Wann gehst du Kacken?

Neben den großen Themen sollte man sich ab und zu auch einmal den kleineren widmen, die klammheimlich durch die Hintertür kommen. Ab 2020 soll die innerste Privatsphäre jedes Bürgers bis ins Detail ausgekundschaftet werden, und wie üblich soll er sogar die Kosten dafür übernehmen.

Das Stichwort heißt „Smart-Meter“. Und natürlich wird wieder einmal die EU vorgeschoben, damit alles heimlich abläuft und die deutschen Politiker sich nicht öffentlich die Finger schmutzig machen müssen.Oder besser mussten, denn im Prinzip ist bereits alles gelaufen, ohne dass das jemand mitbekommen hätte. Die ersten Spionagegeräte wurden bereits 2017 installiert, und ab 2020 ist jeder private Haushalt dran.

Smart-Meter messen den Stromverbrauch im Haushalt, hochexakt und sekundengenau. Und sie übertragen die Daten an die Versorger (und natürlich im Weiteren auch an jeden, den es interessiert). Begründet wird die Spionage durch eine bessere Netzsteuerung, wenn der Versorger mehr Daten besitzt – was natürlich Quark ist, denn an den Verbrauchsgewohnheiten wird sich nicht viel ändern, zumindest zunächst nicht.

Durch genaue Messungen – die Messgeräte messen weiterhin den Gesamtverbrauch – lassen sich statistisch Verbrauchergruppen erkennen. Kühlgeräte schalten sich periodisch ein, Waschmaschinen und ähnliches eher azyklisch, der Fernseher läuft durch usw. Die Messungen sind äußerst präzise: noch eine alte 60W-Glühbirne im Bad? Leicht erkennbar, und der Versorger weiß, wann die Familienmitglieder Kacken gehen und wie lange jeder so im Schnitt auf dem Thron verbringt. DAS IST KEIN SCHERZ!

Auch kein Scherz ist, das feststellbar ist, welche Fernsehprogramme man sich anschaut. Monitore haben bei bewegten Bildsequenzen mit starken Kontrastunterschieden unterschiedlichen Verbrauch, die Audiolautstärke variiert ebenfalls. Dabei handelt es sich zwar nur um winzige Beträge verglichen mit den 2,3 kW, die eine Waschmaschine zieht, aber sie sind groß genug, um sich im Messwertrauschen statistisch bemerk- und auswertbar zu machen.

Wann sind die Wohnungseigentümer zu Hause? Das ist nicht nur interessant, um die Wohnungseinrichtung zu entfernen, sondern auch im umgekehrten Sinn: wann haben sie Besuch, und wohnen überhaupt so viele Leute dort, wie angemeldet sind? Alles statistische filterbar. Solche Daten sind einfacher zu erhalten und auszuwerten als das Belauschen von Telefonverbindungen oder Email, aber fast noch aussagekräftiger. Einige dieser Technikern werden in meinen Büchern analysiert.

Danach wird es natürlich weiter gehen. Der Versorger „hat festgestellt, dass sich in Ihrem Haushalt Einsparpotentiale ergeben haben“, und schlägt Ihnen einen neuen Kühlschrank, eine Waschmaschine oder weitere Geräte vor, natürlich ebenfalls mit smarter Technik ausgestattet, so dass die Geräte vom EVU fernbedient werden („wir schalten die Waschmaschine ein, wenn der Strompreis besonders günstig ist“). Die Geräte dürften aber wesentlich mehr können, denn Sensoren sind heute kein Preistreiber mehr. Der Autositz, der warnt, wenn man nicht angeschnallt ist, registriert nicht nur, ob jemand auf dem Sitz sitzt, er kann problemlos auch das Gewicht feststellen und weiß, WER auf dem Sitz sitzt. Die Autohersteller werden das natürlich vehement bestreiten, aber bekanntlich ist deren Software nicht OpenSource (sondern eher OpenScrap). Was kann dann der Kühlschrank zusätzlich? Weiß er, was (vermutlich) in ihm gelagert ist? Die Chancen stehen gut. Und kann sich die Waschmaschine mit anderen Geräten vernetzen, um schließlich über Daten zu verfügen und über das Stromnetz übertragen zu können, die dort nicht hingehören? Auch diese Chancen stehen gut.

Ein hypothetisches Beispiel, wie weit diese Kontrolle gehen kann: während ich vor meinem PC sitze und diesen Artikel eintippe, registriert die „intelligente Stereoanlage“ über die Sprachsteuerung das Klappern der Tastatur. Die klappert anders, wenn statt meiner meine vorgesetzte Dienststelle, die beste Ehefrau von allen, auf die Tasten haut, und die klappert auch anders, wenn man emotional aufgeladen einen Blogbeitrag verfasst, seine Steuererklärung zusammenlügt oder ein Gedicht komponiert. Hypothetisches Beispiel, so weit es die Praxis betrifft (hoffentlich). Im Labor ist das alles schon Realität. Ausprobiert, durchgemessen und Algorithmen programmiert und schon mal in die Datenbank gestellt.

Es gibt weitere solche Quellen, die den emotionalen Zustand analysieren können, ohne dass damit große Probleme verbunden sind. Die Analysen sind einfach, die Daten ebenfalls, und nur die Masse macht’s. Komplexe Analysen wie Sprachinterpretation sind gar nicht notwendig. Und so teilt der Smart-Meter als eines der  zentrales Datenrelais im Haushalt dem Propaganda-Minister wichtige Informationen über die emotionale Reaktion der Familie auf äußere Ergeignisse mit. Im Detail sicher mit einer größeren Unsicherheit versehen, aber über viele Haushalte gemittelt doch recht sicher, und über längere Zeiträume ausgewertet auch für die einzelne Familie sehr charakteristisch.

Die Politik streut dem Bürger gerne Sand ins Auge bezüglich der Datenkraken Google, Facebook, Twitter & Co., und so ganz Unrecht hat sie natürlich damit nicht. Natürlich steuern auch diese Teilnehmer auf dem Spielfeld, was der Einzelne zu sehen bekommt, aber hier hat man zumindest noch eigene Steuermöglichkeiten, was man offenlegt und wie man mit Informationen umgeht. Google konkurriert mit Facebook, Amazon, Aladdin und anderen, was das Spielfeld offen hält. Bei diesen sehr persönlichen Informationen gibt es aber nur einen Kunden, der mehr als unehrlich spielt: der Staat. Der eigentliche Feind der Freiheit sitzt inzwischen in Berlin und Brüssel, und wir wehren uns immer weniger dagegen.

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