KI als medizinische Anwendung

Eines der beim Menschen beliebtesten Hobbys ist die Dementierung des Alters, also die weitere geistige Umnachtung über das hinaus, was man sich als Verblödung in jungen Jahren mühevoll erarbeitet hat. Einer der Gründe ist die geistige Untätigkeit, in die viele im Alter verfallen. Die unterscheidet sich zwar meist nicht von den 50 Jahren vorher, führt aber im Alter schließlich doch zum massiven Verfall der inneren Hirnstrukturen.

Es liegt daher therapeutisch nahe, geistige Tätigkeit im Alter zu fördern. Was nicht ganz einfach ist, da solche Therapien mehr oder wenige individuell ausgelegt werden müssen. Dabei sind die Alten gar nicht so widerspenstig wie manche der Jüngeren unterstellen. Auch die Oma mit 80 lernt fast so schnell wie ein 15-Jähriger, wie sie auf ihrem Handy mit WhatsApp rummacht, wenn sie begriffen hat, dass sie damit auch guten Kontakt mit den Enkeln halten kann (und mit Trudi, Wilma, Hermine und Erika, die im gleichen Alter sind und aus dem gleichen Grund zu WhatsApp gegriffen haben). Andere absolvieren Sprach- der andere Kurse, bei denen man Punkte für Leistungen kassieren kann, und versuchen, sich gegenseitig im Punkteholen zu überbieten. Auch 70+ ist also kein technisches Hindernis für irgendwelche elektronischen Therapien.

Ein therapeutisches Mittel können LLM (also KI) sein, mit denen Themen diskutiert werden. Wie ich schon mehrfach dargestellt habe, können solche Unterhaltungen sehr tiefschürfend sein. Eine KI dürfte durchaus in der Lage sein, sich anbahnende oder bereits vorhandene Defizite zu erkennen und programmatisch und thematisch darauf zu reagieren. Das können Anregungen sein („erzähl doch mal …“), aber auch Widersprüche („die erde ist eine scheibe …“), die die Patienten logisch auflösen müssen. Ein paar Gespräche dieser Art fördern die geistige Tätigkeit und verhindern vorzeitige „Rasten durch Rosten“.

Diese Möglichkeit des Therapieeinsatzes von KI wird derzeit von Psychologen bereits erforscht. Schließlich müssen die KI entsprechend konditioniert werden, um passend auf den Patienten einzugehen, und auch die Nachhaltigkeit solcher Bemühungen ist zu untersuchen. Der Vorteil der KI gegenüber dem Therapeutengespräch:

  • Solche Gespräch könnten häufiger stattfinden als mit Therapeuten, da letztere in der Kapazität beschränkt sind.
  • Ein KI ist im Gegensatz zu menschlichen Gesprächspartner unendlich geduldig und rastet nicht irgendwann aus.

Rechnet sich das? Eine KI verballert mehrere Megawatt für eine Leistung, für die das Gehirn etwa 20 Watt aufwendet. Das Training einer KI ist auch nicht zu unterschätzen, aber eher ein einmalige Entwicklungsaufwand, der sich später stark reduziert. Es bleiben folglich Energie- und Hardwarekosten für das Rechenzentrum, die nicht unerheblich sind (zwar sind LLM auch lokal installierbar: Mindestvoraussetzungen 12 – 24 GB VRAM. Im Vergleich zu den großen Modellen auf den Servern, die bis 160 GB oder noch größer sind, sind sie natürlich nicht nur langsamer, sondern auch intellektuell etwas gehandacapt, kommen also derzeit allenfalls bedingt in Frage).

Auf der anderen Seite sind Demenzkranke ein sehr erheblicher Kostenfaktor in der Gesundheitsversorgung. Überschlagsrechnungen zeigen, dass sich für das Gesundheits- und Pflegesystem bereits erhebliche Einsparungen ergeben, wenn eine solche elektronische Therapie (die es in andere Bereichen längst gibt; eine elektronische Therapie nach Verletzungen kostet weniger als die Hälfte dessen, was ein Physiotherapeut verlangen muss) eine Verzögerung der Demenzerkrankung um 1 bis 2 Jahre bewirkt.