Wir berichteten bereits hier:
Wir berichteten bereits an dieser Stelle über die Ereignisse. Inzwischen sind die Teilnehmer der Hilfsaktion in ihre Heimatländer abgeschoben worden. Bemerkenswert ist, dass Premierminister Netanjahu dies persönlich angeordnet hat, nachdem Israel die Angelegenheit diplomatisch zunehmend um die Ohren geflogen ist. Von den Rückkehrern hört man Erschütterndes.
Die Aktivisten waren mit mehreren Schiffen unterwegs, um Hilfsgüter in den Gazastreifen zu bringen. Viele der internationalen Teilnehmer mussten direkt nach der Landung medizinisch versorgt werden. Die Aktivisten berichten von brutaler Gewalt während ihrer Haft.
Auch der italienische Journalist Alessandro Mantovani, der selbst an der Gaza-Flottille teilgenommen hatte, berichtete bei seiner Ankunft am Flughafen Rom-Fiumicino von schweren Misshandlungen. Unter dem Gruß "Welcome to Israel" seien Gefangene gefesselt, in Containern bei Brot und Wasser eingesperrt und systematisch grün und blau geschlagen worden. Einigen habe man sogar die Rippen und Arme gebrochen.
Zitiert aus internationalen Quellen
Weiter wird berichtet, dass bei mindestens einer Teilnehmerin, einer Italienerin, überdies der dringende Verdacht besteht, dass sie sexuell missbraucht worden ist. Die italienischen Behörden ermitteln.
Die diplomatischen Reaktionen im Westen fallen ungewohnt deutlich aus: Mehrere EU-Länder, darunter Polen, haben persönliche Sanktionen gegen den rechtsextremen israelischen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir verhängt, der geplante Besuche in Polen damit absagen musste. „Solche Leute fördern in Polen den Antisemitismus, was wir hier nicht brauchen können“, so eine offizielle polnische Stellungnahme. Die israelische Regierung gibt sich schmallippig und reagiert merklich brüskiert. Offizielle Stellungnahmen bleiben aus – insbesondere die von vielen Ländern geforderte Entschuldigung.
Zudem bedient sich das israelische Militär laut Berichten wiederholt einer Strategie, die als völkerrechtswidriges Kriegsverbrechen einzustufen ist und historisch erstmals von den Briten im Zweiten Weltkrieg angewendet wurde: der sogenannten „Double Tap“-Taktik. Bei dieser Strategie erfolgt ein zweiter Angriff auf das exakt gleiche Ziel kurze Zeit später, wenn davon ausgegangen werden kann, dass inzwischen Rettungskräfte und Sanitäter vor Ort eingetroffen sind. Das Ziel dieses Zweitschlags ist die gezielte Ausschaltung von Helfern und medizinischem Personal. Die Opferbilanz ist verheerend: Allein im Libanon wurden auf diese Weise laut Berichten (unter anderem dokumentiert via PressTV und internationalen Hilfsorganisationen) bereits mindestens 110 medizinische Ersthelfer getötet – die Opfer in Gaza sind in dieser spezifischen Statistik noch gar nicht enthalten.
An dieser Stelle sei die Frage an die bislang auffallend schweigsame Bundesregierung erlaubt: Wie lässt sich all das mit Artikel 1 des Grundgesetzes – dessen Jahrestag politisch gerade erst feierlich begangen wurde – und der viel beschworenen deutschen Staatsräson vereinbaren?
Nachtrag: ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt, dass die Volksseele kocht (die Bilder und Videos sind teilweise sehr hart und aussagekräftig) und Israel bei der jüngeren Generation, die in solchen Netzen lebt, wohl nicht mehr davon ausgehen sollte, noch irgendwelche Sympathien zu besitzen.
Die Kehrseite der Berichterstattung: im Rahmen der „Sippenhaft“ ist zu befürchten, dass irgendwo als „Vergeltung“ mal wieder eine Synagoge brennt, weil man der Täter nicht habhaft wird. Das Tragische: oft trifft es genau die jüdischen Gemeinden, die mit ihrer Kritik an den israelischen Zuständen in vorderster Front zu finden sind.
Vermutlich werden jetzt die Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen wieder massiv hoch gefahren, was allerdings eher weiteres Öl ins Feuer gießt. Wenn man es tatsächlich Ernst damit meint, gegen Antisemitismus vorzugehen, wäre es sehr viel produktiver, endlich massive Kritik an der israelischen Kritik zu üben und die kritischen jüdischen Stimmen wie die Jüdische Stimme für gerechten Frieden im Nahost – aber auch internationale jüdische Künstler, Wissenschaftler und Denker – ganz offen mit ins Boot zu holen.
Ich bezweifle allerdings, dass in den Regierungen Leute sitzen, deren Intellekt dafür ausreicht.