Satire …

… ist bekanntlich die starke Überhöhung der Wirklichkeit, um auf einen Missstand aufmerksam zu machen. Es gibt Leute, die davon leben, anderen die Wirklichkeit satirisch nahe zu bringen und ihnen so den Widersinn klar zu machen. Was aber, wenn die Satire gar nicht mehr in der Lage ist, die Wirklichkeit noch zu überhöhen? Wenn die Wirklichkeit die Satire längst aus dem Feld schlägt? Ein paar Beispiele:

 

(1) Die tiefer liegenden Flachlandgebiete Norddeutschlands werden häufig von Entwässerungsgräben durchzogen. Noch im 19. Jahrhundert waren riesige Flächen Moorgebiete, die heute als Wohngebiete und Ackerland genutzt werden. Voraussetzung dafür ist immer noch eine ausreichende Entwässerung. Damit das funktioniert, müssen die Entwässerungskanäle regelmäßig gereinigt werden. Wenn sie von Schilf und anderen Pflanzen zugewuchert werden, kann das Wasser nicht abfließen und die Gegend säuft ab. Zweckmäßigerweise machen das die Entwässerungsverbände im Herbst, wenn die Vegetationsperiode zu Ende ist und bevor die Regenperiode richtig einsetzt.

Was aber, wenn die Politik in ihrer überschäumenden Weisheit beschlossen hat, aus Naturschutzgründen das Säubern der Entwässerungskanäle zu untersagen? Dann machen sich die Entwässerungsverbände strafbar, wenn sie es doch tun. Andererseits sind sie haftbar, wenn sie es nicht tun und Gebäude und Äcker saufen ab. In der Situation wendet man sich zweckmäßigerweise an den Verursacher und fordert ihn auf, das Gesetz zu ändern. Nur erhalten sie von dort die Antwort, das sei nicht Sache des Gesetzgebers. Die Verbände mögen vor Gericht klagen, damit ein Richter feststellen kann, ob ein Säubern des Kanals tatsächlich notwendig ist.

Satire? Keineswegs. Es ist tatsächlich so, dass sich die Parlamente einen Scheißdreck um die Realität kümmern und anschließend ein sachlich völlig Unbedarfter entscheiden muss, ob die Techniker, die auf eine mehr als 100-jährige Erfahrung zurückblicken, Recht haben. Wie sehr das ins Auge gehen kann: siehe Hambacher Forst. RWE stellt fest, dass die Kohle für die Stromversorgung benötigt wird und die Böschung der Grube befestigt werden, die Landesregierung (übrigens Rot-Grün) prüft das und stellt fest „ja, das ist so!“, und ein Verwaltungsrichter darf schließlich fest „halte ich beides für unglaubwürdig“. Satire pur!

 

(2) Eine Brücke muss erneuert werden. Das alte Bauwerk soll abgerissen und genau an der gleichen Stelle neu erbaut werden. Die neuen Brückenpfeiler sollen genau an die Stelle der alten gesetzt werden. Mit anderen Worten: alter Beton gegen neuen Beton. Problem? JA!

Rechtzeitig vor Baubeginn stellen Umweltverbände die Behauptung auf, das sei nicht umweltverträglich, und erhalten vor Gericht Recht. Ganze Horden von Umweltschützern müssen nun untersuchen, ob sich durch den 1:1-Ersatz eines alten Bauwerks durch ein Neues etwas ändert. Tut es natürlich nicht, aber es braucht Zeit, um das festzustellen.

Die Brücke ist nun seit mehr als 3 Jahren aus Sicherheitsgründen nur noch mit Tempo 30 km/h zu befahren. Zu einer Entscheidung über die Umweltverträglichkeit eines neuen Bauwerks ist es nicht gekommen, sie ist auch nicht in Aussicht, da die Umweltverbände noch weitere Einspruchsmöglichkeiten haben. Satire? Keineswegs! Bundesdeutsche Realität.

 

(3) Andere Brücke. Diesmal soll eine neue andere Brücke gebaut werden. Wieder Umweltverträglichkeitsprüfung, wobei solche Gutachten – nebenbei bemerkt – häufig 200-250 Tausend € kosten, weil buchstäblich jeder Grashalm und jede Mücke gezählt wird. Während die Brückenplanung ca. 2 Aktenordner verschlingt, benötigen diese Gutachten ca. 5.

Ergebnis: die neue Brücke kann gebaut werden. Allerdings um die Pfeiler der alten Brücke drum herum. Die tragen zwar nicht mehr und können nicht benutzt werden, dürfen aber auch nicht entfernt werden, weil die Gutachter festgestellt haben, dass eine relativ seltene Flechtenart den Altbeton besiedelt hat und schutzwürdig ist. Keine Satire!

 

(4) Grabendurchlass unter einer Straße in einem Dorf. Ebenfalls marode und sanierungsbedürftig. Selbst hier müssen Umweltgutachten eingeholt werden, was dazu führt, dass ein spezieller Grabendurchlass mit Tiertreppen konstruiert werden muss, um Tieren den Durchgang durch den Durchlass zu erlauben, die a) bebaute Siedlungen meiden und b) auch über die Straße wechseln können, die ohnehin wenig befahren ist. Aber es könnte ja sein, dass ein Tier so denkt wie ein Umweltschützer. Keine Satire!

 

(5) Deichverstärkung. Dadurch wird natürlich etwas an der Gegend verändert, was durch so genannte Renaturierungsmaßnahmen an anderer Stelle kompensiert werden muss. Meist muss mehr kompensiert werden als verändert wurde. In diesem Fall musste einer als Wellenbrecher fungierender Vordeich durchstochen werden, um ein kompensierendes Feuchtgebiet zu schaffen. Was dadurch kompensiert werden musste, dass der Deich hinter dem Renaturierungsgebiet nun ebenfalls verstärkt werden musste. Keine Satire!

 

Das sind nur ein paar Beispiele aus der näheren Umgebung. Wer bei sich nachforscht, wird sicher ähnlichen Schwachsinn zu Tage fördern. Wer sich wundert, dass ein Bauwerk schon seit Jahren vor sich hin vergammelt statt endlich saniert zu werden, oder andere Maßnahmen nicht in Gang kommen, der suche am Besten nach Einsprüchen von Umweltschützern. Ein Bekannter, der am Rande einer Wiese wohnt, hat das schon richtig begriffen: wenn die Wiese als Baugebiet ausgewiesen werden sollte, würde er im nächsten Wald einen Käfer fangen, den auf die Wiese werfen und das Tierchen anschließend mit dem Handy filmen. Vermutlich dürfte die Wiese anschließend noch nicht einmal gemäht oder beweidet werden. Keine Satire!

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