„Auf zum letzten Gefecht!“

Ein Gastbeitrag von Helmut Böttiger (http://www.spatzseite.com)

Alle kennen inzwischen Greta Thunberg die in diesem Jahr auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte: „Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“1, und alle beginnen Sie, vor der Gesandten der MAGNAE MATRIS NATURAE auf die Knie zu fallen. Aber Severn Cullis-Suzuki haben sie schon vergessen. Das zwölfjährige Mädchen aus Britisch Columbia ließen die Organisatoren des UN-Umweltgipfels in Rio de Janeiro 1992 eine 6-minütige Rede über die Grenzen des Wachstums halten. Sie hat laut der Euphorie der „anerkannten“ Medien „die Welt zum Schweigen gebracht“ und die Umweltkrise weltweit angeworfen. Dazu gibt es eine Vorgeschichte, an die Sie sich zu Gretas Füßen erinnern sollten.

Mitte der 1960er Jahren näherte sich das westliche Wirtschaftssystem wieder einmal einer systemischen Krise. Am Ende der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte die wachsende Verschuldung nicht nur der Entwicklungsländer in den Industrieländern zu einer Absatzkrise mit zunehmender Arbeitslosigkeit. Im Ost-West-Konflikt kam es zum „Atomaren Patt“, und wurde ernsthaft über eine „friedliche“ Koexistenz nachgedacht.

In den „befreiten“ Kolonien hatten sich angesichts wachsender „Befreiungsbewegungen“ zunehmend sozial bewusste Regierungen gebildet, die der westlichen Führungsmacht als „kommunistisch unterwandert“ galten. Man fürchtete einen Domino-Effekt, der die Entwicklungsländer ins sozialistische Lager treiben würde. Das sollten mehrere „regime changes“ und schließlich der Vietnamkrieg verhindern. Dies belastete die US Wirtschaft und ließ sie zunehmend defizitär werden. Der Dollarumlauf auf dem Weltmarkt blähte sich dadurch enorm und führte dazu, dass die aus dem Nichts geschaffenen Dollarbestände gegen Gold in die USA zurückflossen. Auf diese Weise verschwand die in Bretton Woods festgelegte Golddeckung des Dollars, die ihn als Weltwährung prädestinierte. Die Doppelfunktion des Dollars als national wie auch international anerkanntes Zahlungsmittel hatte dafür gesorgt, dass die Länder des Westens (auch Entwicklungsländer) Währungsreserven in Dollar anlegen mussten, die zugleich kostenlose Kredite für die USA darstellten.2 Dieses System der Dollarhegemonie geriet in Gefahr. 1971 musste US-Präsident Nixon schließlich die Golddeckung des Dollars einseitig aufkündigen und durch Henry Kissingers Konstruktion des „Petrodollarsystems“ ersetzen. Dieses sah vor, dass der Wert der Währung sich auf den frei floatenden Finanzmärkten einpendeln sollte. Den Werterhalt des Dollars sollte nun der Öl- und Gas-Preis absichern. Diese Energieträger durften nach Absprache mit den „Öl-Scheichs“ nur noch in Dollar gehandelt werden. Eine der Folge dieser beiden Maßnahmen war, dass sich auf den Finanzmärkten leichter Geldgewinne erzielen ließen, als mit Angeboten auf den Gütermärkten. Entsprechend verlor die Güterproduktion für „die Wirtschaft“ an Bedeutung.

Was hat das mit der Umweltkrise zu tun?

Der Krieg der USA in Vietnam löste nicht nur in den USA ab 1964 Proteste der Students for a Democratic Society (SDS) aus. Diese heizten sich vor dem Hintergrund der zunehmenden sozialen Spannungen in den Industrieländern bedrohlich zu der sogenannten „1968er Revolte“ gegen das kapitalistische System des Westens auf. Die beiden wesentlichen Führungsgremien der USA, „Die Wirtschaft“ und „die Politik“ machten sich ernsthafte Sorgen um den Fortbestand ihres Systems und beschlossen, der antikapitalistischen Bewegung eine neue politische Stoßrichtung zu geben.

Zum Beispiel die Wirtschaft: 1967 erschien der sogenannte „Report from the Iron Mountain“ in The Dial Press New York, herausgegeben unter Pseudonym John Doe (Leonhard C. Lewin) und wurde sofort in die wichtigsten Sprachen übersetzt ( auf Deutsch, Der verdammte Frieden Listverlag München 1968) Danach soll sich 1963 im Bunker der Führungskräfte der privaten US-Wirtschaft im Iron Mountain eine Gruppe von Experten getroffen haben, um zu diskutieren, welche verheerende Folgen die sogen friedliche Koexistenz und damit der Wegfall des „Kriegssystems“ als nötige „Kontrollfunktion“ der Gesellschaft haben würde. Sie überlegten: „Vielleicht kann die Gefahr der Verschmutzung der gesamten Umwelt eines Tages diejenige der Massenvernichtung durch nukleare Waffen ersetzen…“ Dies sei zwar „ohne eine umwälzende Revision der Denkweise“ nicht möglich. Aber „es wäre kein Problem, die Verschmutzung für diesen Zweck zu forcieren, im Grunde würde schon eine Modifizierung der bestehenden Programme gegen die Verschmutzung den Prozess genügend beschleunigen und dadurch das für eine glaubwürdige Bedrohung notwendige Ausmaß erreichbar sein“. (zitiert nach der dt. Ausgabe S 103 und 127). Der Bericht wurde heftig als „Fiktion“ bekämpft und seine Tatsächlichkeit konnte nie eindeutige bestätigt werden. (Inzwischen heißt ein „globales“ Unternehmen so, dass sich dem „Schutz von Informationen und Vermögenswerten widmet“). Dass es allerdings derartige Überlegungen tatsächlich gegeben hat, bezeugt das Erscheinen des Textes, selbst wenn er „fiktiv“ wäre.

Konkreter war die Politik. Seine Berater Henry Kissinger und Daniel P. Moyniham (Dem.) veranlassten US-Präsident Richard Nixon (Rep.) bei seiner berühmten Antritts Rede im Januar 1969 und dann zum 20-jährigen Bestehen der NATO im April in Brüssel noch einmal, als die „dringendste“ gemeinsame Aufgabe der Industrienationen hervorzuheben, „den Menschen des 20. Jahrhunderts mit seiner Umwelt in Einklang zu bringen.“ Im November 1969 beschloss der NATO-Rat die Erweiterung der NATO-Aufgaben um eine „dritte Dimension“ und gründete dementsprechend einen neuen Ausschuss zur Verbesserung der Umweltbedingungen und zusätzlich das Committee on the Challenges of Modern Society. Auf der Gründungsveranstaltung des Ausschusses ging Moyniham bereits nachdrücklich auf die Zunahme von CO2 in der Atmosphäre und den damit verbundenen „Greenhouse-Effekt“ ein.3 Nixons Rede löste sogleich weltweit gewaltige Umweltaktivitäten der Medien mit dem Ergebnis aus, dass sich bereits am 20. April 1970 ca. 20 Millionen Amerikaner am ersten Earth Day beteiligten, um für mehr Umweltschutz zu demonstrieren.

Entsprechend legte der ehemalige US-Verteidigungsminister und damalige Präsident der Weltbank, Robert McNamara, zusammen mit dem ehemaligen kanadischen Ministerpräsidenten und Friedensnobelpreisträger Lester Pearson 1969 den „Pearson-Bericht“ vor. Darin wird das Scheitern des bisherigen Konzepts „Entwicklung (der Entwicklungsländer, ergänzt) durch Wachstum“ festgestellt. Denn wachstumsfördernde Maßnahmen kämen nur der Oberschicht in den Entwicklungsländern zugute, während die Armut vor Ort eher noch zunähme. Als Alternative wurde „appropriate technology“ (arbeitsintensive Primitivtechnologie) vorgeschlagen. 1972 erschien dann der Bericht des Club of Rome Grenzen des Wachstums, der schlagartig von den Medien weltweit verbreitet worden war.

Was war das für ein Club? Im Juni 1965 hatte in David Rockefellers Villa Serbelloni in Bellagio am Comer See eine vom Congress for Cultural Freedom (einer CIA-Frontorganisation, siehe Frances S. Saunders, Wer die Zeche zahlt“, Siedler Verl. 2001 zur Umfunktionalisierung der Kultur für den Kalten Krieg,) geladene „Conference on Conditions of World Order“ stattgefunden. Einige sehr einflussreiche Persönlichkeiten des Westens erörterten dort die “Bedingungen einer (genehmeren, ergänzt) Weltordnung”. Drei Jahre später in April 1968 trafen sich am gleichen Ort 75 „führende Persönlichkeiten“ und gründeten den Club of Rome (COR).

Eine besondere Rolle bei der speziellen Umorientierung der vom SDS ausgelösten Bewegung leistete das Tavistock Institute in London und dort besonders die beiden Soziologen und Sozialpsychologen Dr. Fred Emery und Eric L. Trist. Sie waren bei der Untersuchung der hypnotisierenden Effekte des Fernsehens auf die neu beobachten Phänome der „swarming adolescents“ (schwärmerische Jugendliche) und der „rebellious hysteria“ (rebellische Hysterie) gestoßen und haben sie im Sinne ihrer „Theorie soziotechnischer Systeme“ auf ihre politische Brauchbarkeit zur Steuerung der Gesellschaft untersucht.4 In den Jahren 1967/68 unterrichtete Emery dann am Center for Advanced Studies der Universität Stratford in Kalifornien und zugleich an der Wharton Business School der University of Pennsylvania. Die Anwendung seiner Konzepte sollte sich bereits in den Pariser Mai-Unruhen von 1968 bewähren. Sie führten u.a. zum Sturz des NATO- und Dollar-kritischen General de Gaulle.

Im weiteren Verlauf der Entwicklung der Theorie soziotechnischer Systeme gelang es den antikapitalistischen Impetus der 1968er Bewegung in einen antiindustriellen der Umweltschutzbewegung umzumodeln und die Bewegung dazu noch in viele single purpose Bewegungen zu zersplittern. Das entsprach der 1971 durchgesetzten Dominanz der Finanzmärkte über die Gütermärkten in „der Wirtschaft“. Damit war der Einsatz der Theorie soziotechnischer Systeme noch nicht beendet. Die rebellische Hysterie wurde zur Bildung der Regenbogenbewegung und für „bunte Revolutionen“ genutzt. Mit einem Anti-Establishment-Anstrich ließ sich die Politik der Hochfinanz oder des „Anglo-american Establishments“ breiter verkaufen und die alten Linksparteien in neo-linke, „progressive Parteien“ umwandeln und vom Establishment in Dienst nehmen.

In Frankreich gelang es zum Beispiel auf diese Weise, einen jugendlichen, ehemals höheren Angestellten einer Rothschild Bank ohne Partei und eigene Gefolgschaft zum Präsident wählen zulassen. Seinen Wahlkampf unterstützte der Regenbogen mit Hilfe der Medien. Auch in London wurde die Regenbogentruppe aktiv; in der Ukraine gelang ihr 2014/5 der Putsch; sie inszenierte den „arabischen Frühling“; in Moskau ist sie vorerst gescheitert, nach Trumps Wahlerfolg in den USA und neuerdings in Hongkong ist sie wieder rührig geworden. Jetzt trägt sie „Greta“ als Klimafahne vor sich her. Und schon folgt ihr (laut Medien Angaben) die breite Mehrheit mit dem leicht erkennbaren aber nicht oft durchschauten Ziel, den Lebensstandard und die Anzahl der breiten Bevölkerung zu senken.

Die durch Medienkonsum ihrer Primärerfahrungen beraubten Massen folgen immer folgsamer und rascher den Vorgaben der Soziotechnologen. Ihr fällt zum Beispiel die Absurdität nicht auf, dass man den angeblich durch CO2 verursachten Klimawandel, (was noch immer nicht physikalisch bestätigt – eher von Kramm, Dugi, Gerlich und Tscheuschner u.a. widerlegt wurde) ausgerechnet durch den unmittelbaren Eingriff in Wetter/Klimaverhältnisse, nämlich durch die Energieentnahme aus der Luftströmung (Wind), die für die Verteilung der Feuchtigkeit über Land entscheidend ist, ausbremsen will.


(1) Thunberg, Greta, „Ich will, dass ihr in Panik geratet“, Meine Reden zum Klimaschutz, Fischer-Verlag Frankurt 2019

(2) Damit wurde damals die anethische Qualität der Marktwirtschaft im Westen immer offenkundiger. Vgl. Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie. Band 1. Mohr, Tübingen (1920) 1988, S. 202 ff.

(3) Kai F. Hünemörder, Die Frühgeschichte der globalen Umweltkrise und die Formierung der deutschen Umweltpolitik Franz Steiner Verlag Wiesbaden 2004 S. 141f.

(4) F. Emery, E. Trist, The causal texture of organizational environments, in: Human Relations 1965, Bd.18, S. 21–32. und speziell F.E. Emery, The next Thirty years: concepts, methods and anticipations, in: Human Relations 1967, Bd.20, S. 199–237.

Ein Gedanke zu „„Auf zum letzten Gefecht!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.