Die Würde des Menschen ist unauffindbar

verkündet das so genannte Grundgesetz in Artikel 1. Und das ist tatsächlich so, weil inzwischen zwei inkompatible Welten aufeinander prallen und eine Seite schon aufgegeben hat.

Würde oder Ehre ist in der alten Gesellschaft etwas, was man sich verdienen muss. „Man muss sich des Amtes als würdig erweisen“ heißt es nicht umsonst. Auch wenn man – man ist ja ein netter Mensch – jedem erst einmal unterstellt, dass er vermutlich würdig und ehrenhaft ist, letztlich kommt derjenige nicht darum herum, auf die anderen zuzugehen und ihnen auf friedlichem und kooperativen Weg zu beweisen, dass er das tatsächlich ist und weiterhin mit der Aufgabe betraut werden kann.

Die neue Gesellschaft, die so genannten Goldstücke, haben eine andere Auffassung davon, da sie aus Tribalgesellschaften kommen. Ehre und Würde ist etwas, was der Clan (und damit jedes Mitglied) von vornherein hat. Man hat sie und muss sich nicht darum bemühen. Allerdings – und hier fängt das Problem zwischen den Gruppen an – kann einem Clanmitglied und damit dem ganzen Clan die Ehre genommen werden. Wenn ein Clanmitglied der Meinung ist, dass die Ehre des Clans angegriffen wird, geht er auf die anderen zu und schlägt ihnen ein Kantholz ins Gesicht oder messert sie. Und da Clans aus mehreren Personen bestehen, prügeln nach einiger Zeit eine ganze Menge Leute aufeinander ein.

Wenn so etwas passiert – jemand bekommt ein Kantholz ins Gesicht oder wird gemessert – steigt die Justiz ein und fragt nach der persönlichen Schuld des Täters. Die Schuld muss nachgewiesen werden, dann wird der Täter (und kein anderer) sanktioniert.

Wenn Clans aufeinander einprügeln, bestellen die nach einiger Zeit einen Friedensrichter (aus dem Clanmilieu). Der interessiert sich allerdings einen Scheißdreck um die persönliche Schuld irgendeines Prügelanten. Seine Aufgabe besteht darin, die Ehre der betroffenen Clans auszugleichen und wieder ins Lot zu bringen. Ob dabei ein paar draufgegangen sind – interessiert nicht. Hauptsache die Ehre ist wieder hergestellt. Gerät ein Clan mit der alten Gesellschaft aneinander, ist das nicht anders, wenn ein Friedensrichter angrufen wird. Der stellt dann fest, dass die Ehre wiederhergestellt ist, der Täter kommt davon und der Verprügelte hat das Nachsehen.

Inzwischen ist es so, dass sich die Staatsjustiz bei den Friedensrichtern anbiedert und „kooperiert“, was nichts anderes heißt, als dass die Gerichte ihre eigene Ehre – für die Bestrafung des Täters zu sorgen – aufgeben (falls sie je eine hatten) und sich dem Friedensrichtertum unterwerfen.

Die Clans halten uns für ehrlos? Recht haben sie!!!