Regelmäßig geistern Ankündigungen der Westeuropäer durch die Medien, man müsse energischer gegen die „Schattenflotte“ vorgehen, die russisches Öl und Gas transportieren. Angeblich alles marode Schiffe, die alleine schon wegen der Gefahr einer Havarie aus dem Gefecht gezogen werden müssten. Ab und zu gibt es spektakuläre Aktionen, bei denen ein Tanker gekapert und beschlagnahmt wird. Wie bei fast allem sieht aber die Realität anders als die Sprüche aus.
Letztlich ist das ganze ein Riesengeschäft, in dem keiner der Akteuer bereit ist, sich durch ein paar durchgeknallte Politheinis die Butter von Brot stehlen zu lassen. Im Gegenteil: das Geschäft wird durch verschiedene Umstände nur um so lukrativer. Wir hatten das hier schon mal analysiert:
Standard ist inzwischen auch ein Hütchenspiel: Schiffe begegnen sich, Transponder werden abgeschaltet und wieder eingeschaltet und in der Zeit haben Schiffe nicht nur Flaggen, Eigner und sonstiges gewechselt, sondern teilweise auch das Öl. Ein leer auslaufender Tanker kommt voll irgendwo an, ein voll ausgelaufener läuft ein Ölterminal an, um sich beladen zu lassen. Frage: wo ist das russische Öl? Und dieser Tricks bedienen sich nicht nur die Exporteure russischen Öls, um die Europäer zu täuschen, sondern auch die Iraner, um die USA zu täuschen, und die USA, um wiederum den Iran zu täuschen. Summiert man über alles, ist inzwischen etwa die Hälfte der Welttankerflotte an dem Spielchen beteiligt und folglich zur Schattenflotte zu zählen.
Zudem ist „Schattenflotte“ kein juristischer Begriff und das Spielchen, dass die Europäer abziehen, nichts anderes als Piraterie. Wieder mit der üblichen Doppelmoral: wenn die Iraner Hormus blockieren, verletzen sie angeblich internationales Seerecht (tun sie nicht, da der Iran der Konvention bezüglich Hormus nicht beigetreten ist und folglich im Verbund mit Oman nur seine eigenen Seerechte vertritt), während entern von Schattenflottenschiffen in internationalen Gewässern von den Sanktionen gedeckt sind (die wiederum nichts mit internationalem Recht zu tun haben, woraus Piraterie folgt).
Entsprechend setzen sich die Europäer mit ihren Piraterieaktionen auch regelmäßig in die Nessel, wobei medial natürlich nur darüber berichtet wird, mit welchem heroischen Einsatz das Schiff gekapert wird, Bilder vom durch die Nesseln verbrannten Arsch aber nirgendwo auftauchen. Deutschland hatte beispielsweise den in deutsche Gewässer getriebenen havarierten Tanker Eventin festgesetzt und beabsichtigte, sich das Öl unter den Nagel zu reißen (sprich: die indischen Eigentümer enteignen). Ein Gericht untersagte dies nach internationalem Seerecht und die Eventin liegt weiterhin auf Reede, vermutlich mit der Folge, dass die Bundesrepublik nach Ende der Gerichtsverfahren auch noch kräftig für Entschädigungszahlungen zur Ader gelassen werden wird.
Genauso medienwirksam kaperten die Franzosen einen Tanker, mussten aber, nachdem Macron seinen Auftritt im Stil eines Goebbels im Fernsehen hinter sich hatte, auch klein bei geben, ebenso die Briten, die einen chinesischen Tanker, der in internationalen Gewässern dem Stop-Befehl der Navy keine Folge leistete, durch Marines stürmen ließen, nach 2 Tagen wieder laufen lassen mussten.
Wie überhaupt der Mut recht schnell nachlässt, sollte ein Schiff der nicht allzu starken russischen Marine in der Nähe sein. In der Ostsee genügt ein russischer Zerstörer vor Kaliningrad, um für ein Stillhalten der Füße zu sorgen, und in der Nordsee und im Kanal machen die mutigen Europäer weite Bögen um Schiffe, die von russischen Fregatten begleitet werden. Und selbest die USA haben es sich verkniffen, einen unter russischer Flagge laufenden Tanker mit Öl für Kuba aufzubringen.
Die Nadelstiche werden natürlich weiter gehen. Schließlich muss man sich selbst und dem hörigen Teil der Bevölkerung zeigen, dass man wer ist. Erfolg wird man damit nicht haben, da die Wirtschaft das längst eingepreist hat und das Recht gegen die Europäer spricht, die sich dadurch nur immer unbeliebter bei Handelspartner machen als etwas zu erreichen.