Briefkastenfirma Panama

Sicherlich erinnert sich noch jeder, manch einer vermutlich auch schmerzlich, wie die schweizer Steuer-CDs zu Panikselbstanzeigenwellen von Steuerhinterziehern geführt haben. Bei den Enthüllungen um die panamesische Anwaltskanzlei geht es derzeit in den Medien vorzugsweise um Politiker, Sportler und andere Prominente, die solche Firmen, aus welchen Gründen auch immer halten. Bislang ist zwar noch keiner aus D namentlich genannt worden, aber es wäre sicher interessant, in den Politikerzirkeln mal mit dem Thermometer zu prüfen, wo jetzt überall der Arsch auf Grundeis geht.

Allerdings sollte man die Diskussion nicht nur auf Steuerhinterziehung reduzieren. Es gibt hinreichend durchaus legale und verständliche Gründe, qua Briefkastenfirma gewisse Fakten zu verschleiern, angefangen bei Grabenkämpfen zwischen Unternehmen, Streuung von Besitz, um die Sicherheit und Flexibilität zu erhöhen, Geschäfte von staatlichen Terminen zu entflechten oder überhaupt Geschäfte abzuschließen, deren Abschluss Staaten aus irgendwelchen ideologischen Gründen unterbinden wollen. Selbst Staaten dürften – wenn auch nicht legal, sondern eher aus Korruptionsgründen – in großem Umfang an Briefkastenfirmen interessiert sein, um beispielsweise öffentlich Empörung über den IS zu äußern und heimich Waffen und Material an solche Leute zu verkaufen. Die größten Waffenhändler sind traditionell nicht Privatleute, sondern Staaten wie die USA, Frankreich, Deutschland, Russland oder China.

Derzeitiges Gerede, die Eigentümer von Briefkastenfirmen müssten auch in Ländern wie Panama offen gelegt werden, ist ebenfalls kurzsichtiges Gerede. Bereits jetzt dürften viele Leute, die in den Panama-Papieren stehen, Strohleute sein, offenbar zu hoch für Strohköpfe. Forderungen nach “Druck auf Steueroasen” sind auch inhaltsloses Gefasel. Die größten Steueroasen stehen recht- und gesetzlich unter der britischen Krone, d.h. europäische Regierungen machen genau diese Regeln, die jetzt angeprangert werden, und ausgerechnet das sich ereifernde Deutschland verhindert auf internationaler Ebene regelmäßig Maßnahmen gegen Korruption.

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