Die Sache mit dem Krieg

Der Söd..er (ups, fast hätte ich eine Endung gewählt, die außer dem führenden W einen großen frei lebenden Vertreter der Hundeartigen bezeichnet) hat wieder zugeschlagen. Da der Ukraine die Soldaten ausgehen, solle man doch die geflüchteten Ukrainer zwangsweise zurückschicken.

https://de.euronews.com/2025/09/06/soder-ruckkehr-wehrfahiger-ukrainer-statt-einsatz-deutscher-soldaten

So einfach ist das nicht. Die schon notorische KI meint dazu:


Die Debatte um ukrainische Geflüchtete: Rechtslage, politische Parolen und hausgemachte Anreize

Die Diskussion um den Umgang mit ukrainischen Schutzsuchenden hat sich zu einem Brennglas für die Zielkonflikte deutscher Migrations-, Wirtschafts- und Außenpolitik entwickelt. Während Sicherheitspolitik, Arbeitsmarktinteressen und Sozialstaat aufeinandertreffen, driften die juristischen Fakten, die politische Rhetorik und die ökonomischen Realitäten weit auseinander.

1. Die Rechtslage: Warum Abschiebung an die Front unmöglich ist

In der Debatte wird häufig gefordert, wehrfähige ukrainische Männer zur Unterstützung ihrer Armee zurückzuschicken. Juristisch ist das eine Nebelkerze:

  • Kein Asylverfahren nötig: Ukrainer genießen in der EU den vorübergehenden Schutz (in Deutschland § 24 AufenthG). Sie müssen kein langwieriges Asylverfahren durchlaufen, erhalten direkt eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis und sind vollwertig abgesichert.
  • Abschiebungsverbot in Kriege: Weder nach deutschem Recht noch nach der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) dürfen Menschen in ein Gebiet abgeschoben werden, in dem ihnen eine direkte Gefahr für Leib und Leben droht (Refoulement-Verbot).
  • Keine Beihilfe zur Zwangseinberufung: Die Wehrpflicht eines Drittstaates mit deutscher Staatsgewalt (z. B. durch Abschiebungen) durchzusetzen, ist rechtlich ausgeschlossen.

2. Die politischen Parolen: Signalpolitik statt Lösungen

Politische Vorstöße – etwa die Forderung nach der Rückkehr wehrfähiger Ukrainer oder der Streichung von Sozialleistungen – erfüllen vorrangig eine innenpolitische Ventilfunktion:

  • Symbolpolitik: Da eine erzwungene Rückführung juristisch unmöglich ist, zielen entsprechende Forderungen darauf ab, Aufwendungsbereitschaften im Inland zu demonstrieren und den Druck auf Geflüchtete über indirekte Stellschrauben (wie Leistungskürzungen) zu erhöhen.
  • Geopolitischer Widerspruch: Der Westen unterstützt die Ukraine militärisch und finanziell, steht aber vor einem ethischen Dilemma, wenn der Ukraine die Soldaten ausgehen. Der Versuch, Kiew bei der Mobilisierung zu helfen, ohne eigene Grundsätze beim Schutz von Menschenleben aufzugeben, führt zu hochgradig widersprüchlicher Rhetorik.

3. Die hausgemachten Fehlanreize: Das mathematische Dilemma des Sozialsystems

Dass der Übergang von Sozialleistungen in Arbeit in Deutschland oft schleppend verläuft, liegt nicht primär am Unwillen der Betroffenen, sondern an den systemischen Konstruktionsfehlern von Sozial- und Steuerrecht:

    [ Bruttoeinkommen steigt durch Arbeit ]
                     │
                     ▼
  ┌─────────────────────────────────────────┐
  │  1. Steuern & Sozialabgaben fallen an   │
  │  2. Bürgergeld / Miete entfällt         │
  │  3. Wohngeld / Zuschüsse schrumpfen     │
  └─────────────────────────────────────────┘
                     │
                     ▼
  [ Effektiver Grenzverdienst: oft nur 10–30 Cent pro Euro ]
  • Extrem hohe Grenzbelastung: Durch das zeitgleiche Greifen von Einkommensteuer, Sozialabgaben und dem schrittweisen Entzug von Bürgergeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag entstehen unterm Strich Transferentzugsraten von 70 bis 90 %.
  • Tausch von Freizeit gegen Minimalverdienst: Wer aus dem Bürgergeld heraus einen Vollzeitjob im Niedriglohnbereich annimmt, erarbeitet sich oft nur einen effektiven Mehrverdienst von etwa 2,50 bis 3,50 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde gegenüber der reinen Leistung inklusive Miete.
  • Bürokratische Bremsen: Zusätzlich verzögern schleppende Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse und starre Sprachkurs-Vorgaben die Arbeitsmarktintegration unnötig.

Fazit

Die Debatte leidet unter einer zweifachen Schieflage: Auf der einen Seite stehen politische Parolen, die Handlungen versprechen, die rechtsstaatlich nicht umsetzbar sind. Auf der anderen Seite steht ein reformbedürftiges Transfersystem, das Arbeitsaufnahme und Mehrarbeit durch extrem hohe Anrechnungsraten finanziell entwertet. Anstatt Menschen mit Scheindebatten über Rückführungen an die Front zu konfrontieren, läge der Schlüssel in einer konsequenten Entbürokratisierung und einer Überarbeitung der Transferentzugsraten, damit sich ehrliche Arbeit ab der ersten Stunde spürbar auszahlt.


Die Stellschrauben sind also die Sozialleistungen, die die Ukrainer beziehen. Daran zu drehen dürfte erst einmal ziemliche Rechtsstreitereien bewirken (gleiches Recht für alle und so), zudem könnten Ukrainer reguläres Asyl beantragen. Beides dürfte die Behörden und Gerichte lahm legen, wenn jeder der 1,4 Millionen Ukrainer ein Verfahren anleiert. Zudem könnte die Ukrainer auch arbeiten anstatt an die Front zu marschieren, womit die Streichungen ins Leere laufen.

Der Weg aus dem Dilemma: vorbehaltlos anerkennen, dass

  • der Krieg verloren ist und
  • die reingesteckten Milliarden weg sind

und Schluss mit dem Ganzen zu machen, und zwar unter Berücksichtigung der Entwicklungen in der Ukraine selbst, dass

  • ein Ende nach Vorstellungen des Westens = Rückzug der Russen nur zu einem verstärkten Bürgerkrieg in der Ukraine West./.Ost führen würde,

mehr oder weniger zu Bedingungen Russlands, wobei man versuchen könnte, ein paar juristische Hintertürchen offen zu halten.

Aber wie immer wird es weiterlaufen, bis der letzte Soldat tot und/oder der letzte US-$/€ weg ist. Mal sehen, was eher passiert.