Kriegstauglich? Eher nicht

Die EU-Staaten sind ja dabei, massiv aufzurüsten, um einen Krieg gegen Russland führen zu können (oder sich zumindest behaupten zu können). Formal sollte das kein Problem sein, da die EU-Staaten (samt GB) ca. 3x so viele Einwohner hat wie der Gegner Russland.

Praktisch ist aber durchaus zu befürchten, dass der erste ernsthafte Widerstand, auf den die russische Armee stößt, an der Atlantikküste stattfindet, wenn sich nämlich deutsche Urlauber massiv zur Wehr setzen, wenn russische Soldaten versuchen sollten, die von den Urlaubern per Handtuch reservierten Liegestühle zu übernehmen. Abgesehen von dem derzeit fehlenden Material scheitert das Ganze bereits an der Logistik. Schauen wir mal auf ein paar Waffensysteme:

Stand Anfang 2026 (basierend auf aktuellen Inventaren, Übergängen und Ausmusterungen) sind in den EU-Luftstreitkräften folgende distincten Typen von echten Kampfflugzeugen (Kampfjets / Multirole-Kampfflugzeuge, keine reinen Trainer oder leichten Angriffsflugzeuge) aktiv im Einsatz:

  • F-35A / F-35B Lightning II (5. Generation, USA) – Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Griechenland (beginnend), Italien, Niederlande, Polen, Rumänien (beginnend), Tschechien (bestellt/erste Lieferungen)
  • Eurofighter Typhoon (4.5 Gen, europäisch) – Deutschland, Italien, Österreich, Spanien
  • Dassault Rafale (4.5 Gen, Frankreich) – Frankreich (einziges EU-Land)
  • Saab JAS 39 Gripen (C/D und E/F) (4+/4.5 Gen, Schweden) – Schweden, Tschechien (noch C/D, Übergang), Ungarn
  • F-16 Fighting Falcon (4/4.5 Gen mit Upgrades, USA) – Belgien (Übergang zu F-35), Dänemark (Übergang), Griechenland, Niederlande (fast ausgemustert), Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei (neue Block 70/72), Tschechien (Übergang)
  • Mirage 2000 (4 Gen, Frankreich) – Frankreich (noch aktiv, wird langsam durch Rafale ersetzt), Griechenland (Mirage 2000-5)
  • MiG-29 Fulcrum (4 Gen, Sowjetdesign) – Bulgarien (noch einige wenige), Polen (wird ausgemustert, Ersatz durch F-35 und F-16)

Das ergibt 7 klar unterschiedliche Grundtypen (F-35, Eurofighter, Rafale, Gripen, F-16, Mirage 2000, MiG-29).

Kampffpanzer / Main Battle Tanks (MBT)

Die Haupt-Typen in EU-Armeen:

  • Leopard 2 (alle Varianten: A4 bis A8, inkl. nationale Upgrades wie 2PL, Strv 122/123, Leopard 2A7V/A8) – Deutschland, Österreich, Dänemark, Finnland, Griechenland, Ungarn, Italien (neu A8), Niederlande, Norwegen (A7/A8), Polen (2A4/2A5/2PL), Portugal, Schweden (Strv 122/123A/B), Spanien, Tschechien usw. → Dominanter Typ (ca. 47–50 % aller EU-Panzer).
  • M1 Abrams (M1A1/M1A2 SEPv3) – Polen (neu geliefert seit 2025), Rumänien (bestellt/geliefert ab 2025/26), Griechenland (ältere M1A1).
  • K2 Black Panther (K2/K2PL) – Polen (erste 180 geliefert, lokale Produktion K2PL ab 2026 startend).
  • Leclerc – Frankreich (aktuell aktiv, wird langfristig durch MGCS ersetzt).
  • Challenger 2 / Challenger 3 – (Großbritannien ist nicht EU, aber für Vollständigkeit: nur UK).
  • Ariete (C1) – Italien (noch aktiv, wird teilweise durch Leopard 2A8 ergänzt/ersetzt).
  • T-72-Familie (T-72M1, PT-91, modernisierte Varianten) – Polen (wird ausgemustert), Bulgarien, Slowakei, Tschechien (Übergang), Rumänien (wenige).

Zusammengefasst: Ca. 6–7 verschiedene Grundtypen (Leopard 2 als einer trotz Varianten, Abrams, K2, Leclerc, Ariete, T-72-Familie). Früher waren es mehr (inkl. alter M60, T-55, Leopard 1), jetzt sinkt die Zahl durch Ausmusterung und Fokus auf Leopard 2 + wenige Importe.

Schützenpanzer / Infantry Fighting Vehicles (IFV)

Hier ist die Vielfalt noch größer, da viele Länder nationale oder lizenzierte Entwicklungen haben:

  • Puma (schwerer tracked IFV) – Deutschland (Haupttyp, hochmodern).
  • CV90 (Familie: CV9030/35/40 etc.) – Schweden (Strf 90), Dänemark, Finnland, Niederlande, Norwegen, Tschechien, Slowakei (neu), Estland/Litauen/Lettland (Baltikum).
  • Marder 1A3/A5 – Deutschland (noch viele, wird durch Puma ersetzt), Griechenland (Marder 1A3).
  • Warrior – (UK, nicht EU).
  • Bradley M2 – Griechenland (M2A2), Polen (bestellt/neu M2A2 ODS-SA).
  • Borsuk (neuer polnischer tracked IFV) – Polen (erste Einheiten in Erprobung/Lieferung ab 2025/26).
  • BMP-1 / BMP-2 (sowjetisch) – Bulgarien, Rumänien, Slowakei, Tschechien (Übergang), Ungarn (BMP-1 modernisiert), Polen (BWP-1, wird ersetzt).
  • VBCI (Wheeled) – Frankreich.
  • Freccia (Wheeled, auf Centauro-Basis) – Italien.
  • Boxer (als IFV-Variante / Heavy Weapon Carrier) – Deutschland (neue Aufträge), Niederlande (teilweise).
  • ASCOD (Pizarro/Ulan) – Spanien, Österreich.

Zusammengefasst: Ca. 10–12 verschiedene Grundtypen (Puma, CV90, Marder, Bradley, Borsuk, BMP-1/2, VBCI, Freccia, Boxer IFV-Varianten, ASCOD usw.). Wheeled vs. tracked erhöht die Diversität zusätzlich.

Bei Geschützen sieht es ähnlich aus. Zwar wird die Panzerhaubitze 2000 in verschiedenen Ländern gefertigt, aber jede Version benötigt ihre eigenen Munition, was beim Einsatz in der Ukraine schon schmerzhaft aufgefallen ist.

Im Kriegsfall müsste nicht nur die Ausrüstung in Richtung Osten transportiert werden (die Infrastruktur hierfür ist mehr als dürftig und die Deutsche Bahn benötigt vermutlich eine Glücksspiellizenz, wenn es darum geht, ob Transportpläne eingehalten werden können), sondern auch die Ersatzteile. Es nützt wenig, wenn ein Leclerc seine Kette verloren hat, aber nur Ketten vom Leopard in der Werkstatt herumliegen.

Zusammengefasst: eine EU-Truppe wäre derzeit etwa in der Situation wie die Wehrmacht Ende 1944, als die Bewaffnung aus deutschen, tschechischen, belgischen, französische und russischen (Beute)Waffen bestand und „kaputt“ oft gleichbedeutend mit „Schrott“ war.

Zwar scheint das auch dem einen oder anderen General aufgefallen zu sein und man will die Zahl der Waffensysteme verringern. Da man sich in den Ländern nicht einig wird, wird es bei Flugzeugen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf F35 oder Ähnliches herauslaufen, also einen extrem teuren Flugzeugtyp (was die Anzahl reduziert), der zudem mehr als die Hälfte der Zeit in der Werkstatt verbringt und ohne die USA noch nicht mal einsatzfähig ist. Bei anderen Waffensystemen sieht es kaum besser aus, wobei alles nach US-Doktrin entwickelt wird:

  • Eierlegende Wollmilchsäue, die überall auf der Welt eingesetzt werden können müssen und dadurch teuer und wartungsintensiv sind und nicht die volle Kampfkraft überall entwickeln zu können.
  • Die Russen setzen auf einfache Systeme (Massenproduktion) für genau definierte Einsatzzwecke, robust und preiswert.

An der Stelle geht es mit der Logistik weiter, wie ebenfalls die Ukraine zeigt. Die Russen haben ihre mobilen Werkstätten unmittelbar hinter der Front und Schäden können schnell behoben werden, so dass die Waffen schnell wieder im Einsatz sind. Die Westwaffen in der Ukraine mussten oft weit ins Hinterland gebracht werden (teilweise in EU-Länder), um die komplexen Reparaturen durchführen zu können.

Bis 2029 dürften zwar ein paar Arsenale besser bestückt sein als heute, aber dass sich grundsätzlich am Desaster etwas ändern könnte, ist eigentlich nicht in Aussicht.