Das menschliche Miteinander

Die Idealvorstellung mancher Fantasten besteht darin, dass alle Menschen untereinander als gleich betrachten. Was eine Illusion ist. Gleich im Sinne gleicher Vorstellungen mögen vielleicht die Mitglieder einer Fußballmannschaft sein, aber selbst da gibt es eine Gliederung in Spielstärken und Spielpositionen.

Das Beste, was man erreichen kann, ist, dass jeder sich und andere als einzigartig berachtet in dem Sinn, dass (nahezu) jeder auf irgeneinem Gebiet eine Stärke oder ein Interesse hat, bei dem (viele) andere nicht mithalten können. Man akzeptiert einander und sowohl seine Schwächen und Stärken als auch die der anderen. So käme eine harmonische Gesellschaft heraus.

Leider gibt es aber auch Leute, die sich für etwas Besseres halten als andere. Beispielsweise Politiker, die wenigstens in der Hinsicht ehrlich sind, dass sie von sich selbst behaupten, viel Ausschussarbeit zu leisten, denn meistens handelt es sich bei diesen Leuten um den Ausschuss ihrer Fachdisziplinen. Die einzige Fähigkeit, die diese Leute aufweisen, ist die des Netzwerkens, d.h. des Kungelns mit anderen Ausschussmitgliedern. Man kann den Fachleuten seines Gebietes nicht das Wasser reichen, verfügt in seinem Netzwerk aber über eine Reihe ähnlich unbedarfter intellektueller Minderleister, die in der Lage sind, den Fachleuten das Leben schwer zu machen. Man hält sich für etwas Besseres und ignoriert und verachtet schließlich die anderen als Minderwertig. Misanthropie bis hin zum kaltblütigen Verreckenlassen anderer sind oft die Folgen. Eine alles andere als harmonische Gesellschaft.

Eine andere Gruppe hält sich für etwas Besseres, weil ihren Vorfahren in irgendeiner Form Unrecht geschehen ist. Vergangenes Unrecht wird zu Recht in der Form „nie wieder“ gebrandmarkt, womit der Unbedarfte der ersten Gruppe alle Menschen assoziiert, d.h. dass niemandem mehr solches Unrecht geschieht. FALSCH! Tatsächlich verstehen die Mitglieder dieser Gruppe das in der Form

„Nie wieder wir, alle anderen schon, und zwar durch uns.“

Eine Gesellschaft, in der Genozid schließlich an der Tagesordnung ist.

Und dann gibt es noch die Mitglieder der Gruppe 2, die aus irgendeinem Grund einen Schuldkomplex gegenüber Gruppe 3 haben oder ihnen ideologische nahestehen. Sie sehen das in der Form

„Nie wieder die und wir, alle anderen schon, und wir bezahlen.“

Die Gruppen 3 und 4 laufen derzeit zur Höchstform auf. Mord und Totschlag unter dem Motto „nie wieder“ haben derzeit Hochsaison. Heute kann man unter dem Motto „wir verteidigen uns nur“ problemlos andere Menschen vom Säugling bis zum Greis erschlagen, ohne dass man Kritik befürchten muss. Im Gegenteil: Kritiker haben eher etwas zu befürchten als die Verbrecher.