Ich hätte sehr großes Verständnis

wenn die VW-Mitarbeiter Ex-Chef Winterkorn, den gesamten Vorstand und Aufsichtsrat sowie die niedersächsische Landesregierung nebst Sigmar Gabriel und Christan Wulff kurzerhand erschlagen würden. Möglicherweise gäbe es dabei sogar ein Gerangel mit den Besitzern von VWs, die einen nicht minder triftigen Grund dazu hätten. Die hätten sogar einen trifitgen Grund, die gesamte Bundesregierung mit einem Abschleppseil um den Hals am nächsten Laternenpfahl baumeln zu sehen, lässt die doch die Verantwortlichen völlig ungeschoren und droht nun sogar mit eine Zwangsstilllegung der Fahrzeuge, werden diese nicht völlig entschädigungslos für den Wert- und Leistungsverlust umgerüstet.

Blödelbarde Otto tönte Anfang des Jahrtausends in einem seiner Filme

Jedes dritte bei VW gebaute Fahrzeug ist ein Auto

Er wusste wohl nicht, wie Recht er damit hatte.

Das Problem als solches betrifft aber nicht nur VW, sondern allgemein die Wirtschaft. Konzernbosse werden gerne als Wirtschaftsführer bezeichnet. Wenn man nach einer treffenden Charakterisierung sucht, wird man aber eher in der Biologie als in den Wirtschaftswissenschaften fündig:

Parasitismus (altgriechisch παρά para „neben“, σιτεῖσθαι siteisthai „essen“; auch Schmarotzertum) im engeren Sinne bezeichnet den Ressourcenerwerb mittels eines in der Regel erheblich größeren Organismus einer anderen Art, meist dient die Körperflüssigkeit dieses Organismus als Nahrung. Der auch als Wirt bezeichnete Organismus wird dabei vom Parasiten geschädigt, bleibt aber in der Regel am Leben. In seltenen Fällen kann der Parasitenbefall auch zum Tod des Wirtes führen, dann aber erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Im weiteren Sinne kann Parasitismus als eine Steigerung der Fitness des Parasiten verstanden werden, die bisweilen verbunden ist mit einer Verminderung der Fitness des Wirtes.

Sagen wir es ganz offen, Leute wie Winterkorn und andere agieren wie Parasiten. VW hat aus irgendwelchen Gründen, die bereits in schweren Versäumnissen der Konzernspitze bestehen, bereits 2008 mit dem Betrug angefangen. Selbst wenn es Anfangs eine Notlage gewesen wäre (was es nicht war), hätten 7 Jahre locker genügt, technisch nachzurüsten. Beides – Art des Betruges und seine Dauer – beweisen, dass das nicht den Hirnen einiger kleiner Ingenieure entsprungen ist. Die Entscheidung kam von ganz Oben, also aus dem Bereich Piech – Winterkorn.

Warum? Die Antwort ist einfach: Parasitismus der Konzernspitze. Jeder kleine Vorteil, ob nun preisgünstigere (und in diesem Fall betrügerisch minderwertige) Fertigung oder bessere Leistung, erhöht die Boni der Konzernspitze. Konzernmanagerriegen kassieren weltweit für „gute Leistungen“ pro Unternehmen pro Jahr Beträge im Bereich von 100-500 Mio €. Worin die guten Leistungen bestehen, weiß keiner so genau, denn wenn sie mal mit ihren Betrügereien auffallen, wissen sie angeblich noch nicht einmal, wo die Toilette auf der Chefetage zu finden ist.

Dabei ist ihnen jedes Mittel Recht, und die Folgen sind ihnen wie allen Parasiten völlig egal. Ob nun Winterkorn bei VW oder ein UBS-Manager bei einem verbotenen Deal mit dem Iran oder einem Deutsche Bank Manager beim vorsätzlichen Betrug seiner Kunden mit wertlosen Wertpapieren, das Spiel ist immer das Gleiche: das Unternehmen macht einen Gewinn in der Größenordnung 400 Mio, der Manager kassiert Boni in Höhe von 40 Mio, der Betrug platzt, das Unternehmen muss 1 Mrd Buße zahlen – und der Manager kann seine Boni wie jeder gute Parasit behalten, u.U. sogar noch steuerfrei. Der Wirt ist nachhaltig geschädigt, der Parasit nachhaltig fett gefressen.

Damit ist noch nicht einmal Schluss, denn der nächste Parasit steht bereits in den Startlöchern. Der fängt dann im geschädigten Wirtsunternehmen an, dass mit einigen Mrd. Verlust dasteht, sagen wir 4 Mrd. Der neue Manager legt sich ins Zeug und macht und tut, und schon ein Jahr später macht das Unternehmen tatsächlich nicht mehr 4 Mrd. Verlust, sondern nur noch 3,5 Mrd. Leute werden entlassen, Zulieferer erpresst, der Steuerzahler gemolken – und der Parasit bekommt alleine dafür, dass die Verluste zwar immer noch vorhanden, aber nicht mehr so hoch sind, erneut Boni von vielleicht 25 Mio. 25 Mio für eine parasitische Pfeife.

Da liegt das eine Problem – das zweite liegt darin, das die Politik im Prinzip nicht besser ist und das alles auch noch unterstützt, kräftig geschmiert von Lobbyisten der Manager. Die geben ein wenig ab, und schon halten die bezahlten Politiker ihnen die Meute vom Hals. Eigentlich sollte die Poliktik in Symbiose mit ihren Wählern stehen, d.h. beide profitieren voneinander. In der Realität agieren Politiker aber günstigstenfalls als Schmarotzer: sie profitieren sehr einseitig vom Wähler, aber schädigen den Organismus nicht nachhaltig. Das ist aber der günstige Fall: gefühlt handeln auch sie zunehmend als Parasiten. Für die Pflege des eigenen Ego und des eigenen Bankkontos sind ihnen die Belange der Bürger zunehmend egal. Pegida und Wahlmüdigkeit sind ein Zeichen davon, dass sich Bürger mit ihren Sorgen und Interessen nicht mehr von der Politik vertreten sehen.

Wie wird man Parasiten los? Wenn der es übertreibt, wehr sich irgendwann der Wirt, und zwar sehr massiv. 1789, 1917 und 1949 sind Jahre, in denen die massive Gegenwehr besonders deutlich zum Ausdruck kam und mit den Eingangs geschilderten Maßnahmen gegen die Parasiten endete. Besser wurde es in der Regel anschließen meist nicht, aber immerhin hatte man mal Dampf abgelassen …

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