Wenn der Auftragsmörder seine Waffe verliert …

Ereignisse der besonders skurrilen Art findet man besonders leicht an Orten, an denen die USA ihre Finger im Spiel hat. Wenn dann noch israelische Beteiligung dazu kommt, steigt die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse steil an. Auslöser in diesem Fall: die israelischen Staatsterrorismusdoktrin.

Teil 1 und Vorrede, etwas langatmig, aber für das Gesamtverständnis wichtig: Israel nimmt ja mit der Ausrede der Selbstverteidigung für sich in Anspruch, mehr oder weniger weltweit ungestraft Ziele in Ländern angreifen zu dürfen, mit denen es sich nicht formal im Krieg befindet, und zwar auch mit Methoden, die selbst in Kriegszeiten als Kriegsverbrechen gelten können (EU-Staaten als eifrige Förderer Israels eifern dem ja derzeit nach, wenn davon die Rede ist, dass man Russland, wenn es nicht willens ist, ein EU-Land militärisch anzugreifen, auch präventiv zur Verteidigung der Demokratie, der Meinungsfreiheit, der Klimaneutralität und dem ganzen Rest angreifen müsse, zur Not auch atomar).

Angriffe dieser Art erfolgen mehr oder weniger automatisch (die folgende Darstellung basiert auf Informationen aus israelischen Quellen), so dass man noch nicht mal bösen Willen von Menschen unterstellen kann, wenn man selbst bösartig genug ist. Israel verfügt über eine gewichtete Liste seiner Feinde, die nicht nur Hamas und Hisbollah (oder muss das inzwischen „Her&His-Bollah“ heißen?) umfassen. Wie die Wichtung zu Stande kommt, ist nicht so genau bekannt, aber ich vermute hier KI-Einfluss: die KI sammelt Informationen über die Leute, bewertet sie nach anti-israelischem Kontext und berechnet daraus ein Gewicht. Warum KI? Nun, weil der Rest tatsächlich KI ist:

Die laufend gesammelten Informationen werden von einer KI ausgewertet und dahingehend analysiert, ob eine der Personen auf der Feindliste involviert ist. Bei der Masse der Informationen, die heute anfallen und von denen mehr als 99% einfach nur Müll sind, ist klar: das kann nur eine KI mit der entsprechenden Kapazität. Die KI berechnet aus diesen Informationen die Wahrscheinlichkeit, dass Zielperson X sich zur Zeit t (nahe Zukunft) am Ort Y aufhält (mathematisch so was wie w(X|Y,t) ). Aus der Natur des Ortes Y kennt sie auch die militärischen Einsatzoption S , die man anwenden muss, will man an diesem Ort zuschlagen, woraus sich die voraussichtliche Zahl N(Y,S,t) der Kollateralschäden, sprich zivilen Opfer ergibt, wenn man das macht. Ist B(X) die Gefährlichkeitsbewertung des Gegners X , so muss N(Y,S,t) < N(B(X) | not X) bleiben, im Klartext, aus der Gefährlichkeit des Gegners errechnet sich eine Obergrenze der Kollateralschäden, wenn X eliminiert werden kann. Jetzt muss man nur noch w(X|Y,t) mit einbeziehen, und wenn N(Y,S,t) < w(X|Y,t)*N(B(X) | not X) , erteilt die KI die „Empfehlung“ zum Zuschlagen, die der zuständige Militär abzeichnet, will er nicht selbst in Schwierigkeiten kommen. Man muss das wirklich mal so darstellen, damit andere begreifen, wie perfide dieses KI-gestützte System ist. Wobei N(B(X) | not X) erstaunlich hohe Werte erreichen kann. „Kollateralschäden“ in der Größenordnung >100 sind bereits bekannt.

Damit kommen wir zu Teil 2 der Skurrilität: am 24.11.2025 gab die KI mal wieder eine Empfehlung für einen Bombeneinsatz in Beirut, also fernab der israelischen Grenze und damit nur durch einen so genannten „Luftschlag“ realisierbar (was schon deshalb ein skurriles Wortspiel ist, weil ja nicht die Luft, sondern sehr konkrete feste Ziele geschlagen werden). Zum Einsatz kamen US-Hochpräzisionsbomben. Die sind in der Lage, in einem 15-stöckigen Wohnkomplex nicht nur das 24. Klofenster in der 7. Etage präzise zu treffen, sondern auch einer bestimmten Fliege auf der Toilette das linke Auge wegzuschießen. Sicherheitshalber werden die Bomben aber mit einer Sprengstoffmenge ausgestattet, die trotz der Treffsicherheit auch drei weitere Wohnblocks in der näheren Umgebung pulverisieren. Abgeworfen werden sie von Flugzeugen in großer Höhe und sie gleiten dann antriebslos über ca. 100 km zu Ziel, was ja von den russischen FABs hinreichend bekannt ist.

Israel schickte 8 Bomben auf die Reise und 7 davon taten ihre Aufgabe. Doch die achte Bombe, eine GBU-39B Small Diameter Bomb (SDB), ein gehätscheltes Entwicklungsprodukt des US-Konzerns Boeing, hatte andere Pläne. Elegant glitt sie mit ihren ausklappbaren Flügeln antriebslos, aber präzise, mit GPS- und Trägheitsnavigationssystemen versehen, über die Distanz von mehr als 110 Kilometern mit einer garantieren Treffergenauigkeit von einem Meter ins Ziel. Mit ihrem Gewicht von nur 113 Kilo ist sie kompakt genug, um vier Stück im Waffenbug einer F-35 zu verstauen. Sie durchschlägt Beton, minimiert theoretisch Kollateralschäden und ist seit 2006 das Lieblingsspielzeug der US-Luftwaffe. Doch statt auch zu explodieren, landete sie heil in einem Wohnviertel, keine Explosion, kein Krater, intakt wie ein frisch aus der Fabrik gerollter Prototyp. Davon zeugen die Bilder, die sich kurz darauf rasant im Internet verbreiteten. Sie zeigen die Bombe in makellosem Zustand: Die Führungsfinnen, die Flügel und der Rumpf sind unversehrt. Hisbollah-nahe Milizen sicherten den Fund rasch. Womit Teil 3 der skurrilen Ereignisse seinen Fortgang nahm.

In Washington wurde umgehend der Panikmodus aktiviert. Innerhalb von Stunden kontaktierten US-Diplomaten die libanesische Regierung. Die Forderung: Gebt die Bombe zurück! Nicht als Bitte, sondern als dringende Aufforderung, unterstrichen mit Andeutungen wirtschaftlicher Konsequenzen oder diplomatischer Isolation. Laut libanesischen Medien wie Al-Markaziya und Al-Manar (Hisbollah-nah) sowie israelischen Quellen wie Maariv, die anonyme US-Quellen zitieren, dreht sich alles um die Technologie in der Bombe.

Die GBU-39B besitzt ein fortschrittliches Führungssystem – GPS-gestützt, wetterunabhängig, mit Fähigkeit zu Mehrfachangriffen – und ist das Ergebnis von Jahrzehnten US-amerikanischer militärischer Entwicklungen. Wenn China oder Iran das Ding auseinandernehmen und studieren, könnte der Milliarden teure US-Vorsprung verloren gehen. Im Pentagon befürchtet man nicht zu Unrecht, dass Iran seine Fateh-Raketen, die Hisbollah ihre Drohnen und die Huthis im Jemen ihre ballistischen Raketen mit dieser Technologie ausstatten. Oder China knackt das GPS-Spoofing, oder Russland stört die Gleitflugbahn. Ein Albtraum für das Pentagon. Die Ironie dieser Geschichte ist so dick, man könnte sie nicht dicker aufgetragen. Die USA, die Israel mit Waffen überschütten – unter dem Deckmantel der „Selbstverteidigung“ –, fordern nun vom Libanon, dem Opfer des Angriffs, die Rückgabe einer Bombe, die gerade Zivilisten getötet, verwundet und in Panik versetzt hat. „Das Ding ist sensibel. Schickt es uns Ding zurück, sonst …!“ Sensibel, sagt derjenige, der Tausende Tonnen Sprengstoff über den Nahen Osten regnen lässt und dann heult, wenn eine Fehlzündung seine Geheimnisse verrät.

Bislang zeigen sich die Libanesen als alles andere als Lieba-Nesen. Sie schweigen. Und die Hisbollah hat das Ding vermutlich längst nach Teheran gekarrt – der Supergau für die US-Boys. Übrigens alles andere als ein Einzelfall: Die USA haben eine peinliche Tradition, ihre Spielzeuge zu verlieren – und dann in Panik zu verfallen, wenn Rivalen wie China oder andere schnüffeln. Am 24. Januar 2022 kracht eine F-35C Lightning II der US-Stealth-Flugzeugflotte auf das Deck des Flugzeugträger USS Carl Vinson im Südchinesischen Meer. Der Jet rutschte ab und versank in 3.770 Metern Tiefe. Washington rastete aus: Eine Spezialeinheit der 7. Flotte, unterstützt von der Naval Sea Systems Command, charterte das Bergungsschiff Picasso und fischte das Wrack mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug (ROV CURV-21) heraus. Der Grund für die teuren Anstrengungen: China, das das Südchinesische Meer als Pool in seinem Vorgarten beansprucht, hätte das Ding auseinandergenommen; eine Horrorvorstellung in Washington.

Im Jahr 2021 gab es einen weiteren Vorfall, ein Klassiker der US-Spionage-Farce gegen China. Am 1. April kollidierte ein elektronisches Spionageflugzeug der US-Flotte US-Navy vom Typ EP-3E ARIES II mit einem chinesischen J-8-Jäger über dem Südchinesischen Meer vor der chinesischen Insel Hainan. Der chinesische Pilot starb, die EP-3 machte eine Notlandung auf der Insel. Die 24-köpfige US-Crew zerstörte hektisch Festplatten, doch China hielt das Flugzeug elf Tage fest und konnte anscheinend noch viele technologischen Kenntnisse sichern. Laut Wikipedia und ABC News war es ein Coup für Peking: Die Volksrepublik knackte Codes, Intercept-Geräte und Dokumente. Ein EP-3 voller Top-Secret-Hardware, verschenkt durch eine dumme US-Provokation in der Luft.

Die USA pumpen Milliarden in Hightech-Waffen, verschenken oder verkaufen sie an Alliierte und flippen aus, wenn sie verloren gehen. In Beirut ist das besonders absurd, weil der Verlierer – Israel – der Aggressor ist, und das Opfer – der Libanon – das tödliche Instrument der Aggression an den Komplizen des Täters zurückgeben soll.


Der Text dieses Artikels verwendet Teile eines Artikels von Rainer Rupp, der für RT schreibt.