Wirtschaft: weg mit Gestalten à la Winterkorn

Eine neue Wirtschaftkultur ist nötig. Leute wie Winterkorn gehören auf den Müll. Entweder hat dieser absichtlich den VW-Konzern in die Probleme geführt, die nun die Mitarbeiter ausbaden müssen, oder er hat wirklich nichts gewusst und folglich auch nichts an der Spitze eines Unternehmens zu suchen gehabt, schon gar nicht mit diesem Gehalt. In beiden Fällen wären Begriffe wie Dreckskerl oder Parasit wohl durchaus berechtigt. Und man soll nicht annehmen, dass es an die Spitzen der anderen Konzerne wesentlich anders zugeht.

Man darf diese Leute, deren Ziel die hemmungslose Bereicherung ist und denen Menschen und Menschenleben völlig egal sind, wenn hier vielleicht noch etwas kaschiert, so aber überdeutlich in den so genannten Entwicklungsländern, nicht mit Unternehmern verwechseln. Diese Leute tragen keinerlei Verantwortung für ihr Tun und finden Millioneboni auch dann noch gerechtfertigt, wenn sie zig Tausend Mitarbeiter entlassen haben, weil „die Wirtschaftslage das so verlangt“. Unternehmer, denen eine Firma gehört, merken es unmittelbar an ihrem eigene Bankkonto, wenn sie Mist gebaut haben. Unternehmer sind auch oft Leute wie Bill Gates, die zwar nicht am Betteltuch nagen, aber doch erhebliche Teile ihres Vermögens in soziale Projekte fließen lassen, übrigens ein Brauch seit den Industrie-Tycoonen des 19. Jahrhunderts und nicht auf Bill Gates beschränkt. Angestellte CEOs spenden nichts, außer sich selbst.

Wer besser ist, soll auch mehr verdienen, aber diese hemmungslose Selbstbereicherung ist pervers. Sie ist auch nicht zu steuern: das Gehalts des Chefs von A wird vom Aufsichtsrat beschlossen, und da sitzen die Chefs der Unternehmen B bis F. Sie beschließen selbst, was sie verdienen. Es ist hemmungslose Selbstbereicherung. Die Leute sollen auch nicht so tun, als wären sie so gut. Man kann deligieren. Niemand zwingt diese Leute zu einem 24/7-Job. Selbst Bismarck konnte es sich als Reichskanzler leisten, auch mal ein paar Wochen Auszeit zu nehmen. Wenn man sich allerdings wichtiger nimmt, als man ist, und über jede Briefmarke den Entscheidungsvorbehalt besitzt, muss man sich nicht wundern, wenn Sonntag Nachmittag ein Mitarbeiter anruft und „Chef, ich muss einen Brief absenden“ auf dem Herzen hat. Und solche Leute mit einem so beschränkten Horizont und solchen Minderwertigkeitsgefühlen, dass sie nicht deligieren können, bevölkern Konzernspitzen und Politik.

Auf die Politik braucht man gar nicht erst zu hoffen. Wer in so einer Position wie die CEOs ist, hat auch keine Probleme, die entscheidenden Politiker mit ein paar Millionen zu schmieren. Oder wie soll man es anders interpretieren, wenn selbst Bundesländer wie Bayern und BaWü gegen VW wegen vorsätzlicher Schädigung des Landes klagen, während ein Ministerpräsident von Niedersachsen auch noch die Millionenboni abnickt und Entlastung vom Betrugsvorwurf gewährt, während noch ermittelt wird? Ich interpretiere es zumindest so. Für mich sind diese Politiker korrupt, so lange sie keinen plausiblen Grund liefern, weshalb sie die Selbstbereicherung der CEOs unterstützen. Und die Gewerkschaftsvertreter, die ebenfalls brav alles abgenickt haben, kann man gleich ebenfalls ganz vorne in die Reihe der Korruptionsverdächtigen stellen.

Kann man etwas ändern? Keine Ahnung. Voraussetzung wäre zumindest einmal, dass man sich einig ist, diese Leute für Drecksgestalten zu halten, wenn sie weiter so agieren wie sie es jetzt tun. So lange aber große Teile der Bevölkerung Politikern zujubeln, die bereits als Betrüger überführt sind, ist gar nichts zu holen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.