Zu den Vorfällen mit der Gaza-Flotille in Israel nimmt der Zentralrat der Juden wie folgt Stellung:

Die zentrale Aussage dieser Stellungnahme ist völlig korrekt: Eine derart menschenunwürdige Behandlung widerspricht den jüdischen Werten – und, das sei hinzugefügt, nicht nur den jüdischen, sondern den universellen Menschenrechten. Nahezu alle jüdischen Organisationen oder Jüdinnen und Juden weltweit würden dies bedingungslos unterschreiben.
Nur unwesentlich geringer ist allerdings auch die Anzahl der jüdischen Organisationen und Menschen außerhalb Israels – eine Haltung, die übrigens von vielen Stimmen innerhalb Israels geteilt wird –, die auch das militärische Vorgehen in Gaza, dem Westjordanland und dem Libanon als diametral zu jüdischen Werten bezeichnen.
Bei aller Bejahung eines legitimen Selbstverteidigungsrechts stellt sich die drängende Frage: Wie steht es denn mit den Zehntausenden getöteten Frauen und Kindern, lieber Zentralrat? Warum hört man da von Ihrer Seite keine angemessene Kritik, sondern bei der leisesten öffentlichen Debatte stets den reflexhaften Antisemitismusvorwurf?
Wer das moralische Recht beansprucht, Verstöße gegen die Menschenwürde im Namen jüdischer Prinzipien anzuprangern, darf dies nicht selektiv tun. Ein solcher Universalismus gilt entweder für alle – oder er verliert seine Glaubwürdigkeit. Wo bleibt hier die dringend notwendige Richtigstellung und das Mitgefühl für alle Opfer dieses Konflikts?