Mit Gewalt zum Entwicklungsland

Das DIW hat eine Studie mit dem Titel „Zu teuer und gefährlich: Atomkraft ist keine Option für eine klimafreundliche Energieversorgung“ erstellt.

Es empfiehlt sich, vor dem Lesen des Restes des Beitrags zunächst diese Studie zu lesen. Hier die Antwort darauf:


Stellungnahme zu einer Studie des DIW zur Kernkaft

Der DIW hat eine Studie „Zu teuer und gefährlich: Atomkraft ist keine Option für eine klimafreundliche Energieversorgung“, herausgegeben von Ben Wealer, Simon Bauer, Leonard Göke, Christian von Hirschhausen und Claudia Kemfert, vorgelegt, in der Kernkraft als Energieoption grundsätzlich abgelehnt werden, auch da sie zivilwirtschaftlich ein Verlustgeschäft sei.

Die Studie enthält den Hinweis, dass die zivilen Nutzungsinteressenten bereits sehr früh andere Entwicklungslinien bevorzugt hätten, der militärische Komplex allerdings Kraftwerkstypen durchgesetzt hat, die militärisch nutzbares Spaltmaterial liefern können. Diese Aussage ist korrekt. Es ist allerdings auch die einzige korrekte Aussage in der Studie.

Bereits durch die Durchsetzung des Primats der militärischen Nutzung war auch der zivilwirtschaftliche Gewinn garantiert. Mit Wegfall des Kalten Krieges wurde zwar staatlicherseits versucht, die Kosten in Richtung Unternehmen zu verlagern. Die Vorsicht und Zurückhaltung bei diesen Versuchen zeigt aber auch, dass in den Archiven der Unternehmen Dokumente lagern, die den staatlichen Zwang belegen und ein härteres Vorgehen des Staates unmöglich machen.

Bei den militärischen Reaktortypen wurde weder Wert auf immanente Sicherheit noch auf einfache Wiederaufbereitung und geringe Abfallmenge geachtet. In der weiteren Entwicklung von Reaktortypen wurden diese Aspekte berücksichtigt. In Deutschland war es jedoch so, dass bereits die Realisierung der Reaktortypen der Folgegeneration (Stichworte Kalkar, Uentrop) durch die SPD-geführte NRW-Landesregierung unter dem Ministerpräsidenten und späteren Bundespräsidenten Rau durch eine Kombination als Korruption und Sabotage verhindert wurden. Insgesamt wurde damals enorme Menge von 10-14 Mrd DM verbrannt, was angesichts der heute verbrannten Summen allerdings noch nicht mal zur Portokasse reicht. Andere Länder setzten diese Typen in kurzer Zeit und zu geringen Kosten erfolgreich um und hatten sie Jahrzehnte in Betrieb. Sie bildeten die Grundlage für weitere Entwicklungen. Neben der Kraftwerksentwicklung wurden auch auf dem Gebiet der Wiederaufbereitung innovativen Unternehmen politisch der Saft abgedreht – wieder durch SPD-Regierungen, diesmal in Hessen.

Seit dieser Zeit herrscht in Deutschland eine strikte Abstinenz bezüglich der Kenntnisnahme neuer Entwicklungen auf dem Gebiet der Kerntechnik, das DIW mit eingeschlossen, wie die Studie zeigt. Allenfalls zur Kenntnis genommen wird eine norwegische, unter einer grün-roten Regierung erstellte Studie, die als einzige unter einer mehr als 2-stelligen Anzahl zu ähnlichen Ergebnissen kommt wie die DIW-Studie und möglicherweise als Vorlage gedient hat. Für grün-rot initiierte Studien ist allerdings grundsätzlich symptomatisch, dass ein zuvor bereits definiertes Ergebnis durch die Studie „bewiesen“ werden muss. Entsprechend beschränkt sich die norwegische Studie zwangsweise auf Entwicklungslinien, die bereits zum Zeitpunkt des Entstehens der Studie nicht mehr verfolgt wurden, da sie eben nicht in die gewünschte Richtung verliefen.

Als Problem der Kerntechnik werden ebenfalls die Rückstände aus der Wiederaufbereitung angeführt, die man angeblich nicht sicher lagern könne. Dazu ist zu sagen, dass das so genannte Endlagerproblem ein rein politisches ist. Kein Argument ist im technischen Sinn schwachsinnig genug, um nicht für die Verhinderung eines Vorhabens genutzt werden zu können. Darüber gilt im Bereich Kerntechnik längst die Weisheit „Der Abfall von gestern ist der Rohstoff von morgen“, d.h. eine Endlagerung ist nicht notwendig, da aktuelle Typen die Rückstände verwerten können.

Was in der DIW-Studie geradezu als Lüge bezeichnet werden kann, ist die Darstellung der aktuellen Generationen von Reaktortypen. Diese zeichnen sich nämlich aus durch

  • systemimmanente Sicherheit, da eine Kernschmelze technisch nicht möglich ist,
  • Verwendung wohlfeiler und in beliebigem Umfang zur Verfügung stehender Materialien,
  • einfache Wiederaufbereitung einer homogenen flüssigen Phase,
  • sehr geringe Restrückstandsmengen, die bereits nach 30-50 Jahren so weit abgeklungen sind, dass eine Lagerung auf normalen Deponien möglich ist.

Je nach Reaktortyp besteht die Möglichkeit, Brennstoff für andere Reaktoren zu erbrüten oder Rückstände der älteren Generationen in den Prozess einzuschleusen und so rückstandslos zu entsorgen. Das schließt auch die gegenüber den zivilen Mengen weitaus größeren Mengen spaltbaren Materials aus ausgemusterten militärischen Beständen ein. Hinzu kommt, dass die meisten Typen kein militärisch brauchbares Material erzeugen (was Atommächte natürlich nicht davon abhält, weiterhin Reaktortypen für die Versorgung ihres Militärs zu unterhalten).

Abgesehen von nationalen Projekten zeigt eine kurze Internetrecherche, die vom DIW anscheinend nicht durchgeführt wurde, folgenden zivilwirtschaftlichen Stand:

  • Bei Hitachi kann man Kraftwerke der neuesten Generation im Leistungsbereich 600 – 1200 MW gewissermaßen bereits mittels eines Einkaufswagens ordern; es fehlt lediglich die Möglichkeit, sich diese mit Amazon-Prime liefern zu lassen, um es überspitzt zu formulieren.
  • Ein kanadisches Konsortium deckt mit seinen Entwicklungen den Leistungsbereich 200 – 500 MW ab und will diese Typen innerhalb von 3-5 Jahren kommerziell am Markt anbieten.
  • Die US-Firma Westinghouse hat den Bereich 20 – 180 MW angepeilt und will ebenfalls innerhalb von 3 – 5 Jahren die Reaktoren kommerziell anbieten.

Der letztgenannte Typ von Westinghouse soll aus völlig wartungsfreien Modulen ohne komplizierte Steuerungstechnik bestehen, die nach 8 Jahren Betriebszeit per Tieflader ausgetauscht und zentral wiederaufbereitet werden. Er eignet sich damit für den dezentralen Betrieb von Mini-Blockheizkraftwerken.

Deutschland hat bereits 3 Generationen neuer Reaktortypen verschlafen und sich inzwischen über den überstürzten Ausstieg und das Auslaufen von Professuren für Reaktorsicherheit auch der Expertise über die alten militärischen Typen begeben. Bei aller Überheblichkeit, die deutsche Politiker und Medien gerne an den Tag legen: Deutschland wird von Russland sowie asiatischen und nordamerikanischen Staaten in vielen Bereichen längst als Entwicklungsland eingestuft. „Studien“ wie diese des DIW zeigen, dass man weiterhin lieber an der bedingungslosen Vergöttlichung einer geistig behinderten Minderjährigen mit Wahnvorstellungen arbeitet. Den derzeitigen Kurs beibehaltend wird Deutschland in 3 – 5 Jahren auch in den restlichen technischen Gebieten, in denen es noch mithalten kann, auf Entwicklungslandniveau angekommen sein.

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