Die neue AfD-Jugendorganisation

Gestern wurde in Gießen eine neue Jugendorganisation der AfD gegründet. Das für mich mit Abstand Erstaunlichste daran:

DIE VERANSTALTUNG FAND STATT !!!

Das ist im „Besten Deutschland aller Zeiten (C)“ nicht nur alles andere als Selbstverständlich, es ist eher ungewöhnlich. Nicht nur dass Vermieter reihenweise Mietverträge kündigen, was in der Regeln spätestens dann passiert, wenn irgendein grüner Clown à la Ronald McDonald vor der Tür steht und androht, dass der nächsten grüne Kindergeburtstag woanders stattfindet, auch die Behörden neigen nach einer seit ca. 2020 bestehenden jahrhunderte alten Tradition eher dazu, die Veranstaltung „wegen Sicherheitsbedenken“ kurzerhand zu verbieten und nicht etwa die Randale. Doch diesmal war es anders herum: der Mietvertrag hatte trotz der üblichen Drohungen Bestand und die Polizei bereitete sich auf die Abschirmung vor.

Ca. 1000 Teilnehmer sollte die Veranstaltung haben, 25.000 (Polizei) bis 50.000 (Veranstalter der Gegendemo) Demonstranten waren in eine Stadt mit ca. 90.000 Einwohnern angereist. Angefeuert u.a. von MdB Heidi Reichinnek, auch als verbale Kreissäge bekannt, die es sich nicht nehmen ließ, trotz der Befürchtungen der Polizei, dass da einiges aus dem Rudel laufen könnte öffentlich zu „einer aktiven Teilnahme an den Protesten“ aufzurufen (was immer sie auch unter „aktiver Teilnahme“ verstehen mag).

Die Bewertungen sind unterschiedlich. Die Polizei spricht davon, dass alles weitgehend friedlich ablief und es nur zu relativ wenigen Übergriffen militanter Demonstranten kam. Bei ca. 6.000 Polizisten 8 verletzte Beamte (abgebrochene Fingernägel inbegriffen) ist in der Tat recht wenig für linke Aufmärsche. AfDler berichten schon eher von massiven Übergriffen (Chrupalla spricht von „bürgerkriegsähnlichen“ Zuständen), was angesichts der ebenfalls seit einigen Jahren von der Polizei gepflegten Strategie, möglichst nicht unbedingt dort zu sein, wo es heiß her geht, nicht ganz von der Hand zu weisen ist, aber in einem gewissen Widerspruch zum Stattfinden der Veranstaltung steht. Gravierender dürfte schon der Vorwurf eines Reportage-Teams von TE sein, nach Aufforderung durch den örtlichen DGB-Vorstand „von einer DGB-Schlägertruppe“ nieder gewalzt worden zu sein. Die Genossen haben es halt nicht gerne, wenn die Gegenseite über sie berichtet, und traditionell ist es auch, konnte ein IG Metall-Sprecher doch schon vor Jahren unkommentiert im NDR in einem Interview verkünden „die sollten auf unsere Argumente hören, sonst werden wir das mit der Faust regeln„.

Gewählt wurde Jean-Pascal Holm, der vom Vorstand vorgeschlagene Wunschkandidat, und zwar ohne Gegenkandidat und ohne große Diskussion. Die setzte erst später und nicht auf dem Gründungsparteitag ein, nachdem er in seiner Rede erklärte

Weder Alice Weidel noch Tino Chrupalla noch sonst jemand im Raum ist ein Knecht Russlands oder sonst eines anderen Landes. … Alle sind deutsche Patrioten, die den Interessen ihres Landes dienen wollten. … „Generation Deutschland“ ist die Stimme der jungen Deutschen, die trotz aller geopolitischen Verwerfungen bereit sind, ihren Dienst fürs Vaterland in Armee und Polizei zu leisten.

Für die einen ein „Gruß des Gesslerhuts“ (keine Putin-Agenten), für die anderen rechter Nationalismus. Womit man wieder sehen kann:

„Was man falsch verstehen kann, wird falsch verstanden. Was man nicht falsch verstehen kann, wird trotzdem falsch verstanden.“

Ob sich die AfD allerdings mit Holm einen Gefallen tut, bleibt abzuwarten. Mit 28 Jahren nun nicht gerade ein Jugendvertreter und mit einem beruflichem Werdegang, wie man ihn auch bei allen anderen Parteien findet: nämlich gar keinem. Parteisoldat ab 17, keine Ausbildung, kein Studium. Die 28 mag man noch begründen können: der Aufbau einer Organisation erfordert vielleicht etwas Erfahrung, die jüngere noch nicht haben. Aber wenn mit der AfD zukünftig das gleiche Personal auf die Republik zukommt, das jetzt schon von den anderen Fraktionen gestellt wird – Kreisssaal, Hörsaal, Plenarsaal, oder etwas verständlicher: erst nichts gelernt, dann nichts dazu gelernt – muss man sich um die Zukunft keine weiteren Gedanken machen, weil es keine gibt.

Zum Abschluss noch ein paar Zitate zur Gegendemo und dem staatskonformen Verhalten, dass allerorts an den Tag gelegt wird:

[Zu Gießen] Straßenterror gegen die AfD in Gießen – und das im Namen von „Nie wieder“. Sie wenden genau die Methoden an, gegen die sie angeblich kämpfen. Und sie glauben, Gewalt sei legitim – weil sie auf der „richtigen Seite“ stehen. Genau wie ihre Urgroßväter.

Früher dachten sie, sie wären genetisch überlegen, heute glauben sie, sie wären moralisch überlegen. Damals wie heute „Herrenmenschen“ („Gutmenschen“) und „Untermenschen“, gegen die alles erlaubt ist. Hochmut (engl. Pride) ist die Todsünde Nummer 1 und kommt vor dem Fall (in die Hölle, den totalen Untergang).

[Anlässlich des drohenden Rauswurfs von AfD-Mitgliedern aus Vereinen] Es ist wieder soweit: 1933 wurden die Clubs auch von den vaterlandlosen Gesellen, Roten und Juden gesäubert. Man handelte zeitgemäß, zeigte Haltung und war stolz, „judenfrei“ zu sein.“