Ein paar Beispiele zur verbalen Verrohung des lautstarken Teiles der Gesellschaft:
(1) Ein Bundeskanzler Friedrich Merz verkündet ganz offen in Presseerklärungen, „man müsse Russland ausbluten„. Das ist zwar kein NS-Sprech, aber sehr nahe dran. Vor ziemlich genau 100 Jahren ging das Deutsche Heer in die Schlacht von Verdun mit genau dieser Parole durch General Erich von Falkenhayn. Verdun gilt weltweit als das ultimative Symbol für eine zutiefst menschenverachtende Militärstrategie, bei der das Leben des einzelnen Soldaten absolut keinen Wert mehr besaß. Während Verdun im kollektiven Gedächtnis der Deutschen und Franzosen als die „Blutmühle“ gilt, besetzt die Somme-Schlacht (Juli bis November 1916) in Großbritannien genau denselben Platz als Symbol für die absolute Gefühllosigkeit und Inkompetenz der eigenen Führung. Der britische Oberbefehlshaber, Field Marshal Douglas Haig, ging als einer der umstrittensten Generäle der Geschichte in die Historie ein. Seine Haltung glich der von Falkenhayn in Verdun.
Die Militärstrategen des Zweiten Weltkriegs hatten aus dem Trauma des Ersten Weltkriegs gelernt, dass eine angekündigte oder bewusst herbeigeführte Abnutzungsschlacht wie Verdun politisch und psychologisch der absolute Selbstmord gewesen wäre. Man veränderte im Zweiten Weltkrieg die Sprache und die taktischen Methoden radikal – obwohl das Ergebnis für die Soldaten am Ende oft genauso vernichtend war.
(2) Der so genannte Journalist Michael Martens fragte auf einer Pressekonferenz allen Ernste, wie Deutschland der Ukraine dabei helfen könne, möglichst viele Russen zu töten. Er korrigierte weiter zu russische Soldaten, angesichts der Drohnenangriffe gegen russische Zivileinreichtungen und Zivilisten ist die Unterscheidung allerdings eher marginal. Darüber hinaus verbreitet und kommentiert Martens auch Tötungsvideos von Russen durch ukrainische Drohnenpiloten mit einer gewissen Begeisterung.
Die Reaktion der Presse liegt zwischen verhalten und nicht vorhanden. Besonders sein Arbeitgeber, die FAZ (Faschistische Allgemeine Zeitung) flüchtet sich in eine windige Ausrede nach der anderen, die die absolute Gefühllosigkeit und Menschenverachtung dieser Leute eher unterstreicht. Wenn sich Martens dabei auf Winston Churchill, einen ausgewiesenen Massenmörder beruft (Churchill wurde damals gefragt, wie man den jugoslawischen Partisanen helfen könne. Seine Antwort lautete sinngemäß: Indem man herausfindet, wer die meisten Deutschen tötet, und ihnen hilft, noch mehr zu töten.), macht es das eher noch schlimmer.
Exakt solche Formulierungen, die das gezielte Töten und die Dezimierung von Millionen Menschen einer bestimmten Volksgruppe forderten, sind in der NS-Zeit massenhaft und systematisch aufgetreten. In seinen geheimen Reden vor SS-Führern sprach Himmler offen über die Vernichtung der Juden und Slawen. Er betonte, dass das Schicksal dieser Völker ihm völlig gleichgültig sei. Ihn interessiere das Sterben von Zehntausenden russischen Frauen beim Schanzenbau nur insoweit, als dass „der Panzergraben für Deutschland fertiggestellt wird“. Im Gegensatz zu Martens war das wenigstens eine Geheimrede und keine offene Anfrage.
(3) Und dann gibt es noch einen Unternehmer, dessen Äußerungen und Präsentationen im ARD-Format Tagesschau (bzw. dem Investigativ-Format von WDR, NDR und SZ) thematisiert wurden, names Stefan Thumann, der Chef des bayerischen Rüstungs-Start-ups Donaustahl. Thumann vermarktet seine in Niederbayern produzierten MAUS-FPV-Drohnen nicht als abstrakte Verteidigungstechnologie, sondern bewirbt sie ganz konkret mit dem Einsatzzweck, die russische Invasionsarmee personell und materiell zu dezimieren. In Interviews und Statements machte er unmissverständlich klar, dass der Zweck seiner Produkte darin besteht, die Überlebensfähigkeit der ukrainischen Truppen zu sichern, indem man die Angreifer physisch ausschaltet. Donaustahl legte Kalkulationen vor, wie billig und effektiv das Töten und Zerstören mit seinen Drohnen ist. Die Drohne kostet in der Produktion nur wenige hundert Euro, kann aber russische Soldaten ausschalten oder Millionen Euro teures Militärgerät zerstören. Diese nackte Kosten-Nutzen-Rechnung (niedrige Produktionskosten vs. maximaler Schaden beim Feind) wurde als zentrales Verkaufsargument genutzt.
Es gab auch in der NS-Zeit genau diese wirtschaftlichen und technischen Wettbewerbe um das effektivste Töten. Die Erfurter Firma Topf & Söhne und die Berliner Firma H. Kori standen in einem direkten, marktwirtschaftlichen Konkurrenzkampf um die Krematorien von Auschwitz u.a. Der industrielle Massenmord an den Juden und anderen Gruppen unterlag allerdings der strengsten Geheimhaltungsstufe (Geheime Reichssache). Die NS-Führung wusste, dass die Veröffentlichung solcher Effizienzberechnungen über das Töten von Zivilisten im In- und Ausland einen massiven moralischen und politischen Schaden anrichten würde. Die Firmen korrespondierten mit der SS über geheime Kanäle. In der Öffentlichkeit durfte darüber kein Wort fallen; stattdessen wurde das Geschehen sprachlich als „Umsiedlung“ oder „Sonderbehandlung“ getarnt. Heute werden solche Effizienzbemühungen im Zuge der Ökonomisierung und der veränderten geopolitischen Lage als vermeintlich „rationale“ Nachricht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt.
Die Ähnlichkeiten sind frappant. Nur sollte man sich hüten, tatsächliche Vergleiche mit der NS-Zeit anzustellen, weil das mit ziemlicher Sicherheit Staatsanwälte auf den Plan ruft. Ähnlichkeiten sind in gewisser Hinsicht nicht zu bestreiten, aber direkte Vergleiche werden von der KI in der Regel in der Art
Der historische Unterschied zur NS-Rhetorik
- Genozidale Vernichtung vs. Kombattanten: Die Rhetorik der Nationalsozialisten zielte auf die vollständige physische Vernichtung von ethnischen Gruppen (Juden, Sinti und Roma) und die Versklavung slawischer Völker ab. Diese Gruppen wurden als „Untermenschen“ entmenschlicht. Bei der Frage von Martens ging es spezifisch um reguläre Soldaten einer Invasionsarmee in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Völkerrechtlich ist das gezielte Bekämpfen gegnerischer Kombattanten im Rahmen der Selbstverteidigung legal – die Vernichtung von ethnischen Minderheiten im Nationalsozialismus war ein staatlich organisiertes Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
abgebügelt, wenn sie auch bei ein wenig Bohren zugibt:
Sobald Krieg technisiert und industrialisiert wird – ob durch die Artilleriegeneräle in Verdun 1916, die NS-Bürokratie im Zweiten Weltkrieg oder moderne Drohnen-Start-ups heute –, verschwindet der Mensch hinter Begriffen wie „Material“, „Verschleiß“, „Effizienz“ oder „Kosten-Nutzen-Rechnung“. Die nackte, mathematische Kalkulation über das massenhafte Töten ist das gemeinsame Merkmal all dieser Epochen.
Das heutige Problem ist das NIE WIEDER. Man gibt vor, aus den Vorgängen in der Vergangenheit gelernt zu haben – und benutzt das alte Vokabular teilweise noch ungehemmter weiter als zuvor. Und ist damit auf der sicheren weil unkritisierbaren Seite, siehe 1. KI-Antwort. Wo ist der Trick dabei, dass man heute etwas ungestraft über bestimmte Völksgruppen sagen darf, das im Rahmen der NS-Zeit geäußert heute als kriminell gilt?
Der Trick besteht darin, die NS-Zeit ideologisch zum absolut bösen Höhepunkt der Menschheitsgeschichte zu definieren. Dazu wird jegliche Diskussion über Vorgänge in der damaligen Zeit kriminalisiert. Wenn man ein aktuelles Beispiel dazu will, nehme man den russisch-ukrainischen Krieg. Hintergründe unterscheiden sich erheblich, je nachdem ob man russische Versionen oder EU-Versionen verwendet. Das liegt daran, dass die Schnittmengen zwischen den Faktendarstellungen außergewöhnlich klein sind: was die eine Seite sagt, wird von der anderen schlicht nicht zur Kenntnis genommen, was zwangsweise zu völlig anderen Aussagen führt. In der Praxis: wer aus der Differenzmenge der russischen Version zur EU-Version zitiert, verbreitet Desinformation und wird zur Zielscheibe des Staatsapparates und selbst ernannter Tugenwächter. Nur die EI-Version ist Information.
Das sieht mit der Darstellung der NS-Zeit nicht anders aus. Zitiert werden jeweils Historiker und sonstige Wissenschaftler, die in einem übereinstimmenden Konsens ganz bestimmte Aspekte herausarbeiten, während Dissidenten eben Desinformation betreiben und Verharmloser sind. Und Verharmlosung ist in vielen EU-Staaten strafbewehrt (beispielsweise war die SS alles andere als ein homogener Haufen, dessen einzige Freude im Töten minderwertiger Ethnien bestand. In der Staatsverwaltung waren viele aus reinen Karrieregründen in der SS und bekleideten als Akadamiker vielfach sogar formal ausgesprochen hohe Ränge. Die Waffen-SS war ein weiteres völlig anderes Kapitel. Vieles steht aber in den offiziellen Darstellungen so weit hinten in Fußnoten versteckt, dass es möglichst keiner findet. Es lebe die Schlagzeile, wie heute auch).
And that’s it is! Wer heute etwas Menschenverachtendes oder Gefühlloses sagt, kann immer – egal wie ausfallend seine Wortwahl ist – darauf verweisen, dass das alles ja immer noch harmlos im Vergleich zum absolut Bösen der NS-Zeit ist. Die erste KI-Reaktion zeigt es deutlich: einzelne Beispiele sind unzulässig, weil man das Böse jeweils beliebig erweitern kann. Spricht Martens vom Töten von Russen, wird das locker getoppt durch „vollständige physische Vernichtung …“. Der unerlaubte Vergleich ist dann strafbewehrte Verharmlosung der NS-Ideologie, die ihrerseits strafbewehrt (ebenfalls Verharmlosung) auch nicht weiter hinterfragt werden darf.