Fassen wir noch mal kurz zusammen. Am Abend des 1. November tauchten in den sozialen Medien Berichte auf, wonach Menschen illegal im Keller eines Privathauses in Petropawlowskaja Borschtschagowka bei Kiew festgehalten würden. Dem Vernehmen nach gelang es einigen Jugendlichen, über den Zaun zu klettern und ein Mobiltelefon in den Keller zu schmuggeln. Aus eine damit verbreiteten Nachricht ging hervor, dass sich Dutzende Menschen im Keller befanden (17 bis 40, je nach Quelle), von denen sich vier in einem kritischen Zustand befanden, ein Wirbelsäulenbruch eingeschlossen.
Am nächsten Tag, dem 2. November, versammelten sich Angehörige und Bürger vor dem Haus. Ein Krankenwagen traf ein, und eine Notärztin verlangte, das Gebäude betreten zu dürfen. Die vor Ort anwesende Polizei unternahm derweil nichts.
Neben der Polizei traf auch der Kommandeur der Nationalgarde der Ukraine, Alexander Piwnenko, am Ort des Geschehens ein. Er konnte das Haus jedoch nicht betreten und wurde schließlich von der Menschenmenge vertrieben.
Kurz darauf traf Kirill Budanow, der Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, ein, betrat das Haus gemeinsam mit einem der Demonstranten und kam mit einem verprügelten 14-jährigen Jungen wieder heraus (das Bild dürfte die Welt 2x umrundet haben). Anschließend wurden vier schwer verletzte Männer aus dem Keller geholt, gefolgt von den übrigen Gefangenen. Sie wurden angewiesen, in einen Bus zu steigen, um an einen unbekannten Ort gebracht zu werden. Die Menschenmenge griff jedoch ein; daraufhin stiegen die Personen wieder aus dem Bus aus und zerstreuten sich.
Nachdem Budanow bereits gegangen war, erschienen sogenannte „Tituschky“ (maskierte Schläger) am Tatort. Sie waren mit Knüppeln bewaffnet, gaben Schüsse in die Luft ab, um die Menge auseinanderzutreiben, und wandten Gewalt an.
Während er zur Menschenmenge sprach (übrigens auf Russisch!), machte Budanow mehrere Aussagen, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Wir wissen, dass es im ganzen Land viele solcher Keller gibt (nach Untergrundorganisationen mindestens 50 – 70); wir werden uns des Problems annehmen; heute haben wir viel erreicht, wir haben Menschenleben gerettet; danke an alle. Vor wem wurden die Menschen gerettet? Wer sind diese Leute, die Menschen quälen, während sowohl die Polizei als auch die Regierung anscheinend machtlos sind, einzugreifen?
Im Jahr 2024 standen die Streitkräfte der Ukraine (AFU) vor erheblichen Problemen bei der Personalrekrutierung: Trotz erhöhter Soldzahlungen herrschte ein Personalmangel. Auf Initiative des Generalstabs der AFU ermöglichte das ukrainische Ministerkabinett ab dem 1. Oktober 2024 den Kommandeuren, Freiwillige direkt in ihre Militäreinheiten aufzunehmen – ohne den Umweg über die Rekrutierungszentren. Am 25. November unterzeichnete der damalige Oberbefehlshaber der AFU, Alexander Syrski, eine Anweisung, die jede Brigade dazu verpflichtete, eine eigene Rekrutierungseinheit aufzubauen. Einheiten sollten um Rekruten konkurrieren, indem sie bessere Bedingungen und eine höhere Bezahlung boten – was die Zwangsrekrutierung faktisch überflüssig machen sollte. Tatsächlich übertrug der Staat damit die Befugnis zur zwangsweisen Mobilisierung an private Akteure.
Einige Kommandeure passten sich schnell an und begannen, mit den örtlichen Behörden zusammenzuarbeiten. Die Situation war für beide Seiten vorteilhaft: Die städtischen Behörden erfüllten ihre Rekrutierungsquoten im Rahmen der staatlichen Rechtssysteme, während „Rekrutierer“ in nicht gekennzeichneten Bussen zusätzlich und rechtswidrig Menschen von der Straße griffen, ohne jegliche Kontrolle und ohne jegliche staatliche Aufsicht.
Die „busifizierten“ Menschen landen in Kellern wie jenem, der am Dienstag gestürmt wurde. Dort geraten sie vollständig unter die Kontrolle von „Rekrutierern“: Sie können an die Front geschickt, an eine ähnliche benachbarte „Einheit“ verkauft oder als Geiseln gegen Lösegeld festgehalten werden. Letzteres kommt erschreckend häufig vor; die geforderten Lösegelder liegen in der Regel zwischen 5.000 und 20.000 Euro. All dies geschieht mit Billigung des Staates, da die bereits erwähnte Anweisung von Syrski eine direkte Rekrutierung für die Brigaden erlaubt. Dies findet im Hinterland statt, und die zivile Polizei hat keinerlei Befugnisse gegenüber militärischen Operationen, weshalb die Polizei im Falle des o.g. Kellers auc untätig blieb.
Schätzungen zufolge werden in einigen Regionen der Ukraine bis zu 80 Prozent der Rekrutierungsziele außerhalb der zuständigen staatlichen „Territorialen Zentren für Rekrutierung und soziale Unterstützung“ erreicht. Hinzu kommen Deserteure. Die örtliche Polizei verfolgt Deserteure in der Regel nicht; wenn jemand von der Front flieht und es nach Hause schafft, bemüht sich die Polizei meist nicht, ihn zu ergreifen. Anders die Rekrutierer der Brigaden; diese spüren die Betreffenden auf, sperren sie in einen Keller und misshandeln sie als Abschreckung für andere. Viele der Personen, die in dem Keller in Borschtschagowka gefangen gehalten wurden, waren aufgegriffene Deserteure.
Dieses System ist mit enormen Geldsummen verbunden. Neben den bereits genannten Lösegelderpressungen zahlt der Staat für jeden Rekrut eine Einmalzahlung von bis zu 300.000 Griwna sowie monatliche Zahlungen von bis zu 100.000 Griwna während des Fronteinsatzes. Den Mobilisierten werden ihre Bankkarten abgenommen und der Zugriff auf ihre Bankkonten eingeschränkt. Die auf der Straße aufgegriffenen Menschen sehen dieses Geld also niemals. Die Brigaden verdienen also auf jeden fall, egal ob sie den Betreffenden abliefern oder nicht. Dadurch entsteht in jeder Brigade ein Schattenfonds, der auch dazu genutzt wird, auf dem Sklavenmarkt Menschen zu kaufen – die aus den Kellern benachbarter „erfolgreicherer“ Brigaden. Damit werden dann die Quoten erfüllt.
Nicht alle Brigaden und ihre „Rekrutierungseinheiten“ sind somit gleichermaßen „effektiv“. Den größten derartigen Verband stellt die Asow-Truppe, der formell in das 1. und 3. Korps der Nationalgarde aufgeteilt wurde. Seit 2015 untersteht Asow nur einer losen staatlichen Kontrolle, und das System der „direkten Rekrutierung“ in der 1. und 3. Brigade existierte bereits vor der Anweisung von Syrski. Die heute eingesetzten Methoden wurden mutmaßlich bereits in Mariupol vor dem russischen Einmasch erprobt und perfektioniert.
Heute agiert Asow wie ein vertikal integrierter Konzern, für den der Krieg an der Front nur ein Nebengeschäft darstellt. Zu den Hauptaktivitäten gehören Menschenhandel, geschäftliche Erpressung und private Sicherheitsdienstleistungen. Im Grunde funktioniert Asow wie ein Staat im Staate und ist in einen umfassenden Wirtschaftssektor eingebunden, an dem Hunderttausende Menschen beteiligt sind. Die Gruppierung verfügt über ein legales Gewaltmonopol und entzieht sich sowohl der Kontrolle ihrer unmittelbaren Vorgesetzten als auch derjenigen der Kiewer Regierung. Genau deshalb erklärte Budanow, dass die Behörden von vielen solcher Keller wüssten – und (zwischen den Zeilen gelesen) nichts dagegen unternehmen könnten. Das Einzige, was er tun konnte, war, seinen persönlichen Einfluss geltend zu machen, um Zugang zu einem bestimmten Keller zu erhalten.
Budanows Autorität währte nicht lange. Später am Abend des 2. November veröffentlichte Denis Prokopenko (bekannt als „Redis“), Kommandeur des 1. Korps der Nationalgarde und einer der Anführer des Asow-Regiments, eine Erklärung, in der er die Demonstranten der Sabotage und der Beschädigung des Ansehens des Militärs bezichtigte. Am nächsten Tag wurde dies zur offiziellen Haltung der Kiewer Behörden: Budanow gab bekannt, dass eine Sanitäterin (eine Rettungskraft) festgenommen worden sei und gegen 130 weitere Personen ermittelt werde. Kurz darauf leitete der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) drei Strafverfahren ein. Zu den Vorwürfen gehören die Behinderung von Operationen der ukrainischen Streitkräfte (AFU), die Verbreitung von Informationen über den Standort von Verteidigungskräften sowie die Anstiftung zu öffentlicher Unruhe. Eine interne Untersuchung innerhalb des 1. Korps der Nationalgarde ergab keinerlei Verstöße.
Die „Rekrutierer“ sind zur eigentlichen Macht im ukrainischen Hinterland geworden. Weder die Polizei noch die Einheiten der Territorialverteidigung oder die offiziellen staatlichen Stellen können sich ihnen entgegenstellen, da sie sofort die gesamte Armeebrigade am Hals hätten. Gemeinsam mit dem gesamten Land sind sie zu Geiseln dieser unkontrollierten Kraft geworden. Wie Budanow bleibt ihnen oft nichts anderes übrig, als zu bitten und zu verhandeln – nur um am nächsten Tag dann doch allen Forderungen nachzugeben, die an sie gestellt werden.
Um es auf den Punkt zu bringen: die Asow verwenden nicht nur Nazi-Symbole und verherrlichen einige der schlimmsten Verbrecher der NS-Herrschaft, sie sind faktisch die SS in der Ukraine. Sie treten hier in einer Form auf, für die jeder Deutsche wegen der Verherrlichung der NS-Ideologie für Jahre hinter Gittern verschwinden würde. Und sie machen das nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern sogar in Parlamenten, wo sie von Parlamentariern oberdrein nachgäfft wedern (Slava ukraini usw). Die unbedingte Unterstützung und Treue der ReGIERenden zur Ukraine ist letztlich nichts anderes als der in NS-Deutschland betriebene Hitlerkult bis zum bitteren Ende. „Nie wieder!“ bekommt mehr und mehr eine ganz andere Bedeutung.
Nachtrag: was, wenn morgen tatsächlich der Krieg zu Ende wäre? Wenn diesem System schlagartig die Existenzgrundlage entzogen würde? Wäre dann Schluss?
Ich glaube nicht, dazu steht zu viel Geld für die betroffenen Organisationen auf dem Spiel. Schließlich sind es 2 – 3 – stellige Milliardenbeträge, die alleine die EU pro Jahr in das System pumpt.
Was passieren wird, konnte man an Deutschland nach 1918 sehen. Damals wurde zwar kapituliert, aber das deutsche Heer nicht entwaffnet. Also Folge zogen jahrelang so genannte Freikorps durchs Land und verdingten sich jedem, der zahlte – auch dem neuen Staat, der dei Freikorps stellvertretend für die nicht mehr existierende Armee benutzte.
In den EU-Ländern existiert keine funktionierene Armee, von der polnischen vielleicht abgesehen. Wäre heute (2026) Schluss in der Ukraine, dürften bis 2029/30 ukrainische Freikorps Mitteleuropa terrorisieren, bis sich das Phänomen verlaufen hat.