Beginnen wir mit etwas Auflockerung, die mit dem Thema eigentlich wenig zu tun hat: die Schweiz bereitet sich auf eine neue Hitzewelle vor. Natürlich so schlimm wie noch nie seit Übersteigen der Alpen durch das Heer Hannibals samt Kriegselefanten. Der Bundesrat wehrt sich verbal gegen Vorwürfe, nichts getan zu haben. Der zuständige Umweltminister trägt passender Weise den Namen Albert Rösti. Wenn da mal nicht „Omen es nomen“ gilt.
Zum Thema: laut neuer gesetzlicher Vorschriften wird präventiver Austrag von Rattengift nunmehr endgültig verboten. Bisher betraf das nur den Privatbereich, nunmehr aber auch die Industrie, also auch alle Betrieben der Lebensmittelproduktion wie Bäckereien, Brauereien usw.
Bisher legte man vergiftete Köder aus, ohne das bereits Rattenbefall festgestellt werden konnte. Fraßen die Ratten davon, verendeten sie daraufhin aufgrund fehlender Gerinnungsfähigkeit des Blutes, und da das etwas dauert, nicht am Ort der Nahrungsaufnahme. Die ursprüngliche Absicht dabei war, dass die Ratten ihr Ableben nicht mit einem bestimmten Ort oder Köder in Verbindung bringen sollten und so keine Vermeidungsstrategien entwickeln können sollten.
Im Gegensatz zu Politikern, Journutten und Kulturschaffenden weisen Ratten aber eine ziemlich hohe Intelligenz auf, so genannte Schwarmintelligenz. Rattenschwärme schicken Scouts aus, die die Gegend erkunden, und kommen die Scouts nicht zurück oder sterben sie anschließend, meidet der Schwarm das ausgekundschaftete Gebiet (klar, das ist keine echte Intelligenz im menschlichen oder KI-Sinn, sondern eine evolutionäre Selektion des angeborenen Schwarmverhaltens). Die Folge: selbst bei gelegentlichen Besuchen der Scouts in der Bäckerei bleibt diese weitestgehend Spurenfrei, wenn die Scouts auf die Köder hereinfallen. Der Betrieb kann damit ungestört weiter gehen.
Nun soll auf ein aufwändiges „Rattenmonitoring“ gesetzt werden, zu leisten vom Betrieb. Sickern nun Scouts ein, machen sich diese, da der Vergiftungstod ausbleibt, zwangsweise nach einiger Zeit durch Fraßspuren und Kothaufen bemerkbar. Wird das vom Monitoring festgestellt, muss der Betrieb erst einmal mindestens 14 Tage schließen, (vermutlich bzw. mit ziemlicher Sicherheit) die Lagerbestände vernichten und die aufgrund dieser Vorgehensweise tatsächlich eingetretene Rattenplage durch Kammerjäger bekämpfen lassen (die obendrein auch betroffen sind und auch nicht mehr alle Mittel einsetzen dürfen, über die sie verfügen). Für die Betriebe existenzbedrohend, zumal sich das Spiel nach erfolgreicher Abwehr eines Schwarms nach kurzer Zeit wiederholt, wenn der nächste Rattenschwarm in das Gebiet eindringt. Über die Auswirkungen auf die Kundschaft, die plötzlich vor verschlossenen Läden und ständig steigenden Preise wegen Verknappung steht, erübrigt sich ein Referat.
Letztlich dürfte der Rattenbestand, ohnehin schon steigend aufgrund der stetig wachsenden Müllberge in Städten (wenn man drauf hinweist wie einige Politiker im Zusammenhang mit den Gewohnheiten „südosteuropäischer nicht sesshafter Ethnien“, nach denen früher Schnitzel und Soßen benannt wurden, wird man medial vernichtet), in absehbarer Zeit explodieren. Bis der Kammerjäger mit dem Schwarm fertig ist, dürfte der bereits mehrere Ableger in die Welt gesandt haben.
Bereits heute gehört nicht viel Glück dazu, einer Ratte auf offener Fläche ansichtig zu werden, bald dürfte das zum täglichen optischen Genuss werden. Ob das allerdings ein besonderes Ekelgefühl auslöst, dürfte zweifelhaft sein, denn es genügt ja, Programme des öffentlich-rechtlichen Schundfunks einzuschalten oder ein Qualitätspropagandamedium zu öffnen, um sofort die zweibeinigen Rattenpendants vor Augen zu haben. Die Ekelgefühle sind somit ohnehin schon ubiquitär.
Und noch etwas ist zu erwarten: die Wiederkehr der Pest, verbreitet durch Rattenflöhe. Bei zunehmender Obdachlosigkeit ist kaum zu vermeiden, dass genügend intensiver Kontakt zu auf der Straße Lebenden geschieht, um diese Krankheit, derzeit ausgerottet, zu übertragen. Zwar heute mit Antibiotika bekämpfbar, aber Probleme bei Massenbefall sind absehbar.
Teile dieser Folgen werden von Verbänden der entsprechenden Industrien zaghaft vorgetragen. Ein Gesamtbild scheint dort allerdings nicht vorhanden und es überwiegt wieder die Haltung
„Jawohl, Herr Politiker! Sofort, Herr Politiker! Katzbuckel, Herr Politiker! Schauen meine Füße noch aus Ihrem Arsch oder kann man die Farbe der Schuhe nicht mehr erkennen, Herr Politiker?„.
Daraus resultierendes weiteres Unterscheidungsmerkmal: vierbeinige Ratten übertragen die Pest, zweibeinige Ratten sind die Pest.