Glücklich ohne Eigentum?

Wenn man Inhaber/Eigentümer eines Unternehmens ist, stellt dieses einen physischen Wert dar, den man anfassen kann, und normalerweise ist man bestrebt, einen solchen physischen Besitz nachhaltig zu verwalten, d.h. Wert und Rendite sollen lange erhalten bleiben, möglichst für die nachfolgende Generation. Besteht die Wahl zwischen kurzfristig hoher Rendite und einem damit verbundenen Wertverlust oder einer geringeren Rendite und bleibendem oder steigendem Wert, wird man meist die zweite Option wählen.

Wenn man Erfolg hat, kann der Geschäftsumfang des Unternehmens so weit steigen, dass man selbst nicht mehr in der Lage ist, alles aus eigenen Mitteln zu managen, oder das Risiko einfach zu groß wird, wenn etwas schief geht. Ein Ausweg ist, das Unternehmen in viele kleine Anteile aufzuteilen, die man verkaufen kann. Meist verkauft man diese Anteile mit einem Aufschlag, so dass bei einem erfolgreichen Verkauf das, was man für sich zurück behalten möchte oder das, was in das Unternehmen investiert werden soll, übrig bleibt.

Man kann danach aber nicht mehr frei über die Geschäftstätigkeit verfügen, sondern muss sich mit den anderen Beteiligten nach bestimmten Verfahren abgestimmen. Eine irgendwie definierte Mehrheit entscheidet und die Entscheidung kann anders ausfallen als die, die man im Sinn hat, wenn man selbst nicht die Mehrheit besitzt. Normalerweise ist das nur ein bedingter Beinbruch, denn die meisten Miteigentümer werden immer noch an einer nachhaltigen Verwaltung interessiert sein. Es können aber auch Spekulanten darunter sein, die anderes im Sinn haben, deshalb bedingter Beinbruch.

Die Miteigentümer stehen aber oft auch vor dem Problem, dass sie zwar Aktien des Unternehmens haben, aber von vielen anderen Unternehmen auch, weil sie mehr Kapital anlegen möchten und ebenfalls das Risiko verteilen möchten. Das macht Aufwand und man verliert ebentuell die Übersicht. Folglich kauft man die Aktien nicht mehr selbst, sondern beauftragt man eine Fondsgesellschaft, die nach bestimmten Kriterien Aktien kauft und verwaltet. Von hier aus ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Fondsgesellschaften, die nur noch Aktien nach festgelegten Kriterien kaufen oder verkaufen, die Verwaltung aber den Kapiteleignern oder anderen Fondsgesellschaften überlässt, die wiederum Mischungen solcher Basisfonds, auch ETF genannt, verwalten. Rein rechtlich gesehen ist der Kapitalgeber immer noch Eigentümer eines entsprechenden Teils der gehaltenen Aktion, in der Praxis überträgt er aber mit dem Kauf eines Fonds seine Stimmanteile an die Fondsgesellschaft, die nach Belieben abstimmen darf. Und damit sind wir bei Black Rock & Co und dem echten Beinbruch, weil hier auch beim Kapitalgeber eine Interessenverschiebung stattfindet.

Staaten sind unermüdliche Kapitalvernichtungsmaschinen, da sie mit den Steuergeldern, egal wie viel es auch sein mag, nie auskommen. Sie verkaufen Staatsanleihen, auf die Zinsen anfallen, und verkaufen neue und mehr Staatsanleihen, um die Rückzahlung der alten durchführen zu können. Das setzt eine Inflation in Gang, weil Geld ohne physischen Gegenwert in die Welt gepumpt wird. Gekauft werden die Staatsanleihen vorzugsweise von Fondsgesellschaften wie die, die zu Black Rock gehören, die damit zu Inflationstreibern werden, allerdings mit dem Kapital, das sie über den Verkauf der Fondsanteile einnehmen. Wenn von einer Steigerung des BIP die Rede ist, ist das im Prinzip eine Betrugsnummer, denn die Leistungen steigen meist nicht oder sinken sogar und die vermeintliche Steigerung ist nur dem Wertverlust infolge der Inflation geschuldet.

Und hier kommt der Knackpunkt: die Anleger sind sehr sehr weit weg von den physischen Anlageobjekten. Aus den Augen, aus dem Sinn. Was sie sehen, ist aber die Inflation, die es zu kompensieren gilt. Folglich werden sie nicht mehr die Nachhaltigkeit des Objektes im Auge haben, sondern die Rendite auf ihre Anlage. Wenn ein Wald noch 30 Jahre benötigt, bis die Stämme wertvolles Holz liefern und bis dahin die Rendite bescheiden bleibt, aber eine Windkraftanlage, die nach 10 Jahren wieder abgerissen wird und einen zerstörten Wald hinterlässt, jedoch ad hoc eine Riesenrendite bringt, wird der Wald abgeholzt, weil der Algorithmus das sagt, und der Investor ist zufrieden, weil er sofort das Geld sieht, den zerstörten Wald aber nicht.

Wo das endet, sieht man bei vielen Automobilkonzernen, deren Spitzenmanager kaum das Format besitzen, eine Imbißbude erfolgreich zu betreiben (sie würden in Frankreich Pommes ordern und nicht Pommes de Terre und dann fluchen, dass die Äpfel in der Friteuse nicht knusprig werden). Weil sie aber brav und buchstabengetreu umsetzen, was allmorgenlich in der SMS aus der Black Rock Zentrale steht, sind sie Spitzenverdiener, während die Firma den Bach runtergeht.

Könnte Black Rock das anders machen? Wenn man 1.000 € hatte und nun 2.000 €, kann man sich eine größere Pizza kaufen. Wenn mann 1.000.000.000 € hatte und nun 2.000.000.000 €, ändert das wohl wenig. Black Rock könnte also Fonds mit nachhaltiger Verwaltung auflegen, die die Werte erhalten und etwas weniger Rendite bringen. Dummerweise würden Vanguard und Fidelity in die Bresche springen und die Anleger würde nach dort abwandern. Das System ist unumkehrbar ein Heuschreckensystem.

Und für dieses System hat Larry Fink nun die Idee, es auf alles zu erweitern:

Nicht nur Unternehmen, im Prinzip jedes physische Gut kann in Anteile, Token genannt, aufgeteilt und gehandelt werden. Die Handelsplattform ist etwas Ähnliches wie Eterum, also eine Blockchain, die nicht die Nachteil von Bitcoin aufweist und geringe Kosten aufweist, also vertretbar ist, und auf der die Token handelbar sind. Rein theoretisch und mit Hilfe eigener KI auf dem privaten PC ist auch privater Handel möglich, aber Fink stellt sich natürlich vor, dass alles in erweiterte Token-ETF einfließt, in denen er dann wieder das Sagen hat.

Als Beispiel, vielleicht extrem, aber nicht undenkbar: Sie Tokenisieren Ihr Haus. Sie machen das komplett, weil es nicht anders geht, und behalten die Hälfte der Token, sind als Mehrheits-Tokenär. Für die andere Hälfte erhalten Sie Geld. Natürlich müssen die Token Rendite abwerfen, d.h. Sie müssen vorher beispielsweise erklären, dass sie regelmäßig eine Zinsausschüttung machen (also Geld an andere zahlen, damit Sie im eigenen Haus wohnen dürfen, so ähnlich wie bei einem Kredit). Ihre Token stecken aber nicht in Ihrer privaten Wallet, sondern in einem Token-ETF, weil es für Sie im ersten Schritt vermutlich kaum eine Wahl gibt, wenn Sie mitmachen wollen. Wenn Sie Ihre Haus wieder zurück haben wollen, müssen Sie sämtliche Token zurückkaufen, eine zwar vorhandene, aber eher theoretische Möglichkeit aufgrund des Aufwands für Sie selbst. Die Tokenisierung kann man also mit Fug und Recht auch als Einbahnstraße betrachten, aus der kein Weg zurück führt. Da die Token im Token-ETF stecken, können Sie Ihr Haus aber nun nicht einfach Weiß anstreichen. Wenn die ETF-KI sagt, dass Grün mehr Rendite bringt, wird das Haus Grün gestrichen, und wenn der Algorithmus sagt, dass aufgrund der Tokenisierungsbedigungen eine Vermietung an Flüchtlinge mehr Rendite bringt (auch wenn das Haus hinterher kaputt ist), fliegen Sie aus Ihrem eigenen Haus.

„Sie werden nichts besitzen und sie werden glücklich sein.“

ist die Vorstellung vom WEF über die Eigentumsverteilung, und Finks Vorstellungen sind die praktische Umsetzung davon. Man wird noch Kapital besitzen, aber wenn alles Tokenisiert ist, hat man nicht mehr als ein zeitweises Nutzungsrecht an den physischen Dingen.

Vermutlich wird es so kommen.