„Ich denke, dass man gezielte Tötungen [..] ausführen sollte, jede Nacht 30, 40 [Menschen] entfernen
Nicht nur diejenigen, die in diesem Moment eine Gefahr darstellen– es gibt dort Menschen, die es nicht verdient haben zu leben, nicht des Lebens würdig sind.Sie sollten nicht am Leben sein
Sie sind nicht einmal Menschen
Ich mache ihnen schon ein Kompliment, wenn ich sie ‚Menschen‘ nenne“
Sprecher: Itamar Ben Gvir, israelischer Sicherheitsminister
Nicht-Menschen: Palästinenser
Das hat man schon mal gehört. Vor 90 Jahren. Mit den bekannten Folgen. Wenn nun ausgerechnet die Nachkommen der damaligen Opfer heute mit den gleichen Sprüchen um die Ecke kommen, und zwar völlig offen und auf internationaler Bühne, kommen einem als Nachkomme der Tätergeneration schon spontan recht bissige Gedanken in den Kopf. Die man aber sorgfältig sortieren sollte.
Auch wenn Ben Gvir hier (und nicht nur hier, sondern wiederholt) mit lupenreinem Nazi-Sprech auftritt, ändert das nichts an den Verbrechen, die im Namen Deutschlands geschehen sind. Die falscheste Reaktion wäre, „wenn der so auftritt, wessen sollen wir uns dann noch schämen?“. Nein, an der Pflicht, sich zu schämen, ändert sich nichts. Aber die Gefahr besteht, sogar mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit, dass daraus eine weitere Pflicht, sich zu schämen, erwächst. Weil nichts dagegen geschieht, sondern im Gegenteil ein Ben Gvir auch noch politisch von hier unterstützt wird. Als Muster wirkt das fast schon so, als sei es dem deutschen Gemüt egal, wer als Untermensch bezeichnet und umgebracht wird, Hauptsache es stirbt jemand.
Man muss dabei berücksichtigen, dass da nicht nur ein Fanatiker Ben Gvir das Wort führt, sondern ein Fanatiker, der über die Macht verfügt, das auch umsetzen zu können. Und Ben Gvir ist einer der mächtigsten Politiker Israels, d.h. er verfügt über eine erhebliche Fraktion Israelis, die genauso denken und die derzeit in der Lage sind, die Andersdenkenden zu Neutralisieren. Aus meiner Sicht: ein Ben Gvir oder eine israelische Regierung, die ihn als Minister machen lässt, gehört isoliert und aus dem Amt entfernt. Und sollte sich herausstellen, dass er seine Macht wie weiland andere bereits im Sinne seiner Worte missbraucht hat, gehört er genauso bestraft.