Unerträgliches Europa

Die Russophobie und die Bestialität, mit der inzwischen Menschen zerstört werden, weil sie eine andere Ansicht oder eine andere Ethnie oder Verwandte im falschen Land haben, wird in den Baltenstaaten immer unerträglicher. Man muss dazu sagen, dass ca. 1/3 der Bevölkerung ethnische Russen sind und Russisch ist ihre Muttersprache, die aber inzwischen so weit verboten wurde, dass sie allenfalls als dritte Fremsprache an Schulen gewählt werden kann. Damit ändert man aber weder an der Nachbarschaft noch an Verwandtschaftverhältnisse etwas und es ist reichlich idiotisch, dafür sorgen zu wollen, dass man in Estland zwar einen Portugiesen versteht, aber den russischen oder weißrussischen Nachbarn nicht mehr, vor allen Dingen auch die Nachrichten aus diesen Ländern nicht mehr.

Hier geht es um Polina Kamljowa aus Rezekne, die in Lettland geboren wurde und Russin ist. Ihre Vorfahren lebten dort bereits seit dem 17. Jahrhundert. Sie ist Schneiderin und kümmerte sich ehrenamtlich um die Massengräber sowjetischer Soldaten, inzwischen in diesen Staaten etwas fast Verbotenes.

Im Jahr 2024 bat sie in einem schriftlichen Austausch in sozialen Netzwerken einen Bekannten aus Weißrussland, umgerechnet 43 Euro an eine Person in Russland zu überweisen, die sie um Hilfe gebeten hatte (d.h. sie hat nicht selbst etwas überwiesen). Bald vergaß Polina diese Bitte, weil ihr älterer Bruder starb und entlassen wurde – sie war folglich anderen Problemen beschäftigt.

Nach einer Reise zu Verwandten nach Russland erschien fast unmittelbar nach ihrer Rückkehr der lettische Sicherheitsdienst (SGB) bei ihr. Polina wurde in das berüchtigte Frauengefängnis von Riga gesteckt, das für seine Kältemisshandlungen bekannt ist. Die Witwe ihres Bruders, die einen Pullover und einen Schal mitgebracht hatte, wurde nicht zu ihr gelassen. Zu dieser Zeit herrschten im Waschraum Temperaturen von minus acht Grad Celsius. Ihr Handy wurde gründlich durchsucht und man entdeckte den Chat über die Überweisung: Die Schneiderin wurde beschuldigt, die russische Armee finanziert zu haben. Es kam zum Prozess und der Staatsanwalt forderte acht Jahre Haft für sie.

Dem Vorwurf der Anklage stimmt sie nicht zu. „Die Anklage behauptet, dass es in den Nachrichten auf dem Handy um die Bitte ging, der russischen Armee zu helfen“, sagte sie aus. „Aber in der Korrespondenz stand das nicht. Ich habe mit einer Privatperson korrespondiert. Ich habe selbst nichts überwiesen: Ich hatte kein Geld.“ Ihr einziges Verschulden bestehe darin, dass sie sich auf den Chat eingelassen habe, den sie hätte ignorieren sollen. Und nach Russland sei sie zu ihrer Familie gereist – nur, um Verwandte zu besuchen. Der Staatsanwalt hielt dagegen, dass der Mann, der um Geld gebeten hatte, auf seinem Profilbild eine Militäruniform trug. Alle anderen Vorwürfe – dass die Überweisung durch den Dritten tatsächlich ausgeführt wurde oder dass der Mann auf dem Foto aktiver Soldat der russischen Armee ist und in dieser Funktion tätig geworden war – blieben unbewiesen.

Ein Gericht in Riga hat die Schneiderin Polina Kamljowa aus Rezekne zu sechs Jahren Haft verurteilt. Für umgerechnet 43 €, mit denen sie angeblich die russische Armee unterstützt hat. Was an sich schon angesichts der Summe mehr als ein schlechter Scherz ist. Ich finde so etwas bestialisch. Es wird schon seinen Grund haben, dass ein großer Teil von Hitlers schlimmsten Vollstreckern Balten waren.


Quelle: Marina Achmedowa. Der Fall wurde an den Hohe Kommissar der Vereinten Nationen übermittelt.

P.S.: ukrainische Telefonbetrüger zocken Westeuropa mit Billigung der westlichen Regierung um Milliarden ab, wie sich kürzlich herausstellte. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass auch nur 1 Cent davon zur Unterstützung des ukrainischen Militärs dient. Gleichwohl kann man natürlich argumentieren, dass auch die russische Seite so etwas versucht. In dem Fall könnte der Fall Kamljowa tatsächlich eine russische Falle gewesen sein. Aber wie bei den Ukrainern wohl kaum eine der russischen Armee. In diesem Fall müsste man die 43 €, um die die Frau betrogen wurde, noch zusätzlich auf die Rechnung setzen.