Zu welcher Gruppe gehörst DU ?

Es ist schon beeindruckend, auf welche geballte Inkompetenz man überall stößt, wenn es um konkrete Fragen geht. Nicht nur, dass man widerspruchslos zur Kenntnis nehmen soll (anderfalls ist man ein Fremdenhasser mit der zunehmenden Gefahr juristischer Folgen), dass die Erde eine Scheibe ist, weil das ein beduinischer Bandit vor 1350 Jahren so verkündet hat, auch in allen anderen Bereichen ist vermutlich inzwischen der primitivste google-Antwortautomat eher in der Lage, eine qualifizierte Antwort zu geben als die Leute, die sich in Foren oder Kundenservicebereichen produzieren. Auf die Frage „Wie komme ich in das Konfigurationsmenüs des Fernsehers?“ erhält man sinngemäß meist eine Antwort der Qualität „Herzlichen Dank, dass Sie sich für unsere Waschmaschinen interessieren!„.

Je konkreter die Frage ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Anwort. Einige Unternehmen ziehen denn auch die Notbremse in einer Weise, die nicht gerade ihrem Ansehen nützen. Beim klicken auf „E-Mail-Support“ stöss man auf „HTTP-Error 404, Site not found.“ Noch geschickter macht es google, das eine E-Mailadresse anbietet, aber beim Versenden einer Mail an diese Adresse verkündet:

Dieses ist eine automatisch generierte E-Mail. Antworten auf diese E-Mail sind aus technischen Gründen nicht möglich.

Liebe Google-Nutzerin, lieber Google-Nutzer,

vielen Dank, dass Sie sich an die Google Inc. wenden. Bitte beachten Sie, dass aufgrund der Vielzahl von Anfragen, E-Mails, die unter dieser E-Mail-Adresse support-de@google.com eingehen, nicht gelesen und zur Kenntnis genommen werden können.

Bei Fragen zu den Produkten oder Diensten der Google Inc. ist die Kontaktaufnahme über die dafür bereit gestellten E-Mail-Formulare in der Google Hilfe (http://support.google.com/?hl=de) möglich. Damit ist gewährleistet, dass Ihre Anfrage themenbezogen und zielgerichtet direkt an die zuständigen Mitarbeiter gelangt. Sie können Ihre Frage auch in einem unserer Produktforen (http://productforums.google.com/forum/#!forum/de) stellen. 

Es erübrigt sich vermutlich, anzumerken, dass natürlich nirgendwo E-Mail-Formulare bereit gestellt werden.

Aber nicht nur Unternehmen überbieten sich in der Inkompetenz der Mitarbeiter oder Supportmethoden, auch Nutzer geben in Foren Weisheiten von sich, bei denen man sich fragt, wie sie eigentlich Toilettenpapier benutzen, denn der zur Schau gestellt IQ kann beim besten Willen nicht ausreichen, den eigenen Hintern zu finden. Besonders auffällig wird das im Bereich Verschlüsselung/IT-Sicherheit. Wenn der Verständnisstand des Verfassers für sein Thema im Bereich 5-20% liegt, muss er sich bereits keinerlei Sorgen mehr machen, dass ihn einer seiner Leser entlarvt. Die toppen sich gegenseitig so mühelos, dass ein qualifizierter Beitrag totsicher untergeht.

Das Phänomen macht inzwischen noch nicht einmal vor Vertretern der Wissenschaft halt. So durfte ich mir beispielsweise in einer Stellungnahme bescheinigen lassen „the author seems not to be very familiar with quantum informatics.„. Schon etwas eigenartig, solche Worte an den Autor eines anerkannten Lehrbuches über Quanteninformatik zu richten. Wer Lesen kann, ist bekanntlich echt im Vorteil, aber diese Fähigkeit scheint selbst bei Leuten mit Doktortitel nicht immer unbedingt vorhanden zu sein. Wie überhaupt irgendwelche Fähigkeiten, wenn man auf Leute stößt, die in einer Stellungnahme zu einem Artikel, in dem man ausführlich mathematisch bewiesen hat, dass eine bestimmte Behauptung eines anderen Papiers ganz einfach falsch ist, darauf insistieren, dass „XYZ has shown in his paper, that …„.

Kurz und gut, speziell im Bereich Verschlüsselung/IT-Sicherheit findet man aktuell niemanden mehr, mit dem man überhaupt ein Modell diskutieren könnte. Verschlüsselung von Kommunikation tut Not, selbst wenn dadurch nur ein kleiner Teil der missbrauchbaren Informationen abgesichert werden. Jedem Trottel sollte inzwischen die Variante

  1. Was missbraucht werden kann, wird missbraucht.
  2. Was nicht missbraucht werden kann, wird trotzdem missbraucht.

des Murphyschen Gesetzes für das Internet klar sein, aber mal ein wenig Engagement, und sei es nur rudimentär intellektuell? Fehlanzeige! Alle scheinen zu glauben, dass Datenschutzgesetze genügen würden – als ob das Verbot von Diebstahl bislang irgendetwas genützt hätte.

Es gibt Modelle, mit denen man flächendeckende Verschlüsselung in kritischen Bereichen mehr oder weniger ad hoc einführen könnte. Nutzerfreundlich, kostenlos, psychologisch aufbauend. Interesse: NULL. Statt dessen werden Modelle propagiert, über deren Scheitern man gar nicht erst nachdenken muss, weil sie vollkommen an den Gründen für die mangelnde Beteiligung vorbei den gleichen Mist wiederholen. Warum passiert nichts? Sind alle blöd? Ist das so uninteressant?

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