Die Sache mit der Technik

Beim Vergleich der Politik mit dem Wetter kann man sich zwei Sachen gewiss sein:

  • Ein Wetterbericht von Heute über das Wetter am 4.April 2026 um 10:00 Uhr in Berlin dürfte präziser sein als eine Vermutung, mit welchen Eroberunsplänen Donald Trump heute um 11:00 Uhr aufwartet (es ist jetzt 8:03 Uhr).
  • Ein Wetterbericht, der an einem wolkenlosen Tag vorhersagt, dass in 5 Minuten weiterhin die Sonne scheint, ist vager als die Aussage, dass Politiker keinerlei Verständnis für die Realität aufbringen können.

Da hat nun der gute Donald unter dem Vorwand, dass Venezuela auf nicht näher definierten Wegen (vermutlich ein Tunnel unter Kube und dem Golf von Mexiko (sic!)) Drogen in die USA schmuggelt, den venezolanischen Präsidenten gekidnappt, um sich das Öl Venezuelas unter den Nagel zu reißen (die Drogenvorwürfe wurden bereits inzwischen still und heimlich vom Tisch gekehrt).

Jetzt ist das mit dem Öl so eine Sache. Spätestens seit den Sanktionen gegen Russland wissen alle außer Politikern (siehe oben), dass Öl nicht gleich Öl ist und jede Ölsorte eine entsprechend aufgestellte Raffinerie benötigt. Die ostdeutschen Raffinerien sind auf russisches Öl eingestellt, dass sie nicht mehr bekommen, und das Öl, dass sie bekommen, können sie ohne größere Umbauten nicht verarbeiten.

Das gilt auch für venezolanisches Öl, das bislang großenteils nach China ging, weil dort passende Raffinieren bereit stehen. Die US-Boys wollen zwar das Geschäft mit dem Öl an sich bringen, können aber das Öl selbst gar nicht verarbeiten. Insider rechnen mit einer Anlaufzeit von ca. 10 Jahren und Kosten, die das Ganze derzeit eher unwirtschaftlich machen. Und die Chinesen? Haben sich umgesehen, wo es vergleichbares Öl gibt und bauen den Import von iranischen Ölsorten aus, die vergleichbar sind. Letztlich kann es also so ausgehen, dass die US-Amerikaner nicht nur auf dem Öl sitzen, sondern auch drauf sitzen bleiben, die Region destabilisieren und eine weitere Migrationswelle auslösen (was sie ja gerade verhindern wollen), sich in eine Art Vietzuela verirren und von allen Nationen gemieden werden.

Da Trump schon mal gerade dabei ist, hat er den Dänen ein Geschäft vorgeschlagen, dass sie nicht ablehnen können: sie können Grönland zu einem von den USA festgelegten Preis an die USA verkaufen – oder die USA werden nicht verhindern, dass sich bewaffnete Banden in Uniformen des US-Militärs auf Grönland breit machen und alle terrorisieren. Es ist also folglich eine Art Schutzangebot, um Schlimmeres zu vermeiden, also ein typisches Don Aldo Trumpione-Angebot.

Das hat schon ein Gschmäckle. Grönland besitzt zwar keine volle Autonomie, aber vergleichbar wäre, wenn Don Aldo an den britischen König Karl den Einfältigen herantritt und die Abtretung der britischen Kronkolonie Kanada verlangt (was er nebenbei auch schon ins Auge gefasst hat). Die Dänen (und den Rest Europas) betrachtet Don Aldo anscheinend als Kuhfladen auf einer Wiese (Dänemark ist hauptsächlich ein Agrarland, was die Anschauung rechtfertigt), und die Dänen (und der Rest Europas) regieren auch genau so, also ob die nächste Kuh droht, in den Fladen zu treten: die Politiker schwirren wie ein Haufen aufgeschreckter Schmeissfliegen in alle Richtungen auseinander und wissen nicht mehr, wo sie landen sollen. Und die dänische Ministerpräsidentin, eben noch die reißende und geifernde Bulldogge gegenüber Russland in Sachen Ukraine, gibt plötzlich brav das kleine Schoßhündchen und ist ganz traurig, dass Herrchen (Don Aldo) kein Leckerli (Verhandlungen) heraus rückt (man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: da droht offen jemand, einen zu berauben, und das Opfer bittet um Verhandlungen, statt in Abwehrhaltung zu gehen).

Doch zurück zur Technik. Grönland ist wie Venezuela reich an Bodenschätzen. Donald Trump reagiert, wie alle Amerikaner, nicht wie Donald Duck sondern eher wie Dagobert Duck auf so etwas: MUSS IN MEINEN GELDSPEICHER!! Allerdings sieht die Sache in Grönland eher noch schlechter aus als in Venezuela. Zwar müssen die Amerikaner nicht befürchten, dass die 56.500 Grönländer einen Guerilla-Dschungelkrieg wie die ca. 30 Millionen Venezolaner anzetteln könnten, doch liegen die Bodenschätze unter 1.500 – 3.500 m Eis verborgen. Da ist irgendwie technisch schlecht dran zukommen, von den Kosten ganz zu schweigen. Und als Siedlungsgebiet ist Grönland nicht ganz geeignet.


PS: die EU-Kommission hat inzwischen doch eine eindeutige Stellung in Sachen „Festnahme von Maduro“ bezogen. Auslöser ist dieses Foto:

https://www.stern.de/news/trump-veroeffentlicht-foto-von-maduro-in-handschellen-37008074.html

Die EU-Kommission bemängelt, dass der Verschluss der Wasserflasche in Maduros Hand nicht der am 3. Juli 2024 getretenen EU-Verordnung über „Tethered Caps“ entspricht. Derzeit wird noch geklärt, ob die Flasche aus Venezuela stammt, womit die Festnahme von Maduro als überführter Umweltsünder mutmaßlich gerechtfertig ist, oder aus US-Produktion, was Probleme in der NATO auslösen könnte. Die EU-Außenhexe wird demnächst nach New York fliegen, um die Sache zu klären, ist aber derzeit noch auf der Suche nach ihrem Besen.