Causa Iran

Der Iran ist den USA, oder besser Israel, oder besser beiden ein Dorn im Auge. Israel, weil er offen anti-israelische Gruppen unterstützt (auch mit Waffen) und weil er in der Lage ist, Israel militärisch Paroli zu bieten. Und den USA aus revachistischen Gründen, weil sie weiland mitsamt ihrer Marionette Shah Reza Pahlavi aus dem Land geprügelt worden und – besonders wichtig – der Iran über Rohstoffe verfügt, die nicht vom US-Kapital kontrolliert werden. Die politischen Ziele sind daher

  • die komplette Einstellung des iranischen Atomprogramms,
  • die Entwaffnung des Iran und
  • abschließend die Installation eines vom Westen kontrollierten Regimes.

Bezüglich des Atomprogramms hat der Iran schon mehrfach, auch aktuell, die Bereitschaft signalisiert, Kontrollen zuzustimmen, dass er keine Atomwaffen zu bauen gedenke, aber die USA und Israel bestehen auf völliger Enturanisierung des Iran, was nebenbei gegen internationale Verträge verstößt. Der Iran ist dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten und dieser erlaubt Mitgliedern ausdrücklich die zivile Nutzung von Kernenergie.

Bezüglich der Entwaffnung ist der Iran derzeit zu keinerlei Kompromissen bereit, schon alleine aus dem Grund, weil ein Marionettenregime in wenigen Jahren die unausweichliche Folge wäre. Schlussfolgerung der USA: wenn der Iran nicht freiwillig ein Marionettenregime installieren will, muss man eben ein wenig nachhelfen.

Wenn man in den Iran hineinschaut, lässt sich zweifelsfrei feststellen, dass das Mullah-Regime ziemlich verhasst ist, etwa so verhasst wie Macron, Starmer und Merz. Andererseits sind die USA und der Schah-Abkömmling, der neuerdings Erbansprüche anmeldet, noch verhasster. Fazit: im Zweifelsfall lieber die Mullahs. Wobei die iranische Bevölkerung nicht aus Fellachen besteht, sondern es sich um ein gebildetes Volk handelt, was man schon daran merkt, dass die Hälfte aller Moscheen des Landes inzwischen mangels Gläubiger geschlossen sind und im Rest auch nicht regelmäßige Gymnastikstunden mehr stattfinden. Nichts ist einer Religion bekanntlich abträglicher als Bildung, was man dort in der Praxis beobachten kann. Entsprechend sind die Zustände längst nicht mehr so vernagelt, wie man das hier gerne darstellt. Gleichberechtigung von Frauen ist in solchen Ländern halt ein langsamer Prozess, der trotzdem läuft, wie man auch an den noch extremistischeren wahhabitischen Nachbarn, den Saudis, erkennen kann, wo Frauen mehr und mehr machen können, was in anderen Ländern auch geht (ob dabei nicht auch hier vorsichtiger sein sollte, ist eine Überlegung, die schnell aufkommt, wenn man sieht, was für ein Typ von kriegsgeilen Flintenweibern hier inzwischen das Sagen hat).

Was weitgehend im Westen unbekannt ist: es leben immer noch ca. 15.000 Juden im Iran (von ca. 200.000 zu Zeiten des Schahs). Die stehen unter Dhimmi-Status und dürfen weitgehend machen was, sie wollen, sind aber von bestimmten Ämtern ausgeschlossen (streng nach den Regeln des Koran). Allein in Teheran gibt es vermutlich fast genauso viele Synagogen wie in ganz Deutschland. Der Iran ist zwar streng antizionistisch, aber antisemitisch entspricht nicht den Tatsachen.

Und da kommen wir langsam zum „Nachhelfen“. Iran ist ein Vielvölkerstaat. Nur 60% sind Perser, danach kommen als große Gruppen Aserbeidschaner, Kurden und weitere, oft unbekannte Ethnien. Das macht es Wühlmäusen wie der CIA, dem MI6 oder dem Mossad einfach, „informelle Mitarbeiter“ zu rekrutieren. Die meisten Juden, die nach dem Schah den Iran verlassen haben, haben nach Israel „rübergemacht“ und zählen hier zu den Mizrahim, den am wenigsten angesehenen echten Juden. Da Juden tradionell über wesentlich besser internationale persönliche Beziehungen verfügen als andere Völkerschaften, hat besonders der Mossad gute Chancen der Rekrutierung, was auch erklärt, weshalb er im Iran oft Kenntnis von Dingen hat, die eigentlich nur Insidern bekannt sein sollten, und dies auch zu Angriffen der fieseren Sorte nutzt (wobei allen drei Geheimdiensten zuzutrauen ist, dass sie Zielfamilien auch Angebote unterbreiten, die diese nicht zurückweisen können, beispielsweise eine intakte Kniescheibe auch in der Zukunft).

Dank Internet & Co. ist es auch möglich, alles in einzelnen Gruppen zu organisieren, die zentral gesteuert werden, aber eine Gruppe nicht weiß, wer zu einer anderen gehören könnte. Fällt dem iranischen Geheimdienst mal was auf (und das tut es anscheinend auch häufiger), wird nur eine Gruppe hopps genommen, der Rest funktioniert weiter.

Um diese Gruppen einsetzen zu können, verhängen die USA Sanktionen, die letztlich die Wirtschaft des Iran schädigen. Auch bei dem vielen Gerede über Freiheit und Demokratie ist den meisten Menschen sehr viel ziemlich egal, wenn sie ihre (meist bescheidenen) Lebensträume erfüllen können: steigender oder stabiler Wohlstand und erreichbare Ziele bei entsprechendem Arbeitseinsatz. Regime, die ihren Teil des Deals einhalten können, haben in der Regel wenig Probleme, auch wenn sie totalitär sind. Die Sanktionen verhindern das, was Unzufriedenheit hervor ruft und das wiederum offene Proteste und Demonstrationen. Der Iran ist da keine Ausnahme: Proteste finden immer wieder statt und laufen in der Regel so ab wie hier, nämlich relativ gewaltfrei.

Gewissermaßen synchrone landesweite Proteste gab es Ende 2025. Auslöser war die Bankenpleite einer der größten Banken des Landes, der Ayandeh-Bank. Schlagartig war fast alles weg, was die Bevölkerung dort gespart hat. Ursache waren schwere Korruptionsfälle innerhalb der Bank, wobei man sagen muss: nicht schlimmere Korruption als man es von westlichen Banken gewohnt ist. Mit dem Finger drauf zeigen wäre also wieder übertrieben. Der Auslöser der Pleite die zu diesem Zeitpunkt noch einmal angezogenen Sanktionen, was es der Bank und der Regierung nicht erlaubte, die Verluste über internationale Maßnahmen aufzufangen, wie es überlicherweise im Westen passiert.

Die Leute waren also landesweit synchron auf der Straße. Dummerweise alles mehr oder weniger friedlich wie gewohnt. Und hier treten nun die Geheimdienstzellen auf den Plan. Extern gesteuert begannen anscheinend einzelne Zellen, synchron um sich zu schießen. Dabei trifft man tunlichst beide Parteien, Demonstranten und Sicherheitskräfte. Frei nach Gustave Le Bon schlucken 80% diese vorgehaltenen Bratwurst und werden ebenfalls gewalttätig – und schon hat man den gewünschten ernsten Aufstand.

Die iranischen Behörden schalteten sofort Internet und Mobilfunk komplett ab. Das half aber nur teilweise; die Schießereien gingen weiter. Die Amerikaner hatten nämlich vorsorglich etliche 10.000 StarLink-Terminals ins Land geschmuggelt, was weiterhin die Internetversorgung und damit die Steuerung der Zellen ermöglichte. Den Schmuggel haben die USA inzwischen öffentlich gestanden (das Wall Street Journal berichtete) und die unterstellte externe Steuerung ist faktisch dadurch bewiesen, dass es den iranischen Behörden kurzfristig gelang, die Starlink-Terminals zu neutralisieren, was zum schlagartigen Ende der Aufstände führt. Keine Synchronisation und die Gruppen geben auf oder werden ziemlich schnell ausgehoben. Die Neutralisierung gelang vermutlich durch Jammer und schnelle Ortung mit Hilfe russischer Technik (die Russen dürfen ja schon länger mit solchen Techniken in der Ukraine üben).

Runde 1 ist schief gegangen. Das Regime ist weiter an der Macht. Wie es weitergeht, ist offen. Die Iraner spielen auf Zeit, die USA verlegen aktuell einen weiteren Flugzeugträger von Venezuela in die Gegend. Wobei das nicht ganz ungefährlich ist: weiter weg vom Heimathafen geht nicht und entsprechend lang und anfällig sind die Versorgungswege. Strategische Drohnenangriffe des Iran sind selbst nach Ansicht der Rand-Corporation nicht ungefährlich für die US-Flotte und ob die praktisch nicht abfangbaren Hyperschallraketen nicht inzwischen über russiche Technik verfügen, die es erlaubt, auch bewegliche Ziele wie einen Flugzeugträger zu treffen, ist nicht ausgemacht.

Womit wir bei den anderen Mitspielern sind. Gegenüber den USA kann man von einer Zweckgemeinschaft Iran-Russland-China-Nord Korea ausgehen (Indien scheint strikt neutral zu sein und genauso strikt sich nicht mehr reinreden lassen zu wollen). Keiner von denen will einen direkten Konflikt mit den USA, weil der schnell atomar enden würde, was aber verdeckte Hilfe untereinander nicht ausschließt. Wie Wang Yi ganz offen gesagt hat: „eine Niederlage Russlands ist nicht im Interesse Chinas“. Die Staatengruppe wird sich folglich untereinander verdeckt jede Unterstützung zukommen lassen, die möglich ist. Die USA spielen zwar mächtig den Muskelprotz und scheinen zu planen, aus dem Iran ein zweites Libyen zu machen, aber wo das wirklich hinführt, ist noch nicht auszumachen.