Klar, den Nobelpreis gibt es nicht. Eher gibt es einen Nobelpreis für „Unauffällige Beseitigung unerwünschter Ehnien„. Es sollte ihn aber geben. Und konkurenzloser Wettbewerber dafür ist derzeit die israelische Regierung.
„Was ist denn nun schon wieder passiert?“ mögen manche fragen. Es geht um die so genannte Gaza-Flotille, die vor einiger Zeit mit humanitären Hilfsgütern in Richtung Gaza aufgebrochen ist. Diese Flotille hat die israelische Marine Hunderte von Kilometern vor der israelischen Küste, möglicherweise sogar in griechischen Hoheitsgewässern, aufgebracht. Im Klartext: in einem eindeutigen Akt der Piraterie geentert und die Schiffe als Prisen nach Israel verbracht. Die meisten Schiffe sollen nun enteignet werden. Die Crews wurden nicht etwa nach Hause geschickt, sondern nach Israel entführt, strafrechtlich als Kipnapping. Die Reaktionen der Heimatländer der Entführten, insgesamt ca. 430 Personen, haben dagegen nur verhalten protestiert. Lediglich in Irland und Spanien scheint man sich etwas mehr aufgeregt zu haben.
Nun setzt die israelische Regierung noch eins drauf. Lassen wir Haaretz zu Wort kommen:
Netanjahu und Außenminister Sa'ar verurteilen Ben-Gvirs Video von Flottillen-Aktivisten, nachdem mehrere Länder israelische Gesandte einbestellt haben
Einen Tag, nachdem das israelische Außenministerium erklärt hatte, dass „alle 430 Aktivisten“ einer auf den Gazastreifen zusteuernden Flottille „auf dem Weg nach Israel“ seien, veröffentlichte der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir ein Video. Es zeigte, wie die Aktivisten durch einen israelischen Hafen geschleift wurden – versehen mit der Bildunterschrift: „So begrüßen wir Terrorunterstützer. Willkommen in Israel.“
Das Video zeigte maskierte Polizeibeamte, die Aktivisten zu Boden stießen und sie zwangen, sich auf alle Viere zu begeben; anschließend wurden sie in einer Lagerhalle mit dem Gesicht nach unten aufgereiht, die Hände mit Kabelbindern auf dem Rücken gefesselt. Daraufhin betrat Ben-Gvir den Raum, schwenkte eine israelische Flagge und rief: „Willkommen in Israel! Wir sind die Hausherren.“
In einer anderen Einstellung knieten die Aktivisten auf einem Metallboden, umgeben von Stacheldraht, während bewaffnete Beamte der Grenzpolizei Wache hielten und im Hintergrund die israelische Nationalhymne erklang. Das Video endete damit, dass Ben-Gvir in die Kamera sagte: „Lassen Sie sich nicht von ihrem Geschrei stören“ – während im Hintergrund eine Frau zu hören war, die flehte und schrie.
Kurz nach der Veröffentlichung des Videos bezeichneten sowohl die italienische Premierministerin Meloni als auch der französische Außenminister Barrot Ben-Gvirs Verhalten als „inakzeptabel“ und erklärten, sie hätten die israelischen Gesandten ihrer Länder zwecks Klärung einbestellt. Diesem Schritt schlossen sich mehrere weitere Länder an, darunter Kanada, Belgien, die Niederlande und das Vereinigte Königreich.
In einer seltenen öffentlichen Rüge verurteilten sowohl Netanjahu als auch Außenminister Gideon Sa'ar Ben-Gvirs Vorgehen. Der Premierminister erklärte, dass Israel zwar „jedes Recht“ habe, die Flottillen am Erreichen des Gazastreifens zu hindern, die Art und Weise jedoch, „wie Minister Ben-Gvir mit den Aktivisten umgegangen ist“, „nicht mit Israels Werten und Normen im Einklang stehe“.
Netanjahu teilte mit, er habe die israelischen Behörden angewiesen, die Aktivisten „so schnell wie möglich“ abzuschieben. Sa'ar erklärte seinerseits, Ben-Gvir sei „nicht das Gesicht Israels“, und fügte hinzu, dieser habe „dem Land mit dieser entsetzlichen Farce wissentlich geschadet – und das nicht zum ersten Mal“.
Das ist die israelische Nachrichtenversion. Das Bedenkliche an dem Vorfall: es handelt sich nicht um ein Vergehen Subalterner, sondern die israelische Regierung hat diese menschenverachtende Behandlung angeordnet und in Gestalt eines hochrangigen Ministers persönlich durchgeführt. Man muss das so lesen: die Flotille ist schon eine geraume Zeit in den Händen der Israelis, so dass von „Plötzlichkeit“ keine Rede sein kann. Und erst nachdem den Israelis die Sache diplomatisch um die Ohren geflogen ist, wagen sich Netanyahu und sein Außenminister aus der Deckung, bekräftigen indirekt das Recht auf Piraterie und Entführung und wiegeln mit schwachen Worten ab, was nun passiert ist. Auf X ließ sich die italienische Regierungschefin Meloni dazu so vernehmen:
Die Bilder des israelischen Ministers Ben-Gvir sind inakzeptabel. Es ist unzulässig, dass diese Demonstranten, darunter viele italienische Staatsbürger, einer solchen Behandlung ausgesetzt werden, die die Würde der Person verletzt. Die italienische Regierung unternimmt auf höchster institutioneller Ebene unverzüglich alle notwendigen Schritte, um die sofortige Freilassung der beteiligten italienischen Staatsbürger zu erreichen. Italien verlangt zudem Entschuldigungen für die Behandlung, die diesen Demonstranten zuteil wurde, und für die totale Missachtung, die gegenüber den ausdrücklichen Forderungen der italienischen Regierung gezeigt wurde. Aus diesen Gründen werden das italienische Außenministerium und das Ministerium für internationale Zusammenarbeit den israelischen Botschafter unverzüglich einbestellen, um formelle Erklärungen zu den Vorgängen zu verlangen.
Ähnlich äußerten sich Frankreich und Spanien und aus Irland werden Rufe nach EU-Sanktionen gegen Israel laut.
Auch ansonsten stehen die Israelis derzeit nicht sehr hoch im Ruf. Man wirft ihnen die gezielte Tötung von Journalisten in Gaza und im Libanon vor, um Berichte über den Genozid und die Kriegsverbrechen zu unterdrücken:
Die Vorwürfe, dass die israelischen Streitkräfte (IDF) im Gazastreifen und im Libanon gezielt Journalistinnen und Journalisten attackieren und töten, wiegen schwer. Pressefreiheits- und Menschenrechtsorganisationen sprechen von einer historisch beispiellosen Zahl an getöteten Medienschaffenden.
Sowohl das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) als auch Reporter ohne Grenzen (RSF) stufen die Konflikte in der Region als die tödlichsten für die Presse seit Beginn ihrer Aufzeichnungen (1992) ein. Bis Mitte 2026 wurden über 250 Medienschaffende – die überwiegende Mehrheit Palästinenser im Gazastreifen, aber auch Dutzende im Libanon – durch israelische Angriffe getötet.
Die Vorwürfe, die Argumente der Ermittler sowie die Position Israels teilen sich wie folgt auf:
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## Die zentralen Vorwürfe und Berichte
Unabhängige Untersuchungen von Menschenrechtsorganisationen und internationalen Medienhäusern kommen in mehreren konkreten Fällen zu dem Schluss, dass Angriffe gezielt auf Journalisten verübt wurden.
### 1. Der Fall Issam Abdallah im Südlibanon
Einer der am besten dokumentierten Fälle ereignete sich am 13. Oktober 2023. Der Reuters-Videojournalist Issam Abdallah wurde getötet, sechs weitere Reporter (unter anderem von AFP und Al Jazeera) teils schwer verletzt.
* **Die Untersuchung:** Unabhängige Untersuchungen von *Reuters*, *Amnesty International*, *Human Rights Watch* und dem niederländischen Forschungsinstitut *TNO* rekonstruierten den Vorfall akribisch.
* **Das Ergebnis:** Die Journalisten befanden sich weitab von aktiven Gefechten, waren stationär, trugen blaue Schutzwesten mit der Aufschrift „PRESS“ und fuhren ein entsprechend markiertes Auto. Sie wurden innerhalb von 30 Sekunden von zwei aufeinanderfolgenden Präzisionsschüssen (120-mm-Panzermunition) aus einer israelischen Militärposition beschossen. Die Organisationen stuften dies als gezielten Angriff auf Zivilisten und somit als mutmaßliches Kriegsverbrechen ein.
### 2. Angriffe auf Al Jazeera im Gazastreifen
Mehrere prominente Gesichter des Senders *Al Jazeera* wurden getötet oder schwer verletzt.
* Ein besonders schwerer Vorfall ereignete sich im August 2025, als ein israelischer Luftangriff gezielt ein Pressezelt vor dem Al-Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt traf. Dabei wurden der bekannte Reporter **Anas al-Sharif** sowie mehrere Kollegen getötet. UN-Generalsekretär António Guterres und RSF verurteilten den Angriff scharf als gezielte Tötung.
* Auch der Leiter des Al-Jazeera-Büros in Gaza, Wael al-Dahdouh, verlor bei separaten Luftangriffen seine Frau, mehrere Kinder und schließlich seinen Sohn Hamza al-Dahdouh (ebenfalls Journalist), während er selbst verletzt wurde.
### 3. Jüngste Angriffe im Libanon (Frühjahr 2026)
Auch nach der Ausweitung des Konflikts im Libanon hielten die Vorwürfe an. Im März und April 2026 starben erneut mehrere Journalisten durch Drohnen- und Raketenangriffe, darunter die Reporterin **Fatima Ftouni** (*Al-Mayadeen*) und der langjährige Korrespondent **Ali Shoaib** (*Al-Manar*), als ihr eindeutig als Presse gekennzeichnetes Fahrzeug im Südlibanon beschossen wurde. Im April 2026 starb die Journalistin **Amal Khalil** nach einem Raketentreffer auf ihr Schutzhaus.
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## Israels Argumentation und Rechtfertigung
Die israelische Regierung und die IDF weisen den Vorwurf, Journalisten *aufgrund ihrer Arbeit* gezielt ins Visier zu nehmen, strikt zurück. Die offizielle Position lässt sich in drei Kernpunkte zusammenfassen:
* **Der Vorwurf der Terror-Zugehörigkeit:** In vielen der prominenten Fälle behaupten die IDF im Nachgang, die Getöteten seien keine reinen Journalisten gewesen, sondern aktive Mitglieder des militärischen Flügels von Hamas oder der Hisbollah (z. B. im Geheimdienst oder der operativen Aufklärung). Im Fall von Ali Shoaib (März 2026) argumentierte die IDF, er habe systematisch Positionen israelischer Soldaten für die Hisbollah ausgespäht.
* **Mangelnde Beweise:** Presseorganisationen wie das CPJ kritisieren scharf, dass Israel diese Behauptungen („Journalist als Terrorist“) sehr oft nachschiebt, ohne dafür öffentlich überprüfbare und glaubwürdige Beweise vorzulegen.
* **Kollateralschäden im urbanen Raum:** Für die hohe Zahl an Toten im Gazastreifen macht Israel die Kampfesweise der Hamas verantwortlich. Da aus dicht besiedelten zivilen Gebieten operiert werde, seien zivile Opfer – darunter auch Reporter – in der Praxis oft nicht zu vermeiden.
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## Internationale Reaktionen und rechtliche Schritte
Aufgrund der Häufung dieser Vorfälle haben internationale Akteure rechtliche Schritte eingeleitet:
> **Klagen vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH):**
> *Reporter ohne Grenzen (RSF)* hat bereits mehrere Strafanzeigen beim IStGH in Den Haag wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gegen Journalisten im Gazastreifen eingereicht.
> Auch die libanesische Regierung kündigte im Frühjahr 2026 an, wegen der gezielten Tötung von Medienschaffenden internationalen Rechtsschutz zu suchen.
Völkerrechtlich sind Journalistinnen und Journalisten in bewaffneten Konflikten als Zivilpersonen geschützt. Solange sie nicht direkt an Feindseligkeiten teilnehmen, ist jeder vorsätzliche Angriff auf sie ein schwerer Verstoß gegen die Genfer Konventionen.
Israel mordet anscheinend hemmungslos, um andere Morde zu kaschieren, und glaubt anscheinend, sich alles erlauben zu können, so lange es den großen Bruder USA im Rücken hat. Da sich derzeit selbst die, die es könnten, sich schwer tun, dem offensichtlich völlig durchgeknallten Potus Trump Paroli zu bieten, haben sie damit einen gewissen Erfolg.
Es wäre ihnen aber zu empfehlen, einmal darüber nachzudenken, dass Regierungen wechseln, Völker nicht! Vorurteile bis hin zu Hass brechen vielleicht erst dann voll durch, wenn die Regierung wechselt.
So etwas geht stets nach hinten und in die falsche Richtung los. In diesem Fall der unzulässigen und unzutreffenden Projektion der Handlungen Israels auf Juden als solche, womit aus Israelkritik oder bestenfalls Antizionismus mal wieder Antisemitismus wird. In den USA gab es in diesem Jahr bereits eine ganze Reihe von teilweise vereitelten Anschlägen gegen Synagogen und jüdische Einrichtungen (aber auch einen gegen eine Moschee). Der größere Teil der jüdischen Weltbevölkerung, viele Israelis eingeschlossen, ist aber alles andere als einverstanden damit, was in Israel passiert:
## Wie denken Juden wirklich über Israels Politik?
Das Meinungsbild ist stark gespalten – vor allem entlang von Altersgruppen und geografischen Grenzen. Die Realität zeigt ein zutiefst zerrissenes Bild, das sich besonders gut am Beispiel der USA (der größten jüdischen Gemeinschaft außerhalb Israels) ablesen lässt:
### Der Generationenkonflikt
Es gibt eine tiefe Kluft zwischen den Generationen, die sich in Umfragen (u.a. des *Pew Research Center* und des *American Jewish Committee*) widerspiegelt:
* **Jüngere Jüdinnen und Juden (unter 30):** In dieser Gruppe ist die Kritik an der israelischen Regierung, der Kriegsführung und der Besatzungspolitik extrem hoch. Organisationen wie *Jewish Voice for Peace* oder *IfNotNow*, die sich aktiv für die Rechte von Palästinensern einsetzen, erleben einen enormen Zulauf. Viele junge amerikanische Juden distanzieren sich stark von der aktuellen israelischen Führung.
* **Ältere Generationen (über 50):** Hier überwiegt oft eine traditionellere, bedingungslose Solidarität mit dem Staat Israel, der als historische Lebensversicherung für das jüdische Volk nach dem Holocaust gesehen wird. Auch wenn man die dortige Regierung (wie die von Benjamin Netanjahu) scharf kritisiert, steht man meist hinter den militärischen Kernzielen zur Selbstverteidigung.
Dass jüdische Gemeinden weltweit dafür büßen müssen, ist doppelt tragisch: Zum einen, weil kollektive Bestrafung unschuldiger Menschen prinzipiell unrecht ist. Zum anderen, weil die jüdische Gemeinschaft selbst eine der pluralistischsten und diskussionsfreudigsten Gemeinschaften überhaupt ist – in der die schärfste Kritik an der israelischen Regierung oft von Jüdinnen und Juden selbst kommt.
In Deutschland beispielsweise vertritt der unbedingt linientreue ZdJ beispielsweise nur eine Minderheit der jüdischen Mitbürger; viele distanzieren sich ausdrücklich vom ZdJ und der israelischen Handlungsweise. Trotzdem erlebt der Antisemitismus weltweit weiteren Aufschwung, wobei nicht gerade hilfreich ist, dass (a) „man darf das nicht verallgemeinern“ besonders in Deutschland durch inflationäre Verwendung an Stellen, wo Verallgemeinerung Not tut, vielfach nicht mehr Ernst genommen wird und (b) Israel nach wie vor für sich in Anspruch nimmt, für alle Juden der Welt zu sprechen.
Und nicht nur das: „alle Juden werden in absehbarer Zeit nach Israel umsiedeln„, so eine weitere Parole aus dem Umkreis Ben Gvir/Smotrich, was alleine physisch – nur rund 1/3 – 1/2 der Juden wohnt in Israel – ein räumliches Problem für die Unterbringung und Versorgung ist.
Um zum Titel des Artikels zu kommen: die israelische Regierung liefert durch ihre Politik derzeit die Bilder und den Vorwand, die von Antisemiten weltweit instrumentalisiert werden, um einen ohnehin existierenden Hass zu rechtfertigen. Die Politik schafft die hochemotionalen Bilder, aber die Kombination aus mangelnder Medienkompetenz, Social-Media-Algorithmen und sozialem Druck sorgt dafür, dass eigentlich gutmeinende, aber uninformierte Menschen massenhaft empfänglich für antisemitische Denkmuster werden. Der Antisemitismus dockt sich wie ein Parasit an das echte, legitime Mitgefühl für die Opfer des Krieges an. Wobei man sich auch Gedanken darüber machen kann, inwieweit Antisemitismus nicht gezielt gezüchtet wird:
Und was passiert derweil in Deutschland? Trotz deutscher Staatsbürger unter den Gaza-Flottilanten bislang nichts, es ist noch nicht einmal bekannt, ob sich das Außenministerium überhaupt kümmert. Klar, irgendwelche Reaktionen würde ja mal wieder an der Staatsräson knabbern, in der Deutschland nicht vorkommt. Mein Tipp deshalb: es wird Haaretz über kurz oder lang so gehen wie RT: damit die deutsche Gesellschaft nicht in den Genuss solcher Informationen kommt, wird der Konsum und die Verbreitung von Haaretz-Nachrichten kurzerhand verboten.
Update, wieder Haaretz
Aktivisten der Gaza-Flottille berichten über Misshandlungen in israelischer Haft – Menschenrechtsgruppe äußert sich
Während hochrangige internationale Vertreter und Staatschefs weiterhin ein Video des rechtsextremen Ministers Itamar Ben-Gvir verurteilten, in dem dieser inhaftierte Flottillen-Aktivisten verhöhnt, teilte das israelische Außenministerium am Donnerstag mit, dass alle Inhaftierten abgeschoben worden seien. In einer Erklärung, die auf ihre anfängliche Festsetzung in internationalen Gewässern folgte, hatte das Ministerium zuvor angegeben, dass 430 Aktivisten in Gewahrsam genommen worden seien.
Das Video, das Ben-Gvir am Mittwoch auf der Plattform X veröffentlichte, zeigte maskierte israelische Polizisten, die Teilnehmer einer abgefangenen, auf dem Weg nach Gaza befindlichen Flottille fixierten, sie durch eine Einrichtung führten, in einer Lagerhalle aufstellten und sie zwangen, mit hinter dem Rücken mit Kabelbindern gefesselten Händen niederzuknien. „So heißen wir Terrorunterstützer willkommen. Willkommen in Israel“, schrieb Ben-Gvir begleitend zu den Aufnahmen. In einem weiteren Clip ist zu hören, wie er – während er mit Handschellen gefesselte Aktivisten verhöhnt – ausruft: „Das Volk Israel lebt!“
Die internationale Empörung über das Videomaterial und den Umgang Israels mit den Aktivisten nahm weiter zu. Das polnische Außenministerium forderte, Ben-Gvir die Einreise nach Polen zu verweigern; der italienische Außenminister rief indes die EU dazu auf, Sanktionen gegen ihn zu verhängen – dies aufgrund der „inakzeptablen Handlungen, die gegen“ die Inhaftierten begangen worden seien und die er als „Verletzung grundlegendster Menschenrechte“ bezeichnete.
Unterdessen berichtete eine israelische Menschenrechtsgruppe am Mittwoch, dass viele der Inhaftierten von extremer Gewaltanwendung, sexuellen Demütigungen und schweren Verletzungen durch israelische Sicherheitskräfte berichtet hätten. Nach Angaben des Rechtszentrums Adalah (Adalah – The Legal Center for Arab Minority Rights in Israel) mussten mindestens drei Personen aufgrund von Verletzungen, die ihnen durch israelisches Sicherheitspersonal zugefügt worden waren, stationär behandelt werden; zudem wurden bei Dutzenden Teilnehmern mutmaßliche Rippenbrüche sowie Atemnot dokumentiert.
In einer nichtöffentlichen Besprechung am Tag vor der Veröffentlichung des Videos teilte Ben-Gvir Polizeibeamten mit, dass er beabsichtige, eine weitere Amtszeit als Minister für nationale Sicherheit anzustreben – oder die Rolle an „jemanden aus dem Ministerium“ abzugeben –, „je nachdem, wie viele Sitze wir“ bei den bevorstehenden Wahlen „erringen“.
Und noch ein Update:
Oberstes Gericht bestätigt neue Regeln, die die Arbeit internationaler Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland erschweren
Israels Oberstes Gericht wies am Mittwoch eine Klage internationaler Hilfsorganisationen zurück, die in Gaza und im Westjordanland tätig sind. Die Klage richtete sich gegen neue behördliche Verfahren, die die Arbeit dieser Organisationen faktisch erschweren – Maßnahmen, von denen erwartet wird, dass sie die humanitäre Lage, insbesondere in Gaza, verschärfen.
Im vergangenen Jahr führte die Regierung neue Registrierungsvorschriften für NGOs ein, die Hilfsorganisationen dazu verpflichten, Israel Einzelheiten zu ihren palästinensischen Mitarbeitern zu übermitteln, um Betriebsgenehmigungen zu erhalten. Gemäß den neuen Regeln kann Israel die Registrierung verweigern oder die Zulassung für Organisationen widerrufen, deren Mitarbeiter in den vergangenen sieben Jahren zu irgendeinem Zeitpunkt zum Boykott Israels aufgerufen haben; wenn eine „hinreichende Grundlage für die Annahme“ besteht, dass sie die Existenz Israels als jüdischen und demokratischen Staat ablehnen; wenn sie den bewaffneten Kampf gegen Israel unterstützen; oder wenn sie den Holocaust oder die Gräueltaten vom 7. Oktober leugnen.
Die meisten Organisationen weigerten sich, die Mitarbeiterdaten zu übermitteln, und argumentierten, dass sie sich dadurch rechtlichen Klagen aussetzen könnten, da europäische Datenschutzbestimmungen solche Offenlegungen untersagten. Infolgedessen wurde 37 Organisationen die Genehmigung zur Fortsetzung ihrer Arbeit verweigert.
Unterdessen wurde in Gaza nach Angaben von Gesundheitsbehörden ein 13-jähriger Junge bei einem israelischen Drohnenangriff im Norden der Enklave getötet. Anwohner berichteten zudem von einem erneuten Muster israelischer Warnungen, die Zivilisten dazu auffordern, vor bevorstehenden Angriffen zu fliehen – eine Praxis, die nach der im vergangenen Oktober erzielten Waffenruhe weitgehend abgeebbt war.
Die IDF äußerte sich zunächst nicht unmittelbar zu dem Angriff, teilte jedoch am späteren Donnerstag mit, sie habe eine Person getötet, die sich verdächtig verhalten und die Waffenstillstandslinie im nördlichen Gaza überquert habe.
Leider wird in Deutschland ja Kritik an den menschenverachtenden Handlungen der israelischen Regierungen sofort als Antisemitismus gebranntmarkt. Das gilt auch für Juden wie den Verein „Die jüdische Stimme …“ in Deutschland und höchstwahrscheinlich auch für israelische Menschenrechtler und die Redakteure von Haaretz. Ansonsten gibt es weitere Ähnlichkeiten zwischen Deutschland und Israel: neben den Politikern pfeifen auch die Staatsjuristen auf jede Art von Menschenrecht.