Wird es den Journalisten jetzt doch peinlich ?

Vor einigen Tagen sendete DLF ein Interview mit einer AfD-Vertreterin von fast 10 Minuten Länge. Der Moderator stellte ca. 15 Fragen, bzw. genauer eigentlich nur 3, die jeweils etwa 5 mal wiederholt wurden.

Frage 1 betraf den angeblichen Schießbefehl (siehe hier), wozu die AfD-Vertreterin klarstellte, dass der nie gefordert wurde und die Beispiele der derzeitigen Grenzschließung auch zeigen, dass so etwas nicht nötig ist.

Frage 2 betraf einen angeblichen Ausschluss der AfD aus der Fraktion der Konservativen im EU-Parlament, wozu die AfD-Vertreterin klarstellte, dass der nicht stattgefunden hat, sondern nur von eine Person mit entsprechenden medialen Interesse als Wunsch geäußert wurde. Sie sähe ja ein, dass Frau Merkel mangels irgendwelcher Sachargumente nun allerorts die Intrigenkarte gegen die AfD zöge, aber das mache falsche Behauptungen nicht wahr.

Frage 3 betraf Äußerungen des thüringischen Landesvorsitzenden Höcke und warum er nicht aus der Partei flöge. Man habe sich von den Äußerungen distanziert, Herr Höcke habe seinen Fehlgriff eingesehen, ansonsten machen Menschen eben Fehler und sollten sie auch wieder gutmachen dürfen. In der AfD diskutiere man Fakten und betreibe nicht nur Intrigenspiele, weil einem zu den Fakten nichts einfalle.

Wie geschrieben, jede Frage wurde ca. 5 mal wiederholt und stets kurz auf die gleiche Weise beantwortet. Das kostete geschätzt ca. 2 von den 10 Minuten Interviewzeit. Den Rest der Zeit ließ der Interviewer die AfD-Vertreterin ungestört ausreden und in fast epischer Breite Parteiprogramm und Kritik entwickeln.

Dieses Verhalten, bereits ausführlich beantwortete Fragen wieder und immer wieder zu stellen, weil die Antwort nicht zu der meist in suggestiver Form gestellten Frage passt, ist typisch für öffentlich-rechtliche Medien und wirkt zumindest auf mich immer sehr peinlich. Manche Interviewer sind dabei noch aggressiv und lassen den Gesprächspartner oft nicht ausreden. So besehen besteht der öffentlich-rechtliche freie Journalismus anscheinend häufig darin, nur genau definierte Fragen zu Intrigenproblemen stellen zu dürfen und Sachthemen, auf die man peinliche Antworten bekommen könnte, auszulassen. Der Interviewer bekommt die Vorgaben vom Redakteur, der wiederum von anderen Leuten, die irgendwann mächtig genug sind, beide in die Registratur zu versetzen, und übrig bleibt ein Interviewer, der sich vor dem Mikrofon durch peinliches Verhalten lächerlich machen darf. War es hier einem Interviewer mal zu dumm, die Masche durchzuziehen ? Indem er den Interviewten einfach ausreden ließ, statt ihn durch Wiederholung der bereits beantworteten Frage zu unterbrechen ? Hat er vielleicht sogar Sympathien für eine Partei, die er qua Vorgabe doch als die schlimmste Gefahr für Deutschland seit Attila dem Hunnen darstellen muss ?

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