Der A-Bomben-Exit

Sagen wir es rundheraus: Netanyahu und Trump haben es verkackt. Der Iran ist nicht zusammen gebrochen und setzt sich weiterhin zur Wehr, auch wenn es Experten wie Friedrich Merz genau anders herum sehen. Und es ist nicht abzusehen, dass sich daran etwas ändert, weil die passiv Beteiligten – China, Russland und sogar die Türkei – kein Interesse an einem totalen Chaos haben und den Iran so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig unterstützen.

Ein Exit ist problematisch, da nicht nur US-Kriegsminister Hegseth die Sache inzwischen religiös interpretieren. Ein in den letzten Jahren erschienenes Buch von Hegseth heißt zwar nicht gerade „My Fight“, aber er hält einen Kreuzzug des christlichen Abendlandes gegen den Islam insgesamt für unausweichlich, und einige hochrangige Beamte und Senatoren teilen diese Ansicht. Lediglich J.D.Vance scheint noch eine korrekte Grundstückbegrenzung zu haben, steht aber etwas alleine in der Landschaft.

Noch schlimmer sieht es bei den Israelis aus: für Netanyahu & Co. geht es buchstäblich um Leben und Tod und die Anweisung des Verteidigungsministers Katz an die IDF, im Libanon so vorzugehen wie in Gaza, also alles platt zu machen und dort den Gaza-Genozid fortzusetzen, spricht Bände. Auch hier stellt sich die Frage, ob sich die durchaus vorhandenen moderaten politischen Kräfte durchsetzen können.

Inzwischen frisst sich der Krieg fest. Hilfe durch die NATO-Länder ist nicht zu erwarten (alle, selbst Deutschland, haben abgewunken), die Golfstaaten verhandeln mit dem Iran und zeigen sich zunehmend reserviert, für eine Invasion fehlen Soldaten, Munition und Zeit, im Ostgürtel (Pakistan, Indien, Sri Lanke, Indonesien, etc.) bahnt sich durch LNG-Mangel eine humanitäre Katastrophe an und die Terrorangriffe aus der Luft alleine bringen es anscheinend nicht. Falls die Golfstaaten, denen die Einnahmen wegbrechen, auf die Idee kommen, die US-Anleihen, auf denen sie sitzen, für ihre eigene Refinanzierung zu verwenden, kommen noch ganz andere Probleme auf die USA zu, wo die innenpolitischen Probleme täglich zunehmen. Zu einem Exit, der die Schließung eines Teils der US-Basen und die Außerbetriebnahme Netanyahus beinhalten müsste, um halbwegs erfolgreich zu sein, mag sich Trump bislang nicht entschließen.

Netanyahu wiederum muss die USA um jeden Preis im Spiel halten, und zwar wirklich um jeden Preis. Und hier wird es gefährlich. Eine Reihe von False-Flag-Aktionen wird in Beobachterkreisen bereits diskutiert: bei einer Reihe von Angriffen auf die Golfstaaten weist der Iran die Verantwortung von sich und hat gemeinsame Untersuchungen angeboten, um die genaue Herkunft der Drohnen zu klären, und bei einem Drohnenangriff auf britische Einrichtungen in Zypern haben sowohl britische als auch türkische Analysen ergeben, dass die Drohnen nicht aus dem Iran auf den Weg geschickt worden sind. Allerdings sprechen sich die False-Flag-Optionen herum und es wird zunehmend problematischer, die Schuld dem Iran in die Schuhe zu schieben. Und ausgerechnet hier kommt der gute Donald in seiner flapsigen Art daher und verkündet, die USA seien in der Lage, den Iran auf Dauer unbewohnbar zu machen. Großsprecherei oder Steilvorlage für Netanyahu?

Basteln wir ein Szenario, das zunehmend in verschiedenen Think-Tanks ventiliert wird: der Mossad inszeniert auf dem Boden der USA einen Anschlag mit einer schmutzigen A-Bombe. Die Mittel dazu dürfte er haben. Zufällig finden sich dann in der Nähe völlig unversehrte iranische Pässe und Bekennerschreiben, im Auftrag der Mullahs zu handeln. Damit wäre der Weg frei für einen A-Bombenangriff auf den Iran. Die Lousitania, Pearl Harbour und 9/11 zeigen, dass die US-Regierung durchaus bereit ist, eigene Leute zu opfern, um des Volkes Wut zu erzeugen, und Hegseth & Co. sind von dem Format. Der Angriff würde ohne Reaktion seitens Russlands oder Chinas durchgehen, denn die würden nicht ihre eigenen Städte in einem allgemeinen Schlagabtausch für den Iran riskieren. Die Operation Iran wäre erfolgreich abgeschlossen, im Nachhinein sogar das Lügengewebe um die iranische Bombe bestätigt, das Chaos vor Ort perfekt und eine Supermacht Israel, die nacheinander alle Staaten der Gegend schluckt, nicht mehr unmöglich. Das Szenario wird, so weit verfolgbar, tatsächlich in entsprechenden Kreise in den USA, Russlands und Chinas diskutiert. Und die Intelligenzallergiker in den USA und Israel sind leider von einem Format, genau das umsetzen zu wollen.

Einen Hinderungsgrund gibt es allerdings: der Iran hat zwar keine A-Waffen, aber das Material dazu. Kämen die USA und Israel auf die Idee, den Iran unbewohnbar zu machen, genügen ein paar Drohnen mit schmutzigem Material, um Israel unbewohnbar zu machen. Deren Abschuss in der Luft wäre sogar dabei hilfreich, das Material möglichst weit zu verbreiten. Ob die Strategen das auf dem Schirm haben, lässt sich im Moment nicht sagen.

Spinnen wir das mal weiter: lokale Atomkriege wären damit legalisiert. Sämtliche Vereinbarungen über die Nichtverbreitung von A-Waffen wären von einem Augenblick auf den anderen vom Tisch und Kim Jong Un (nur wer A-Waffen hat, ist noch sicher) glänzend bestätigt. Aber: man muss die Waffen selbst besitzen, ein Schirm durch ein anderes Land genügt nicht, da sich das im Eventualfall wie oben dargestellt zurückhalten würde. Letztlich würden A-Bomben dann wie andere Waffen zu normalen Handelsgütern werden: Russland könnte beispielsweise alte Zeiten wiederholen und A-Bomben an Kuba verkaufen, womit sich Kuba gegen die US-Sanktionen wehren könnte. Das lässt sich fortsetzen: „wir haben zwar nur eine Bombe, aber unsere Doktrin sorgen dafür, dass ihr eine Großstadt weniger habt, wenn ihr uns bedroht“ – und Miami wäre ein Trümmerfeld, würde sich die Präsidentenentführung in Venezuela wiederholen.

Hoffen wir, dass die Entwicklung anders verläuft. Aber im Moment wächst das Chaos noch.