Wie lange reichen die Vorräte von Kohle, Öl, Gas?

Ein Gastbeitrag von Dr. Lutz Niemann

Unser Wohlstand wird durch die Verfügung über ausreichend bezahlbarer Energie gesichert, das hatte ich dargelegt (hier) (hier). Aber die dort gezeigte Übersicht der drei möglichen Energiequellen enthält bei der Reichweite von Kohle, Öl, Gas eine Ungenauigkeit.

Die Quellen Kohle, Öl, Gas reichen nicht einige 100-te Jahre, sie sind viel früher erschöpft. Herr Professor Fritz Vahrenholt sagte das in seinem emotionalen Vortrag auf der EIKE-Tagung 2021 in Gera. Ich bin dankbar für diesen Hinweis und habe die Darstellung korrigiert, aber die Aussage von Prof. Vahrenholt auch nachgeprüft.

Stimmt die Aussage von Prof. Vahrenholt?

Ich habe versucht, die Aussage von Prof. Vahrenholt „reicht bis 2080“ nachzuprüfen und dazu nach Daten gesucht für die Menge des derzeitigen Verbrauchs von Kohle, Öl, Gas und für die Menge der bekannten Ressourcen.

Aus dem Verbrauch von 15 Mrd. t SKE im Jahre 2021 [2], gesicherten Reserven von 1100 Mrd. t SKE [1] folgt bei gleichbleibendem Verbrauch wie in 2021 das Ende von Kohle, Öl, Gas im Jahre 2094.

Aus dem Verbrauch von 16 Mrd. t SKE in 2013 [3], Reserven von 650 (gesichert?) bzw. 1580 Mrd. t SKE [3] folgt bei gleichbleibendem Verbrauch das Ende von Kohle, Öl, Gas im Jahre 2054 bzw. im Jahre 2112.

Aus dem Verbrauch von 16 Mrd. t SKE in 2007 [4], gesicherten Reserven von 1200 Mrd. t SKE [4] folgt bei gleichbleibendem Verbrauch das Ende von Kohle, Öl, Gas im Jahre 2082.

In 1990 betrug der Verbrauch 10 Mrd. t SKE [5], dieser stieg bis 2020 um 65% auf 16,5 Mrd. t SKE an [5]. Es gab also in den letzten Jahren einen rasanten Anstieg im Verbrauch der fossilen Energien, sie brachten vielen Menschen Wohlstand. Heute machen Kohle, Öl, Gas vom gesamten Energieverbrauch etwa einen Anteil von 80% aus. Bisher wurden den globalen Vorräten von Kohle, Öl, Gas500 Mrd. t SKE entnommen [4].

Wieviel Kohle, ÖL, Gas gibt es auf der Erde?

Das ist eine schwierige Frage, nicht alle Reserven sind schon entdeckt. Nützlich ist es, dazu in die Entwicklungsgeschichte der Erde über Milliarden Jahre schauen.

Bei der glutflüssigen Erdoberfläche vor mehr als 4 Mrd. Jahren konnte noch kein Sauerstoff in der Atmosphäre vorhanden gewesen sein, er war in Form von Carbonaten, Silikaten, Sulfaten… im Gestein gespeichert. Erst später konnte er über die Photosynthese in die Atmosphäre gelangt sein. Dazu wird CO2 aus der Luft benötigt, es werden Kohlenstoffverbindungen gebildet. Nimmt man an, daß nur die Photosynthese zum Sauerstoff in der Luft unter Bildung von Kohlenstoffverbindungen geführt hat, so errechnet sich aus der Menge des Luftsauerstoffes die Menge des in Kohlenstoffverbindungen überführten Kohlenstoffes zu etwa 400 000 Mrd. t SKE [6]. Wo hält sich diese in den Milliarden Jahren der Erdgeschichte gebildete gigantische Menge des Kohlenstoffes versteckt??? In [6] wird der in Kohle, Öl, Gas gebundene Kohlenstoffvorrat mit 5000 Mrd. t SKE angegeben, was bei heutigem Verbrauch eine Reichweite von 300 Jahren bedeutet.

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Die Vorräte von Kohle, Öl, Gas sind begrenzt. Sie haben sich in vielen Millionen Jahren in der Erdkruste angesammelt. Heute wird in einem Jahr so viel davon verbraucht, wie in einer Million Jahre gesammelt worden ist [4].
  • Kohle, Öl, Gaskönnten (Konjunktiv!) in etwa 60 Jahren erschöpft sein, das ist um ca. 2080 der Fall. Dieses Jahr liegt nicht in weiter Ferne, unsere Enkel werden es erleben.
  • Es ist nicht zu erwarten, daß die Menschen freiwillig auf Energie und damit auf Wohlstand verzichten werden — eine Ausnahme (das ist Deutschland) bestätigt die Regel.
  • Häufig werden die noch nicht entdeckten Quellen von Kohle, Öl, Gasmit dem Zehnfachen der bekannten Reserven beziffert [1] [4]. Das ist unrealistisch, denn große Quellen werden kaum noch neu entdeckt [7].
  • Mit Kohle, Öl, Gassollte man sparsam umgehen, denn zu deren stofflicher Nutzung in Kunststoffen gibt es keine Alternative.
  • Kohle, Öl, Gassind für die Verbrennung zu kostbar, denn heizen kann man mit Kernenergiestrom, wie es in Frankreich gemacht wird.
  • In der Landwirtschaft wird heute der Dieselmotor benutzt, früher zu meiner Jugendzeit vor 80 Jahren war es der Hafermotor. Und der Hafermotor braucht zu seinem Betrieb die Hälfte der erzeugten Lebensmittel. Ohne Dieselkraftstoff ist die heutige Menschheit nicht zu ernähren. Mit kleinen Kernreaktoren, die man vielleicht bauen könnte, kann man keine Traktoren betreiben, denn man müsste sie wegen der Strahlung mit einer 100-te Tonnen wiegenden Abschirmung versehen.
  • Die heute von Politik und Medien verbreiteten alternativen Ideen wie e-fuels und grüner Wasserstoff wurden in einer Märchenstunde erdacht.
  • Es ist sinnlos, auf die Kernfusion als Energiequelle zu hoffen.

Kernspaltungsenergie ist eine der großartigsten Erfindungen der Menschheit“, denn sie kann die Menschheit beliebig lange mit Strom in der Grundlast und Wärme im Winter versorgen. Deutschland ist mit der Energiewende der Geisterfahrer, alle anderen Staaten der Welt haben das begriffen, viele steigen in die Kernkraft ein.

Irgendwann werden Kohle, Öl, Gas nicht mehr den steigenden Energiebedarf der Menschheit decken können. Dann werden die Kohleländer, Ölländer, Erdgasländer ihre Schätze an den Meistbietenden verkaufen —- oder es werden militärische Mittel eingesetzt, um mit Hilfe von Kohle, Öl, Gas die notwendigen Lebensmittel, Strom, Wärme im Winter, Stahl, Nicht-Eisen-Werkstoffe, Kunststoffe… erzeugen zu können. Sparsamkeit beim Umgang mit Kohle, Öl, Gas ist aus diesen Gründen das Gebot der heutigen Zeit, nicht jedoch die Hysterie um das Weltklima.

  Hinweise
 [1] Klaus Heinloth, „Die Energiefrage“, ISBN 3-528-13106-3, 2. Aufl. 2003, Seite 477
 [2] BP Statistical Review of World Energy June 2022, Darstellung von Rolf Schuster
 [3] Prof. Manfred Mach, Vortrag in Hannover 2022, fossile Reserven lt. IPCC
 [4] Christoph Buchal, „Energie“, 1. Auflage 2007, ISBN 978-3-89336-503-6
 [5] Daniel Wetzel, DIE WELT vom 28.10.2022 auf Seite 10
 [6] Christoph Buchal, Christian-Dietrich Schönwiese, „Klima“, 2010, ISBN 978-3-89336-589-0
 [7] Lutz Peters, „Energiewende gescheitert“, 2022, ISBN 978-3-907347-04-1
 
 

Zu dem Thema auch einige Anmerkungen der Redaktion:

Prognosen sind unsicher, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen. Wie lange ein Rohstoff noch reicht, hängt nicht nur vom Verbrauch ab, sondern auch von den Bedingungen, unter denen man eine Förderung ins Auge fasst. Bei Öl und Gas kann man sich beispielsweise auf die klassischen Lagerstätten konzentrieren, das Fracking hinzunehmen, das gewisse Umweltprobleme mit sich bringt, wenn auch nicht so große, wie die Grünen immer behaupten, und schließlich auch Ölschiefervorkommen ausbeuten, was noch größere Löcher im Boden bedeutet als man sie heute schon kennt. Auf was wird man zugreifen? Im Zweifelsfall auf alles, wie man den Menschen einschätzen kann.

Kohle ist der einzige Rohstoff, der tatsächlich gesichert fossiler Herkunft ist. Was an Steinkohle oder Braunkohle abgebaut wird, ist weg. Aber wie groß sind die Reserven? Auch da stellt sich die Frage nach dem Aufwand: die Kohleflöze im Ruhrgebiet sind weitgehend ausgekohlt, aber nicht ganz und der weitere Abbau lohnt (derzeit) nicht. Gleiches gilt für die englischen Flöze. Geologisch setzen sich die NRW-Flöze, ausgebeutet bis ins Münsterland, aber in größeren Tiefen bis zu den englischen Flözen fort. Lohnt sich in einiger Zukunft, auch diese Lagerstätten mit anderen Techniken zu erschließen? Für Energiegewinnung sicher nicht, als Rohstoff vielleicht. Vielleicht kommt man aber auch mit Holzkohle aus.

Öl und Gas werden mit einiger Sicherheit im oberen Erdmantel erzeugt. Absackender Meeresboden, der neben allen möglichen kohlenstoffhaltigen Stoffen (auch Carbonate) auch biologisch erzeugtes Methanhydrat enthält (auch dessen Ausbeutung wurde schon einmal diskutiert), gerät dort unter Druck- und Temperaturverhältnisse, die labormäßig außerhalb der experimentellen Reichweite liegen. Was dabei produziert wird? Das kann man nur vermuten, aber Öl und Gas sind sicher auch dabei und die Frage, die sich stellt: wie schnell werden Lagerstätten dadurch wieder angefüllt?

Der zunehmende CO2-Gehalt der Atmosphäre führt – nein, nicht zu einer Temperaturkatastrophe, sondern zu einer stark steigenden Produktion an Biomasse, auch in Gegenden, wo vorher nichts wuchs. Könnte auch das ein Rohstoff der Zukunft sein, mit dem man rechnen kann?

Letztlich kann man wohl mit Niemann sagen, dass die Nutzung der inzwischen technisch sauberen, nachhaltigen und nach heutiger Kenntnis ressourcenmäßig nicht begrenzten Kernenergie als Mädchen-für-alles-Primärenergie die sinnvollste Vorgehensweise ist. Die Verwendung von Kohle, Öl und Gas als Rohstoffe dürften dann noch für lange Zeit vom Gespenst des Verbrauchs des letzten Krümels verschont bleiben, auch wenn im Verkehr (vorläufig) weiterhin auf Diesel und Kerosin anstatt auf Technik gesetzt wird, die in der Praxis einfach nur als Unfug bezeichnet werden kann.

Das wirkliche Problem besteht wohl darin, dass zumindest in der Gruppe der so genannten „westlichen Industriestaaten“ nicht in diese Richtung gedacht und investiert wird, sondern aufgrund völlig irrer Ideologien der Verbrauch der wertvollen Ressourcen unnötigerweise immer weiter angeheizt wird. Beim Wechsel vom russischen Erdgas zu LNG wird beispielsweise der vermeintliche positive Effekt bei der Nutzung von Gas gegenüber Kohle vollständig aufgefressen und der neueste Hype „Wasserstofftechnologie“ als Ölersatz kommt mit Gesamtwirkungsgraden von unter 10% daher, mal abgesehen davon, ob es wirklich ratsam ist, sich auf Straßen zu bewegen, auf denen die Fahrzeuge mit vollen Wasserstoff- oder Ammionaktanks herumbrausen.