahara an.
    • Diese Luft ist bereits bei Ankunft in Südeuropa sehr warm (oft über 30°C) und trocken.
  2. Weiteres Aufheizen vor Ort:
    • Absinken im Hoch: Die Luft sinkt im Hochdruckgebiet ab, komprimiert sich und erwärmt sich zusätzlich (adiabatische Erwärmung).
    • Sonneneinstrahlung: Bei klarem Himmel (typisch für Hochdruck) heizt die Sonne den Boden stark auf – die Luft nahe dem Boden wird noch heißer.
    • Städtische Hitzeinseln: In Ballungsräumen wie Berlin oder Köln heizt sich die Luft durch Beton, Asphalt und Abwärme weiter auf (bis zu 10°C mehr als im Umland).
  3. Blockadeeffekt:
    • Das Hoch blockiert atlantische Tiefdruckgebiete, die sonst für Abkühlung sorgen würden.
    • Ohne Wind oder Regen kann sich die Hitze tagelang halten.

Also zunächst einmal ein ganz normaler Prozess, der wirklich nichts mit Klima zu tun hat und hier Temperaturen erzeugt, die im Herkunftsgebiet völlig normal sind. Und die hier in Ballungsgebieten aufgrund der Architektur noch mal einen Schub bekommen können.

In Südeuropa sind solche Bedingungen seit Jahrhunderten gesellschaftlich eingepreist:

Wie Südeuropäer Hitze meistern:

  1. Siesta (Mittagsruhe)
    • Zeitliche Vermeidung: Die heißeste Zeit (ca. 12–16 Uhr) wird für Ruhe oder leichte Tätigkeiten im Schatten genutzt.
    • Arbeitszeiten: Viele Läden und Büros schließen mittags, Arbeit wird auf frühe Morgen- oder Abendstunden verlegt.
    • Biologischer Sinn: Der Körper kann sich in der kühleren Zeit erholen, das Risiko für Hitzschlag sinkt.
  2. Architektur
    • Dichte Bebauung & schmale Gassen: Schaffen Schatten und reduzieren direkte Sonneneinstrahlung.
    • Helle Farben: Häuser werden oft weiß oder in Pastelltönen gestrichen, um Hitze zu reflektieren.
    • Innenhöfe & Verdunstung: Brunnen, Pflanzen und Wasserflächen kühlen die Luft natürlich.
  3. Ernährung & Lebensstil
    • Leichte Mahlzeiten: Kalte Suppen (z. B. Gazpacho), Obst, Gemüse und wenig Fleisch – leicht verdaulich, um den Stoffwechsel nicht zusätzlich zu belasten.
    • Flüssigkeitszufuhr: Regelmäßiges Trinken von Wasser oder ungesüßten Tees (z. B. in Spanien: Agua con gas).
    • Kleidung: Locker, lang und hell – schützt vor Sonne, lässt aber Luft zirkulieren.
  4. Gesellschaftliche Routinen
    • Spätere Abendkultur: In Ländern wie Spanien oder Italien beginnt das Leben erst ab 20 oder 21 Uhr richtig – wenn die Temperaturen sinken.
    • Öffentliche Räume: Plätze mit Bäumen oder Springbrunnen laden zum Verweilen ein.

Hier erzeugt das aktuell eine starke Panik, obwohl Hitzewellen grundsätzlich nichts Neues sind.

Das lässt sich statistisch auch sehr weit in die Vergangenheit (vor Beginn der Wetteraufzeichnungen) fortsetzen.

Warum die Panik?

  1. Fehlende Anpassung:
    • In Deutschland sind Gebäude, Infrastruktur und Menschen nicht an solche Temperaturen gewöhnt:
      • Kaum Klimatisierung in Wohnungen oder öffentlichen Gebäuden.
      • Arbeitszeiten und Alltagsroutinen sind auf gemäßigtes Klima ausgelegt.
      • Hitzeaktionspläne (z. B. für Krankenhäuser) sind erst seit wenigen Jahren im Aufbau.
  2. Gesundheitliche Risiken:
    • Ab 35°C steigt die Belastung für Herz-Kreislauf-System, besonders für Ältere, Kinder und Vorerkrankte.
    • In der Sahara sind die Menschen akklimatisiert – ihr Körper ist an die Hitze angepasst (z. B. durch andere Ernährung, Kleidung, Tagesrhythmus).
  3. Ökosysteme leiden:
    • Wälder, Landwirtschaft und Tiere in Mitteleuropa sind an 20–25°C angepasst. Bei 40°C drohen Ernteausfälle, Waldbrände oder Fischsterben in Flüssen.
  4. Psychologische Wirkung:
    • In Deutschland ist Hitze ungewöhnlich – sie wird als Bedrohung wahrgenommen, während sie in Nordafrika einfach „Sommer“ bedeutet.

Wobei es nicht wenige Menschen gibt, die hier ausgiebig klagen und meckern, um anschließend in Hurgada Urlaub zu machen und nicht verstehen, weshalb die Ägypter nur noch den Kopf schütteln, wenn sie sehen, wie sich die Touristen der Sonne aussetzen.

Wie gesagt, alles nicht neu. Vielleicht häufiger als früher, wobei selbst diese Aussage kritisch zu sehen ist: Klima ist ein 30-Jahrestrend und 2 heiße Jahre hintereinander oder mit 1 Jahr Abstand bedeuten mathematisch-statistisch nicht sehr viel. Letztlich muss man sich damit arrangieren und eigentlich sollte der eigene Körper einem auch ziemlich zuverlässig „GEH ENDLICH IN DEN SCHATTEN UND TRINK EIN BIER, DU TROTTEL!!“ sagen. Aber anscheinend funktioniert das heute nicht mehr. Der Durchschnittsbürger steht ratlos auf dem asphaltierten Platz zwischen den Hochhäusern in der Sonne und weiß ohne passende Ratschläge von Polit- und Medienfritzen nicht, was er machen soll. Und statt des Ratschlags, einfach in den Schatten zu gehen, kommt von dort die Aufforderung, nicht mit dem Auto zu fahren und eine Sondersteuer von 15% zu entrichten, um das Klima zu retten. Eine Klimaanlage täte es natürlich auch manchen Fällen – nur darf man die ohne Genehmigung nicht einbauen und das Genehmigungsverfahren dauert bis 2030.

Übrigens das Standardwerkzeug der professionellen Panikmacher: die Regierung muss jetzt dies oder jenes sofort tun. Falls sich das überhaupt auswirkt, dann in 15 – 30 Jahren, und bis dahin wird es eher schlimmer, da sinnvolle kurzfristige Optionen amtlich verunmöglicht werden.


Nur am Rande: mich wundert es, dass die Grünen noch nicht auf die Idee gekommen sind, den Bau von Hitzespeichern zu fordern. Die könnte bei den heißen Temperaturen aufgeladen werden und dann im Winter Wärmeenergie für die Wohnungen liefern. Wo bleibt der Ruf nach technischen Lösungen? Wenn schon die Speicherung von Strom im Netz möglich ist, müsste das mit der Hitze doch eigentlich viel einfacher gehen.