Es geht nichts über gute Planung!

In unserem Dorf warf die Hauptstraße fällig. Musste saniert werden. Problem dabei: es ist die einzige Straße, die durchs Dorf führt und für LKW (formal) passierbar ist. Also hat man weiträumige Umleitungen ausgeschildert und alle Zufahrtwege gesperrt, mit „Anliefer frei“-Ausnahme, versteht sich. Und mit der Sanierung angefangen. Das war Ende November letzten Jahres.

Schnell stellte sich heraus: erstaunlicherweise lagen in der Straße Rohrleitungen für die Wasser- und Abwasserversorgung. Das kam völlig unerwartet und führt zu zusätzlichem Sanierungsbedarf. Ja, wer hätte auch damit rechnen müssen. Die zunächst auf 4 Wochen geplanten Arbeiten (alles sollte noch vor Weihnachten erlegigt sein) verzögerten sich bis ins Jahr 2026. Und dann kam Väterchen Frost und zögerte alle noch sehr viel weiter heraus.

Väterchen Frost ist inzwischen buchstäblich Schnee von gestern, aber die notwendigen zusätzlichen 14 Tage für die Rohrsanierung sind inzwischen um mehr als das 3-fache überschritten, ohne dass sich an der Baustelle etwas tut. Wobei man ohnehin die billigste Löung gewählt hat: Gehwege und Seitenstreifen zum parken bleiben und nur die Fahrbahn wird neu geteert. Man hätte auch ein wenig umgestalten und den Verkehrsfluss positiv beeinflussen können, aber das war wohl in den Planungsarbeiten nicht mehr drin.

Einheimischen bleibt seit Baubeginn nur der Weg durch die Siedlungen, kleine gepflasterte Straßen mit Bauminseln, um zu schnelles Fahren zu verhindern. Blöderweise ist das Dorf Hauptstadt der ganzen Gemeinde und Standort von Einkaufszentren und einen Gewerbegebiet. Wenn man von der falschen Seite kommt, muss man die offizielle Umleitung fahren, was ca. 18km ausmacht – nur um 500m Baustelle zu umfahren. Oder umgekehrt: vom Gewerbegebiet kommend macht es die gleiche Strecke aus, wenn man in die falsche Richtung weiterliefern muss. Folglich verlassen sich auch die Brummis auf ihr Navi – und das fährt durch die Siedlung.

Eigentlich ist das viel zu eng. Das Sperrschild 6to hat man natürlich an einer Stelle aufgestellt, an der ein großer LKW schon gar nicht mehr wenden kann. Man konnte dann Tieflader beobachten, die 500m im Rückwärtgang wieder auf die große Straße zurück wollten. Aber wo ein Wille ist, ist ein Bordstein auch kein Hindernis. Inzwischen fahren hier auch 40-Tonner in beide Richtungen durch die Siedlung und die Gartenbesitzer werden noch einiges zu tun haben, den Rasen wieder herzustellen. Das 6to-Schild hat man inzwischen nach vorne gestellt, aber umgekehrt haben sich die Brummis dran gewöhnt, durchzukommen, und beachten es nicht weiter.

Zurück zu Väterchen Frost: gepflasterte Straßen, vorher war die Glasfasertruppe durchmarschiert und hatte alles aufgerissen, tiefgefrorener Bode mit Staunässe – inzwischen sehen die Straßen schlimmer aus als die Hauptstraße vor der Sanierung. Längs- und Querrillen von bis zu 10cm Tiefe, wohin man schaut. Grobe Schätzung eines Baufachmanns: die verursachten Schäden summieren sich inzwischen auf das 2 – 3 -fache der Sanierungskosten. Was zu 2 Fragen an die Gemeinde führt:

(a) Hätte man nicht besser planen können? Warum zum Wintereinbruch eine solche Baumaßnahme? „Die Sanierung bezahlt das Land. Und die Gelder kommen eben erst immer sehr spät im Jahr. Und sind terminlich gebunden, d.h. sie verfallen, wenn man dann nicht anfängt.“ Klingt einleuchtend. Allerdings hätte die Gemeinde die Sanierung besser selbst stemmen sollen, wenn man sich die Folgeschäden anschaut. Da sie das Geld aber nicht hat, werden wohl noch 1 – 2 Generationen mit den Folgeschäden leben müssen, was mit Frage 2 zusammen hängt:

(b) Muss das Land, wenn es schon die Sanierung bezahlt, nicht auch für die Kollateralschäden aufkommen? „Im Prinzip ist das richtig. Aber wir als Gemeinde sind nachweispflichtig, wer die Schäden verursacht hat.“ Oder anders ausgedrückt: die Gemeinde hätte Buch führen müssen, welcher LKW mit welcher Achslast durch die Siedlung brettert. Dann gäbe es Entschädigung für die Schäden. Allerdings: hätte sie das versucht, gäbe es Eilentscheidungen der Verwaltungsgerichte bezüglich Datenschutz und alle Daten hätten wieder gelöscht werden müssen.

Im Moment brausen hier weiterhin LKW durch die Nebenstraßen. So lange es trocken bleibt, halten sich weitere Schäden in Grenzen. Ich schätze mal, dass das bis Mitte April so weiter geht. Vielleicht auch länger, wenn die sanierte Straße zwar fertig ist, die Ausschreibung für den Abbau der Sperr- und Umleitungsschilder aber noch läuft …