Wie wird man „extremistischer Antisemit“?

„Israel ist die Staatsräson der BRD“. OK, der Spruch ging etwas anders, und ob er tatsächlich von Merkel stamm, ist auch egal. Diesmal war sogar ich zu faul, eine KI zu fragen. Korrekt muss es heißen

Israel und die Ukraine sind Staatsräson

Der Begriff „Deutschland“ taucht dabei gar nicht mehr auf. Rein vom Wortsinn bedeutet dies, die Leute sollen hier schuften bis zum Umfallen und das dabei Erwirtschaftete dient nicht dazu, dass hier das Leben angenehmer wird, sondern es wird in die korrupten Ärsche anderer Nationen geschoben.

Im Originalspruch wurde noch der Begriff „Existenz“ erwähnt, was beinhalten würde, dass man bestimmte, an diesen Begriff gebundene Leistungen erbringt. Ich habe den Begriff absichtlich weggelassen, denn es geht nicht darum, die Existenz Israels zu sichern (oder der Ukraine), sondern es handelt sich um einen Blankoscheck: Israel (oder die Ukraine) dürfen tun, was immer so wollen, ohne dass Kritik oder eine Verringerung der Unterstützung die Folge ist.

Deutschland hat Erfahrungen mit solchen Blankoschecks. Vor etwas weniger als 115 Jahren wurde schon mal einer ausgestellt, zu dem man in Nibelungentreue hielt. Zur Erinnerung: im Nibelungenlied ging es um den Siggi und die Libido von ein paar rattigen Weibern und zum Schluss waren alle tot, erschlagen im besten Erwerbsalter und weit vor dem Renteneintrittsalter. Nebst einem Haufen anderer Leute, die zwar nichts damit zu tun hatten, aber auch ins Gras beißen durften. Das Nibelungenlied braucht für die Darstellung dieser simplen Zusammenhänge über 2.000 Vierzeiler; heute würde man das wesentlich kürzer fassen und unter dem Titel „Jeffrey-Epstein-Saga“ verkaufen.

Die Folge des damaligen Blankoschecks: 2 verlorene Weltkriege und ziemlich viele Tote. Eigentlich sollte man meinen, Deutschland habe aus der Sache gelernt. Aber nein, wieder mault ein Haufen rattiger Weiber „Der Vladimir will meine Muschi nicht kraueln! Bringt ihn um!“ und man stellt dieses Mal gleich zwei Blankoschecks aus.

Das wirft angesichts des Verhaltens von Israel inzwischen ein paar Probleme auf. Keine Kritik an Israel zu üben wird immer schwieriger, darf aber aufgrund des Blankoschecks, mit dem jede Handlung legitimiert wird, einfach nicht sein. Und so kommt es inzwischen zu so wiedersinnigen Sachen, dass der Verein „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden …“ (man muss Jude sein, um Mitglied werden zu können) im Verfassungsschutzbericht als extremistischer Verein erwähnt wird und der hessische Antisemitismusbeauftragte sogar davon spricht, man müsse den Verein verbieten, weil er extremistische antisemistische Positionen der Hamas befördere.

Wenn es schon Juden trifft, ist es für Nichtjuden noch viel einfacher, unter die Definition eines extremistischen Antisemiten zu fallen. Wer nicht bedingungslos bejubelt, dass die IDF die Palästinensergebieten ausräuchert (siehe Beitragsbild; wer eins draufsetzen will, kann noch überlegen, ob der Begriff „Ungeziefer“ irgendwie in den Jubel zu integrieren ist), ist dabei. Ich vermute mal, dass das Verlinken und Zitieren des folgenden Dokuments der UNO genügt:

https://www.un.org/unispal/document/coi-report-23jun26

Im 94-seitigen Bericht A/HRC/62/CRP.2 wird dort detailliert dargestellt, wie Israel anscheinend systematisch besonders Jugendliche von den Mühen des irdischen Daseins erlöst. Ob man sich vom Antisemitismusvorwurf beim Zitieren durch den Hinweis retten kann, dass es sich doch nur um eine humanitäte Maßnahme der Israelis handelt, damit die Jugendlichen nicht in einer völlig zerstörten Umgebung aufwachsen müssen, bleibt abzuwarten.

Noch antisemitischer wird man durch Lesen und Zitieren der israelischen Tageszeitung Haaretz. Haaretz berichtet sehr fleißig und mindestens einmal täglich durch einen englischsprachigen Newsletter, den man leicht abonnieren kann. Nahezu tägliches Thema: das Westjordanland (etwas weniger häufig der Libanon, da die IDF in ihrem Bereich bereits alles zerstört hat und nun nichts weiteres mehr hinzu kommt). Standard dort: die IDF nagelt die Bewohner in ihren Häusern fest, dann kommen „Siedler“ – Pickup, Kampfkleidung, schwarze Tücher um den Kopf, die nur die Augen freilassen [typisches Hamas- oder Hisbollah-Aussehen], bewaffnet mit Knüppeln und Schießgewehren – plündern, schlagen den Rest kurz und klein, verprügeln die Palästinenser, wobei auch schon mal ein paar Tote liegen bleiben, und ziehen wieder ab. Alles unter den wachen Augen der IDF. Neueste Entwicklung: so etwas passiert natürlich nicht ohne Rückendeckung von oben, und der oberste israelische Gerichtshof hat solche Aktionen ausdrücklich verboten und die Regierung in die Pflicht genommen, wie Haaretz berichtet. Aber: es kümmert sich keine Ziege darum (Schwein darf man nicht nehmen, weil auch bei den Juden „unreines Tier“) und wird vollständig ignoriert.

Im Zusammenhang mit dem Libanon beklagt Haaretz auch die Korrumpierbarkeit des einfachen IDF-Soldaten: Plündern werde vor dem Zerstören ausdrücklich geduldet und so mancher libanesische Teppich verschönert inzwischen das Heim eines glorreichen IDF-Kriegers. Aber das berichteten andere Quellen bereits aus Gaza.

Um dem etwas Positives abzugewinnen: das berichtet die israelische Tageszeitung Haaretz. Israel ist – wie Deutschland – ein zu tiefst zerrissenes Land (vielleicht sogar mehr als Deutschland) und hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen: wirtschaftliche Einbrüche und ein zunehmender Brain-Drain, weil der Mittelstand das Land verlässt. Zu sagen haben aber die Hardliner, und die erhalten von den deutschen Hardlinern einen Blankoscheck für ihr Handeln.

Wohin die Reise geht, zeigt die Planung der BundesreGIERung bis 2030:

Großzügig kalkuliert sollen sich die militärischen Ausgaben von einem schon heute sehr hohen Niveau mehr als verdoppeln, während sich Ausgaben für Bildung oder Gesundheit, heute ca. 1/4 der Rüstungsaufgaben, auf weniger als 1/10 verringern sollen. Damit das überhaupt funktioniert, muss die jetzt schon verfassungswidrige Schuldenaufnahme verdreifacht werden.

Um es mal zusammen zu fassen: ich schäme mich überhaupt nicht, wenn ich für die Zitate aus den beiden genannten Quellen offiziell vom Verfassungsschmutz als „extremistischer Antisemit“ geführt werde, ich schäme mich aber sehr dafür, Deutscher zu sein. Ich hätte im Moment nichts dagegen, wenn es wieder eine unabhängige Grafschaft „Ostfriesland“ gibt, die vom Tourismus, Transitgebühren und Tauschhandel „Milchprodukte vs. Haushaltsgeräte“ lebt und mit dem Rest dieses Landes nichts mehr am Hut hat. Also ab Bahnhof Leer bitte Reisepässe mit gültigen Visa-Stempeln bereit halten.