Kaum ein Journalist wird heute noch seinem Beruf gerecht, wie Boris Reitschuster in fast jedem seiner Artikel beklagt.Hat das irgendwelche Gründe?
Die Aufgabe eines Journalisten besteht im Sammeln von Informationen, wozu auch Interviews zählen, die Verifizierung der Informationen durch mindestens eine weitere vertrauenswürdige Quelle, der korrekten Einordnung der Information in einen Gesamtzusammenhang und schließlich der neutralen Weitergabe an die Öffentlichkeit. Dabei darf er im Prinzip keine Teile der Information fortlassen und muss auch darauf achten, dass der Zusammenhang vollständig ist. Naürlich muss dabei zwangsweise oft gekürzt werden, aber dies korrekt und vertrauenswürdig zu tun gehört eben zum Job.
Im Anschluß kann er alles aus irgendeiner Sicht bewerten, d.h kommentieren. Information und Kommentar haben strikt getrennt zu werden und der Kommentar, der meist eine Projektion oder eine Begründung ist, sollte im Einklang mit der Wirklichkeit sein, d.h. die kommentierte Ansicht sollte sich in absehbarer Zeit als zutreffend oder nicht zutreffend erweisen.
Die Aufgabe eines Journalisten besteht aber in keinem Fall darin, sich als Schiedsrichter über unterschiedliche Ansichten aufzuspielen oder Informationen und Zusammenhang so zu beschneiden, dass eine andere Interpretation als bei korrekter Darstellung heraus kommt.
All das finden wir nicht mehr: Informationen werden nicht geprüft, sondern einfach übernommen, wenn sie in eine gewisse ideologische Schublade passen, sie oder die Zusammenhänge werden gekürzt, dass sie ebenfalls in die Schublade passen. Es ist nicht selten so, dass Nachrichten verbreitet werden, die das genaue Gegenteil des tatsächlich Geschehenen darstellen. Auch eine weitere elementare Pflicht, sich so lange in eine Geschichte zu verbeißen, bis Konsequenzen aus Missverhalten folgen, wird negiert. Beispielsweise sind bei der Amokfahrt auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt nicht nur unglaublich viele Fehler gleichzeitig gemacht worden, es fällt zusätzlich auf, dass sich niemand darum kümmert oder irgendeine Verantwortung trägt, die auch Konsequenzen hat. Statt sich in die Sache zu verbeißen, trat das große Schweigen ein, sobald die Sirenen der Krankenwagen nicht mehr zu hören waren.
Bei der Suche nach den Ursachen muss festgestellt werden, dass hinter all den vielen und vielfältigen Zeitungen und Sender nur wenig Eigentümer stecken (SPD, Bertelsmann, ein paar andere NGO), die – manchmal zur Tarnung über viele Beteiligungen und Zwischenunternehmen – letztlich das Sagen haben. In den USA ist das nicht anders, aber da es dort nur zwei Strömungen gibt, hat jedes Lager ihre eigenen Medien. Hier sind sich die verschiedenen Eigentümer sogar einig, d.h. alle laufen in die gleiche Richtung.
Der Eigentümer bestimmt letztlich die Ausrichtung der Zeitung, was noch nicht bedeuten muss, dass nur die Meinung des Eigentümers widergespiegelt werden muss. Inzwischen sind aber alle Posten so besetzt, dass die Führungsetagen nur noch das durchlassen, was der Ansicht des Eigentümers entspricht. Das wird begünstigt, wenn die Verantwortlichen selbst der Ideologie des Eigentümers folgen. Da sie keiner mehr kontrolliert, können sie auch die journalistischen Grundsätze vergessen und sich als arrogante Götter über die Meinung aufspielen.
Parallel wurden die Redaktionsstuben ausgedünnt. Die meisten Journalisten, die die tatsächliche Arbeit machen, sind inzwischen freie Mitarbeiter. Sie bekommen ihre Aufträge nur, wenn sie so berichten, wie der Eigentümer es wünscht, ansonsten sind sie außen vor. Da in den oberen Etagen alle die gleiche Meinung haben (haben müssen, damit sie ihren Job behalten) und unten genügend Leute herumlaufen, die Aufträge benötigen, sind wir in der beschriebenen Situation: die meisten freien Journalisten werden das an den Haaren herbei ziehen, was der Oberboss will, auch wenn es weder ihre Ansicht widerspiegelt noch der Realität entspricht. Schließlich müssen sie auch irgendwie überleben. Fertig ist das Lügengebäude.
Daran ändert sich nichts, so lange derjenige, der von einer bestimmten Berichterstattung profitiert, auch bestimmen kann, wie die Berichterstattung aussieht. So müsste verhindert werden, dass die SPD über viele Beteiligungen mehr als 50% des Marktes kontrolliert. Wie schlecht die SPD als politische Partei wirklich ist, zeigt sich daran, dass trotz der Kontrolle immer wieder kritische Berichte auftauchen. Ähnliches gilt für andere Hintergrundeigentümer.