Ursprünglich war die Ausbildung des Nachwuchses eine Gemeinschaftsaufgabe für die ganze Gruppe. Mit der zunehmenden Bedeutung spezieller abstrakter Kenntnisse wurden spezialisierte Lehrer mit der Aufgabe betraut, die größere Gruppen von Schülern ausbildeten. Heute hat sich das System dahingehend entwickelt, dass der Staat das Monopol der Ausbildung für sich beansprucht und Eltern und Großeltern zunehmend als Störfaktoren betrachtet, die allenfalls zum Einsatz kommen sollen, wenn sich die Sprößlinge nicht systemkonform entwickeln. Eltern müssen vollzeitarbeiten, Großeltern stehen aufgrund der heutigen berufsbedingten Mobilität oft gar nicht zur Verfügung.
Letztlich wird damit der persönliche Faktor – Jahrzehnte lange Lebenserfahrung – aus der Bildung entfernt, weil Lehrer aufgrund der Menge an zu betreuenden Schülern diesen persönlichen Kontakt gar nicht herstellen können, von großenteils rechts suboptimalen, um es vorsichtig auszudrücken, Lehrplänen ganz abgesehen. Das Ergebnis sind heute oft junge Menschen, die mit 18 Jahren ziemlich orientierungslos dastehen, weil in der Schule oft das Motto „für die Schule lernen wir, nicht für das Leben“ hochgehalten wird.
Warum also nicht das Kapitel „Lebenserfahrung“ wieder in den Schulstoff integrieren?
Das Konzept
Aufgrund der gesellschaftlichen Strukturen sind Kontakte zwischen der älteren und der jüngeren Generation selten. Um wirksam zu werden, muss man sie in irgendeiner Form institutionalisieren, konkret also in den Schulunterricht einbinden.
Man kann wohl davon ausgehen, dass viele der älteren Generation, die schon über Freizeit verfügen, durchaus daran interessiert sind, ihre Erfahrungen weiter zugeben, worin immer diese Erfahrungen auch bestehen. Warum also nicht an den Schulen Pflichtstunden einrichten, in denen genau das geschehen kann?
Praktisch könnte ein Pilotversuch so aussehen: ältere Menschen überlegen sich Themen, über die sie mit Schülern gerne sprechen würden. Das kann alles mögliche sein: Geschichten aus ihrem Berufs- oder Privatleben, handwerkliche Tätigkeiten oder Tipps mit Details, die nicht in Büchern zu finden sind, wissenschaftliche, schöngeistige oder philosophische Themen, tagesaktuelle Themen usw. Jeder hat seine speziellen Lebenserfahrungen, die man durch starre Themenvorgabe nicht eingrenzen sollte. Diese Themenvorschläge nebst Vorstellungen, an welche Altersgruppe man sich damit wenden möchte, wie lang die Kontaktrunde werden soll und in welchem Umkreis man das anbieten kann (z.B. eine Stadt, ein Kreis, usw.), werden auf spezialisierten Webseiten gesammelt. Lehrer könten beratend zur Seite stehen, wenn sich jemand nicht ganz sicher ist.
Die Schulen wiederum sind gehalten, eine Mindestanzahl solcher Veranstaltungen in jeder Klasse durchzuführen. Dazu werden in den Klassen die angebotenen Themen mit den Schülern diskutiert, die schließlich in Abstimmung mit den Anbietern einen Termin buchen können. Das Weitere wird man dann in der Praxis sehen: War der Kontakt ein Erfolg? Wie können die Älteren ihre Vorträge verbessern? Braucht man mehr oder weniger Zeit? Usw.
Ergänzend ist auch ein Einsatz zur speziellen Förderung von Schülern denkbar. Beispielsweise kann ein Alterstutor Lesen, Schreiben, Rechnen oder was auch immer mit einigen Schülern üben, wobei sich hier Lehrer aber strikt heraushalten müssen.
Um einen Einstieg zu bekommen, können Kommunen zunächst die Bevölkerung per Flugblattaktion auf ein solches Projekt hinweisen und um Mitarbeit bitten. Im Rücklauf, möglichst unbürokratisch (ggf. schon über eine Webseite), lässt sich schnell feststellen, ob sich genügend Teilnehmer finden und in welchem Umfang die Schulstunden aufgelegt werden sollten. Weitere Entwicklung, etwa zu persönlichen Tutoren oder Coaches außerhalb der Unterrichtsstunden, werden sich dann schon ergeben.
Voraussetzungen
Damit ein solches Projekt nicht von vornherein an inneren Widerständen scheitert – unter den heutigen Unterrichtsbedingungen könnten viele Schüler das als weitere unerwünschte Pflicht sehen und den Vortragenden die Lust am Weitermachen vergällen – ist eine Wiedereinführung einer gewissen Disziplin an den Schulen notwendig, angefangen damit, dass Deutsch als offizielle „Amtssprache“ durchgesetzt und nicht mit zig Sprachen herum gedaddelt wird. Höflichkeit und Respekt den Lehrern und Älteren gegenüber ist im Unterricht durchzusetzen, und auch Bandentum in irgendeiner Form hat auf dem Schulhof oder dem Schulweg nichts zu suchen und ist zu unterbinden.
Appelle nützen hier wenig. Den Aufsässigen muss klargemacht werden „Handlungen haben Konsequenzen“. Eine Möglichkeit wäre ein Rückgriff auf das alte Werkzeug des „Karzers“ (oder Nachsitzen) in passender Form. Der Schüler wird in einen entsprechenden Raum gesetzt (notfalls durch spezielle Ordnungskräfte) und hat einen Aufsatz zu dem Thema zu verfassen, in dem er den Verstoß begangen hat. Erst wenn der vorliegt, ggf. mit ergänzenden Anforderungen oder Hilfestellung des Lehrers, kann er den Raum wieder verlassen. Erfahrungsgemäß führt eine intensive eigene Auseinandersetzung mit einem Thema meist zu einer Verbesserung des Verhaltens, weniger durch äußeren Druck als durch Einsicht, die aber nur dann gegeben ist, wenn der Betreffende selbst das Thema erarbeiten und nicht nur einen Vortrag über sich ergehen lassen muss.
Bei besonders hartnäckigen Fällen, wie sie heute leider mit Schülern auftreten, die in ausländischen Clanstrukturen aufwachsen, ist auch eine Hinzuziehung der Eltern, notfalls durch Vorführen durch die Polizei, in Betracht zu ziehen. Schönreden nützt i.d.R. nichts; es muss schon ein gewisser „sanfter“ Druck vorhanden sein.